PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Das ganz normale Eisbären-Baby



Webmaster
29.02.2008, 09:54
Es war das bestgehütete Geheimnis der Stadt: Seit dem 10. Dezember gibt es in der Stuttgarter Wilhelma ein Eisbären-Baby. Nun hat Wilbär, wie das weiße Fellknäuel getauft wurde, die schwierigen ersten zehn Wochen hinter sich und gedeiht prächtig. Gestern präsentierte Wilhelma-Chef Dieter Jauch zusammen mit dem Betreuer-Team der Öffentlichkeit stolz die ersten Aufnahmen und Videos von Wilbär, dem ersten kleinen Wilhelma-Eisbären, und Mutter Corinna, die sich vorbildlich um ihren Nachwuchs kümmert.

Aus dem fast nackten, tauben, blinden Bündel von der Größe eines Meerschweinchens, mit dem im Maul Eisbär-Dame Corinna am Abend des 10. Dezember im Kamera-Bereich des Bärengeheges auftauchte, ist mittlerweile ein schneeweißes, putzmunteres kleines Bärchen mit sechs Kilo Gewicht von der Größe eines Stallhasen geworden, das von seiner Mutter gesäugt und sorgfältig gehütet wird. Wilbär spielt, trinkt, jammert und schläft die meiste Zeit – kurzum: „Er ist völlig normal“, berichtet Jauch.

Damit das so bleibt, wird der knuffige Kleine noch mindestens sechs Wochen vor den Augen der Öffentlichkeit verborgen bleiben. Absolute Privatsphäre, Ruhe, Geborgenheit und der ungestörte Aufbau einer engen Mutter-Kind-Beziehung sind dabei oberstes Gebot. Lange war nicht sicher, ob Corinna ihr erstes lebendes Baby nach fünf gestorbenen Jungtieren annehmen würde oder es überhaupt gesund war – drei Wochen lang blieben die beiden absolut für sich – was unmöglich gewesen wäre, wenn irgendjemand das tierische Geheimnis verraten hätte. Doch alle hielten dicht, selbst innerhalb der Wilhelma wussten nur wenige davon. Jetzt ist die Erleichterung groß. „Denn einen Eisbären von der Mutter aufziehen zu lassen, ist viel schwieriger, als man glaubt“, sagt Kuratorin Ulrike Rademacher, auf deren Initiative das Bärengehege vor einiger Zeit tiergerechter umgestaltet wurde. Seit Wilbär vor kurzem erstmals ein paar Minuten von seiner Mutter getrennt, geimpft und gewogen wurde, steht fest: Dem Wonneproppen geht es bestens – und es ist ein Männchen.

Frühestens Ende April will die Wilhelma für Corinna und ihren Kleinen die Schleuse zum Freigehege und damit in die Öffentlichkeit freigeben – schließlich verlassen die Tiere auch in der freien Wildbahn erst mit vier Monaten die schützende Höhle. Bis dahin haben weiter nur ganz wenige Kontaktpersonen für Kehrwoche und Fütterung Zutritt zum innersten Bereich. Besucher können lediglich über Monitore einen Live-Blick in das von Licht und Geräuschen weitgehend abgeschottete „Kinderzimmer“ werfen. Denn Wilbär soll ein Schicksal wie das seiner berühmten Artgenossen Knut oder Flocke erspart bleiben, wo der geballte Medienrummel den Zoologen das Heft aus der Hand genommen hatte und Kameras und Besuchermassen noch in den letzten Rückzugsbereich der Tiere eindrangen und jede Chance auf eine weitgehend „normale“ Entwicklung der Tiere unmöglich machten. „Wir sind überglücklich, dass Wilbär bei seiner Mutter aufwachsen kann“, sagte Jauch gestern.

Dass das Eisbär-Baby dennoch Geld in die Kassen der Wilhelma spülen wird, kommt dem landeseigenen Betrieb aber durchaus nicht ungelegen. Den Namen Wilbär – eine Kombination aus „Wilhelma“ und „Eisbär“, hat man sich vorsichtshalber schon vor einiger Zeit schützen lassen, und auch Souvenirs wie T-Shirts mit dem Abbild des putzigen Petzes oder eine Kuscheltier-Ausgabe wird es demnächst geben. „Ein kommerzieller Erfolg wird er aber sicher nicht werden, dazu ist er zu normal, und darüber sind wird froh“, so Wilhelma-Chef Jauch. „Wir sind nicht auf das große Geld aus, aber Wilbär kann uns dabei helfen, bessere Bedingungen für seine Artgenossen zu bekommen. Und wenn er ein Botschafter der Arktis in unserer Region wird, ist es uns auch recht.“ In Geld lässt sich der Wert eines Eisbär-Babys für einen Zoo ohnehin nicht bemessen. „Eisbären werden nicht gehandelt“, sagt Jauch.

Nicht über dem Berg

Noch ist Wilbär nicht über den Berg – die nächste kritische Phase naht, wenn er Bekanntschaft mit dem Wasserbecken im Außengehege macht. Zur Gewöhnung kommt vorerst mal ein Planschbecken ins Kinderzimmer. Bis zu zweieinhalb Jahre in der Obhut seiner Mutter bleiben Wilbär jetzt, um von einem putzigen Fellknäuel zu einem Koloss von bis zu drei Meter Größe und 800 Kilo Gewicht heranzuwachsen. Dann wird für ihn ein neues Zuhause gesucht. „Es ist unser größter Wunsch, dass er normal und gesund heranwächst“, sagt Wilhelma-Chef Jauch. Deswegen muss Wilbär auch sorgfältig vom aus dem Karlsruher Zoo stammenden Papa Anton getrennt gehalten werden. Der würde kurzen Prozess mit dem Spross machen.

silvia
29.02.2008, 09:54
das Eisbärbaby ist echt supersüss

Beschu
29.02.2008, 10:18
Wollen wir hoffen, dass die guten Vorsätze nicht schon in ein paar wochen wieder vergessen sind.