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    PFORZHEIM/ENZKREIS. Kirchen und kirchliche Immobilien stehen auf dem Prüfstand. Immer wieder kommt es zu Verkäufen von Gotteshäusern oder anderen kirchlichen Einrichtungen – auch in der Region.

    Zu schaffen macht traditionellen Kirchen und Religionsgemeinschaften der Mitgliederschwund aufgrund des demografischen Wandels, andere, darunter auch Freikirchen, verzeichnen indes Zuwächse. Ihnen wird das angestammte Gotteshaus zu klein und sie müssen in ein größeres umziehen. Häufig helfen sich die Kirchen und Religionsgemeinschaften mit sakralen Immobilien gegenseitig.

    Bereits vor einigen Jahren, zu jener Zeit, als in der Evangelischen Kirche Pfarrstellen eingespart wurden, sich die ehemalige Paulusgemeinde mit der Markus- und der Thomasgemeinde zusammenschloss, stand im evangelischen Kirchenbezirk Pforzheim Stadt der Verkauf der Pauluskirche in der Sachsenstraße in Pforzheim an. Dekan Hendrik Stössel ist froh, dass sich mit der Pforzheimer Stadtmission ein kirchlicher Käufer gefunden hat, dem sein bisheriges kirchliches Domizil zu klein geworden war. „Wir wollen keine Kirchen verkaufen, denn sie sind Stätten des Gebets“, sagt der evangelische Dekan und betont aber auch, dass ein hoher Gebäudebestand an dem über Jahre nichts gemacht wurde, erdrücken kann.

    Zum Sängerheim umgebautEin weltlicher Käufer, nämlich die politische Gemeinde Wurmberg kaufte der Neuapostolischen Kirche Süddeutschland 2007 aufgrund geringerer Mitgliederzahlen das neuapostolische Gotteshaus in Wurmberg für kulturelle Zwecke ab. Zuvor diente die Kirche 40 Jahre als Gemeinde- und Gotteshaus. Doch von der ehemaligen Kirche ist nicht mehr viel zusehen, entfernt sind Kirchenbänke, der ehemalige Altarraum präsentiert sich in einem kräftigen Orange und in der einstigen Sakristei ist nun die Küche untergebracht. Denn in das frühere Gotteshaus ist seit ein paar Wochen der Wurmberger Gesangverein eingezogen.

    Städtisch als Museum genutzt wird schon seit vielen Jahren die frühere evangelische Gemeindekirche in Brötzingen. „Die Martinskirche wurde zu klein und mit der Eingemeindung wurde anfangs des letzten Jahrhunderts eine neue Kirche versprochen und die Christuskirche gebaut“, so Dekan Stössel. „Noch haben wir keine Not und am Horizont zeichnet sich nicht ab, dass wir Kirchen verkaufen müssen wie dies beispielsweise in Ostdeutschland oder im Ruhrgebiet der Fall ist“, sagt Pforzheims katholischer Dekan Bernhard Ihle.

    Mehr Spenden als SteuernDoch auch er weiß, dass Kirchen, gerade in Zeiten, in denen die Kirchensteuereinnahmen und Kirchenbesucher zurückgehen, die Seelsorgeeinheiten größer werden, Gebäude leer stehen, haushalten müssen.

    Jürgen Throm von der Verrechnungsstelle für Katholische Kirchengemeinden Pforzheim und Geschäftsführer der Katholischen Gesamtkirchengemeinde Pforzheim kennt das Problem mit kirchlichen Immobilien. Schon lange versucht er das katholische Pfarrhaus in Mühlhausen oder das Gemeindehaus St. Martin in Tiefenbronn loszuwerden, aber Erbbaurecht und Denkmalschutz erschweren den Verkauf. „Liegenschaften, die nicht mehr gebraucht werden, belasten. Und wir brauchen das Geld aus dem Verkauf des Gemeindehauses, um das Pfarrhaus und den Pfarrsaal zu sanieren“, sagt Throm.

    Wirtschaften müssen auch Freikirchen wie die Evangelisch-Methodistische Kirche Pforzheim, die keine Kirchensteuer erhält und sich aus Spenden finanziert. „Die Leute identifizieren sich mit unserer Kirche und geben häufig mehr als sie Kirchensteuern zahlen müssten“, sagt Pastor Martin Brusius. Doch auch bei kleineren Methodistischen Gemeinden werden immer wieder kleine Gemeindehäuser aufgegeben oder man schließt sich mit anderen Evangelischen Methodisten zusammen.

    Gemeindehaus inklusive„Das sind aber keine sakralen Gebäude, sondern Versammlungsstätten“, sagt Brusius und verweist auf ehemalige Gemeindehäuser in Niefern-Öschelbronn oder auf die Auflösung in Arnbach.

    Uli Limpf von der Evangelischen Allianz, einer Arbeitsgemeinschaft von Evangelischer Landeskirche und Freikirchen, hat festgestellt, dass sich die Kirchen, Glaubensgemeinschaften und Freikirchen häufig Gebäude gegenseitig abkaufen. „Dort wo früher die Baptisten waren, sind nun die Sieben-TageAdventisten und die frühere Kirche der Stadtmission Pforzheim nutzt nun die Christusgemeinde Pforzheim“, betont Limpf. Eine andere Möglichkeit, um den Kirchenverkauf zu umgehen, praktiziert derzeit die Evangelische Badische Landeskirche. Damit Kirchen auch als Gemeindehäuser genutzt werden können, werden Emporen verglast und Toiletten eingebaut.

  2. #2
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    Frau Fux hat sich sichtlich bemüht, einen sprachlich und inhaltlich guten Artikel abzuliefern. Eine Steigerungsmöglichkeit gibt es noch in der Wiedergabe der Kirchenbezeichnungen, zugegebener Maßen keine leichte Sache. Die Groß-/Kleinschreibung folgt ja zum Beispiel nicht immer den gängigen Vorstellungen. Aber so ein Fauxpas wie die "Evangelischen Methodisten" sollte nicht passieren. Durch den Bindestrich im Namen wird aus den beiden namenbildenden Begriffen ein Wort, das sich nicht einfach teilen lässt. Die Methodisten sind eben nicht unterteilt in evangelische und andere. Die "Sieben-TageAdventisten" schreiben sich übrigens korrekt (Freikirche der) "Siebenten-Tags-Adventisten". Das geht auf ihr Festhalten am Sabbat zurück, dem biblischen Ruhetag des Schöpfers.

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