PFORZHEIM. Die antisemitische Hetze einer Gruppe von Gymnasiasten in Pforzheim gegen einen jüdischen Mitschüler Ende vergangenen Jahres bleibt straffrei. Die Beweise gegen die beiden angeklagten Gymnasiasten reichten nicht aus, sagte ein Sprecher des Gerichts am Donnerstag. Sie wurden vom Vorwurf der Volksverhetzung freigesprochen.
Die Aussagen der elf Zeugen seien widersprüchlich gewesen. Einige hätten die Schüler belastet, andere entlastet.
Die Staatsanwaltschaft habe daraufhin die Verurteilung eines Angeklagten beantragt, im anderen Fall habe sie auf Freispruch plädiert. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Die beiden inzwischen 18 Jahre alten Angeklagten sollen am zweiten Weihnachtfeiertag 2008 vor dem Haus eines jüdischen Mitschülers rassistische Parolen skandiert haben. Weil sie zum Tatzeitpunkt erst 17 Jahre und damit nicht volljährig waren, war die Verhandlung nicht öffentlich.
Als bewiesen gilt laut Gerichtssprecher: Am 26. Dezember 2008 standen bis zu zehn Jugendliche vor dem Haus des damals 17-jährigen Mitschülers. Sie skandierten rassistische Parolen, Feuerwerkskörper wurden abgeschossen. „Die Angeklagten waren auch vor Ort“, erklärte der Sprecher. „Der Vorfall konnte ihnen aber nicht konkret zugeordnet werden.“ Es war zunächst offen, ob die Staatsanwaltschaft das Urteil akzeptiert.
Ihren bisherigen Ermittlungen zufolge waren fünf Jugendliche im Alter von heute 17 und 18 Jahren an der Tat beteiligt. Neben den beiden nun freigesprochenen Schülern mussten sich drei wegen Sachbeschädigung und Beleidigung verantworten. Ihre Verfahren wurden vom Jugendrichter gegen die Auflage von Geldbußen und Arbeitsstunden eingestellt, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Pforzheim.
Einer der fünf Beteiligten hatte die Vorwürfe nach der Attacke eingeräumt. Er soll auch Kontakte zur rechtsextremen Gruppierung „Heidnischer Sturm Pforzheim“ gehabt haben. Mindestens zwei der Schüler wurden inzwischen vom Pforzheimer Kepler-Gymnasium ausgeschlossen, ein weiterer wurde nach der nächtlichen Hetzaktion abgemeldet. Auch der von den Jugendlichen diffamierte Schüler hat das Gymnasium inzwischen verlassen. dpa



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