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    PFORZHEIM. Das Mittelalter gesucht und eine Bebauung aus vorchristlicher Zeit gefunden. Die Archäologen sind bei den Grabungen an der Deimlingstraße auf Holzbauten gestoßen, die vor weit mehr als 2000 Jahren hier standen.

    Mit dem Bau der neuen Alfons-Kern-Schule auf dem Grundstück Deimling-/Zehnthofstraße verschwindet ein Stück Alt-Pforzheim, dessen Reste im Untergrund schlummern. Beim Luftangriff am Abend des 23. Februar 1945 lag auch die Bebauung beiderseits der Gymnasiumstraße in Schutt und Asche. Dennoch fand sich im Untergrund manch Interessantes in einem Gebiet, das zu den dichtbebautesten und ältesten Stadtquartieren gehört.

    Siedlung unterhalb der BurgSichtbar für Passanten waren Grundmauern von Häusern, das Pflaster der Klostermühlgasse, Kellerwände und Böden. Funde in einer Latrine erwiesen sich für die Fachleute als wichtige Überreste zum Bestimmen des Alters der Anlage. Denn die Denkmalpflege hatte sich wichtige Aufschlüsse zur Besiedlung in diesem Bereich erhofft, der zur im 12. Jahrhundert unterhalb der Burg entstandenen Neustadt gehörte. Bis Ende November vergangenen Jahres, darauf hatten sich Stadt und Regierungspräsidium Karlsruhe (RP) verständigt, sollte in der Vergangenheit Pforzheims gebuddelt werden. So lange war diese Maßnahme finanziert.

    Doch jetzt sind die Archäologen zurückgekehrt. „Da wir für den Neubau der Alfons-Kern-Schule erst im Mai mit dem Abriss des Parkhauses beginnen, hatte sich das für die Denkmalpflege zuständige RP an uns gewandt, ob noch weitere Untersuchungen stattfinden können, wenn dazu die Mittel bereitgestellt werden“, bemerkte Sabine Auer vom städtischen Gebäudemanagement auf Anfrage der PZ. Die Gelder wurden vom Regierungspräsidium genehmigt, so dass ein fünfköpfiges Team unter Leitung von Doris Schmidt die Grabungen wieder aufnahm. Ihr Hauptaugenmerk gilt dabei einer Fläche, die im Laufe der Jahrhunderte nicht durch den Bau von Kellern im Untergrund zerstört worden war. „Hier finden wir völlig intakte Erdschichten vor“, erläuterte sie vor Ort. Und was dabei zutage trat, kam einer Überraschung gleich: Es fanden sich Reste einer Holzbebauung. Und die stammt aus vorchristlicher Zeit. Holz selbst ist nicht mehr vorhanden, dazu hätte es im Untergrund gleichmäßig feucht sein müssen. Aber es können Gebäudegrundrisse gedeutet werden, die weit vor Christi Geburt entstanden. Denn für die damaligen Bauten wurden Gruben ausgehoben und in diese Holzpfosten gesetzt, die mit Steinen ausgekeilt wurden. Solches kann nachgewiesen werden. Schon vor Jahren, als auf dem Parkplatz hinterm Rathaus (dem früheren Schulplatz) ein Suchschnitt vorgenommen worden war, gab es Funde, die bis in die Keltenzeit zurückreichten.

    Ein Suchschnitt wurde jetzt auch durch die ehemalige Gymnasiumstraße vorgenommen. Sechs Meter war sie von Hauswand zu Hauswand breit. Zwei Wagen sind da gut aneinander vorbeigekommen“, bemerkte die Grabungsleiterin. Auch wenn vom ursprünglichen Pflaster nichts mehr vorhanden ist, wurden die Archäologen dennoch fündig: „Ein schöner mittelalterlicher Steinkanal“ (Doris Schmidt)trat zutage, der sich durch die Straße zieht und in ein Gebäude abzweigt. Sie datiert ihn auf das 14./15. Jahrhundert.

    Noch vier Wochen Zeit„Schade, dass wir nurmehr das Notwendigste untersuchen können,“ bedauert die Grabungsleiterin. Dazu gehören auch Latrinen, in denen meist Töpfe, Schüsseln und anderes entsorgt wurde. Wegen er heftigen Regenfälle Ende vergangenen Jahres waren sie voller Wasser gestanden.

    Noch bleiben vier Wochen Zeit. Was bis dahin nicht aus Pforzheims Vergangenheit erforscht werden konnte, landet im Bauschutt oder verschwindet wieder im Untergrund. Doris Schmidt: „Das ist schade. Aber damit müssen wir leben, in Pforzheim wie auch anderswo.“

  2. #2
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    Habe Altpforzheim nicht erlebt, wurde erst in den 50er Jahren geboren. Sammle aber Ansichtskarten aus der Zeit vor dem Angriff und fand Pforzheim damals sehr schön. Finde es schade, daß man die ausgebuddelten Sachen aus der Zeit wieder zuschüttet. So eine alte Pflasterstrasse oder alte Grundmauern müssten zur Ansicht erhalten bleiben. Ist sicher nicht durchführbar, aber ich hätte gerne mal was original altpforzheimerisches gesehen. Von den Ausgrabungen lese ich leider immer erst zu spät.

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