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  1. #1
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    Standard

    PFORZHEIM. Eine 78-Jährige ist am Mittwoch dieser Woche tot in ihrer Wohnung gefunden worden. Die Hausverwalterin sagt, sie habe die Behörden seit Monaten darauf hingewiesen, dass die Frau Hilfe benötige. Es sei nichts geschehen.

    Eine einfache Mieterin ist sie zu Lebzeiten nicht gewesen und eine einfache Nachbarin auch nicht. Mehrmals sei es zu heftigen und lauten Auseinandersetzungen zwischen Waltraud W. und ihrem Wohnumfeld an der Frankstraße in Pforzheim gekommen, berichtet Claudia Wensky, Mitarbeiterin der Stuttgarter Firma Immobilien Müller GmbH. Sie ist betraut mit der Verwaltung des Mehrfamilienhauses, in dem Waltraud W. gewohnt hat. Zwei Türen von Nachbarn würden heute noch Spuren von Waltraud W’s Versuchen zeigen, sie einzutreten. Die Frau sei oft aggressiv gewesen und habe getrunken.

    Nachbarn in SorgeKurz vor Weihnachten habe sich der Zustand der Mieterin verschlimmert. Sie sei immer dünner geworden und zusehends verwahrlost, was auch Nachbarn aufgefallen sei, die ein Auge auf die Frau hatten. Denn Waltraud W. habe sonst niemanden gehabt, keine näheren Verwandten, keine Bezugsperson. Kurz vor Weihnachten, sagt Claudia Wensky, habe sie das erste Mal mit den Sozialen Diensten der Stadt gesprochen und sie darauf hingewiesen, dass man sich um Frau W. kümmern müsse. „Schlimm geworden ist es, als Gerüche aus der Wohnung gekommen sind“, sagt Frau Wensky. Am 15. Januar rief sie erneut bei den Sozialen Diensten an, berichtete von Gestank, Verwahrlosung und davon, dass die Mieterin offensichtlich kaum noch Nahrung zu sich nahm. Claudia Wensky hat sich die Daten notiert, und auch die Namen ihrer Gesprächspartner im Rathaus. Bis in den Februar hinein habe sie mit mehreren Mitarbeitern telefoniert, die sich für unzuständig erklärten, auf Vorgesetzte oder Kollegen verwiesen und die vor allem immer wieder nicht zurückgerufen hätten, sagt Claudia Wensky. Auch die Polizei sei im Spiel gewesen.

    Polizeisprecher Rüdiger Schroth bestätigt, dass Nachbarn die Polizei am 15. Februar alarmiert hatten, weil die 78-Jährige in ihrer Wohnung herumschrie. Vor Ort hätten die Beamten festgestellt, dass die Frau laut gerufen habe, weil ihre Wasserleitung tropfte und sie der Situation nicht anders Herr geworden sei, als das Wasser in Eimern zu sammeln. Sie habe durch das Schreien auf ihre Lage aufmerksam machen wollen. In der Wohnung habe es schlecht gerochen, dies aber, weil schlecht gelüftet worden sei. Ansonsten hätten weder Frau noch Wohnung deutliche Anzeichen von Verwahrlosung gezeigt, auch sei die Frau dem Polizeirevier Süd nie aufgefallen. Man habe einen Vorkommnisbericht an die Stadtverwaltung geschickt, aber der „hat keine Maßnahmen gerechtfertigt“.

    „Es tut mir leid“So haben das die betroffenen städtischen Ämter dann auch gesehen, wie ihr Vorgesetzter, Sozialbürgermeister Gert Hager (SPD) der PZ sagt. Mit Eintreffen dieses Berichts der Polizei sei die Sache als erledigt betrachtet worden, und sie habe sich ohnehin anders zugetragen, als Claudia Wensky das schildert. Zwar bestätigte Hager nach Rücksprache mit seinen Mitarbeitern den Anruf Wenskys am 15. Januar. Aber der städtische Bedienstete habe darin eher eine Frage nach Beratungsmöglichkeiten gesehen, die er auch beantwortet habe, als den Hinweis auf eine Notlage. „Der Mitarbeiter hätte natürlich bei uns im Haus einfach weiterverbinden können“, sagt Hager. „Es tut mir leid, dass das nicht passiert ist.“ An weitere Anrufe bis zu dem Tag, an dem aus Sicht der Stadt die Entwarnung von der Polizei kam, könne sich aber keiner der städtischen Mitarbeiter erinnern, die Wensky nannte. „Und die sind mir gegenüber ehrlich“, so Hager. So leid ihm die 78-Jährige tue, die im Übrigen eines natürlichen Todes und nicht etwa an den Folgen von Vermüllung gestorben sei, aber: „Ich kann kein Verschulden meiner Mitarbeiter erkennen“, sagt Hager.

  2. #2
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    Standard Hilfsbereitschaft seinen Mitmenschen gegenüber.

    Man sollte doch unterscheiden,ob man im Dorf wohnt, wo "jeder jeden kennt" oder in einer Stadt, wo das "anonyme" überwiegt,und hier besonders in den Mietshäusern!?
    Fakt ist aber in unserer heutigen schnelllebrigen Zeit,
    das "Ich" bezogene,eines fast jeden Bürgers!? Was geht mich der andere an!
    Man kann es doch immer wieder auf den Straßen Pforzheims,aber auch anderer Ortschaften sehen, wenn ein Mensch, "Hilflos" dasitzt oder auch auf dem Boden liegt, das die "meisten" Menschen, an dieser ,aus wessen Gründen auch immer hilflosen Person,achtlos vorbeigehen! Vielleicht auch mit dem Gedanken im Hinterkopf,der nächste, wird sich drum kümmern?
    Aber so wird es auch in den meisten Wohnhäusern,der Städte und Gemeinden, dieser Republik sein! Beispiele hierfür,wurden ja schon zur Genüge,in den Medien verbreitet! Jeder Mensch, sollte sich vor Augen halten,das auch er,durch irgendeine Krankheit,Unfall,Überfall, oder sonstigen unverhofften Ereignisses,zu einer "völlig" hilflosen Person werden kann,welche dann froh ist, wenn ihm andere , die nötige Hilfe geben!

    Außerdem ist jeder Bürger laut Gesetz verpflichtet,bei einem jeden,körperlich wie auch psychisch, in "Not" geratenen Menschen, Erste Hilfe" zu leisten,da man sonst wegen Unterlassener Hilfeleistung,zur Rechenschaft gezogen werden kann!?

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