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    PFORZHEIM. Werner B. (Name geändert) arrangiert sich mit einer Stromsperre, weil er 500 Euro Schulden hat. Er lebt seit über vier Jahren ohne Licht, ohne Fernseher und ohne warmes Wasser in einer Notunterkunft im Unteren Enztal.

    „Über die Hälfte seiner Gesamtschulden bestehen aus Mahn- und Anwaltskosten“, erklärt Sozialarbeiter Wolfgang Massmann vom Wichernhaus. Im Rahmen einer Einzelfallhilfe kümmert er sich seit zwei Monaten um den 70-jährigen Werner B., der schon seit 30 Jahren in der Obdachlosensiedlung wohnt. Der Senior erhält eine kleine Rente. Wodurch die Schulden seinerzeit entstanden sind, ist unklar. Seitdem ist er aus dem Teufelskreis nicht mehr herausgekommen und hat einen Alltag ohne saubere Wäsche, ohne ein warmes Essen und ohne Uhrzeit akzeptiert.

    Konto leergeräumt„Eigentlich hätte gestern der SWP-Strom wieder freigeschaltet werden sollen“, erklärt Massmann. Wichernhaus und Sozialamt hatten die Schulden übernommen. Doch plötzlich fehlte auf Werner B.s Konto eine größere Summe. „Wir prüfen das gerade.“

    Es ist nur ein Fall von mehreren Stromsperrungen im Unteren Enztal. Und meist ist sie nur eines von vielen Problemen, die die Menschen dort nicht allein bearbeiten können. Städtische Sozialarbeiter, die alle Bewohner in ihren Wohnungen im Unteren Enztal aufsuchen, gab es in den vergangenen Jahren aufgrund einer Entscheidung der Stadt nicht mehr.

    Das soll jetzt laut Stadtverwaltung anders werden: Sozialarbeiter Gieso Wege bietet seit dieser Woche vom Wichernhaus aus eine Sprechstunde dreimal in der Woche in einer Wohnung am Eutinger Talweg 138 a (Montag, 17 bis 18.30 Uhr, Donnerstag, 14 bis 15.30 Uhr und Samstag, 10 bis 11 Uhr) an und ist außerdem in der Siedlung unterwegs. Das Geld dafür hat die Stadt kurzfristig bereitgestellt, bis im März eine Entscheidung über die Zukunft der Siedlung mit 178 Wohneinheiten im Gemeinderat fallen soll.

    Wichernhaus-Chef Jürgen Ransiek geht es jetzt um eine Bestandsaufnahme, um den Menschen gezielt und unbürokratisch helfen zu können. Er wünscht sich zweierlei: Grundlegende Dinge wie Miete, Heizung und Strom sollten bei Menschen mit Zahlungsproblemen direkt einbehalten werden. „Und wenn absehbar ist, dass jemand regelmäßige Abschläge wie für Strom und Wasser nicht mehr bezahlen kann, dann würden wir gerne den Betroffenen als Frühwarnsystem helfen.“

    Den Antrag selbst stellen„Zunächst einmal ist die Stromsperre Sache zwischen dem Kunden und dem Energieversorger“, erklärt Sozialamtsleiter Rüdiger Staib. Im Falle von Werner B. schon deshalb, weil dieser weder Grundsicherung noch Hartz IV beziehe, also weder bei der Arge noch beim Sozialamt als Fall geführt werde. Doch selbst dann, sehe der Gesetzgeber vor, dass der Betroffene selbstverantwortlich handele und den Strom selbst bezahle. Der Betroffene könne aber im Notfall beim Sozialamt einen Antrag auf Gewährung eines Darlehens stellen. Sofern er bedürftig sei. „Dafür muss er aber zu uns kommen“, erklärt Staib. Das hat Werner B. bislang anscheinend nicht geschafft.

    Der Altenpfleger Gerhard Mainzer vom christlichen Büro „Hoffnung für alle“ möchte vom 14. bis 19. Dezember für Werner B. und für einen ebenfalls ohne Strom lebenden anderen Bewohner Geld auf der Straße sammeln. Er hat in den vergangenen Wochen fünf Haushalte im Unteren Enztal mit Stromsperrungen begleitet.

    Werner B. ist einer von 350 Menschen, denen die SWP aktuell den Anschluss abgeklemmt hat. Die Stadtwerke Pforzheim haben insgesamt 73 000 Stromkunden, erklärt Sonja Kirschner, SWP-Pressesprecherin. Der größere Teil der betroffenen Anschlüsse würden am gleichen Tag wieder geöffnet. Das liege vor allem an der Zusammenarbeit mit dem Sozialamt, das dann die nötigen finanziellen Schritte in die Wege leite.

    Wenn so ein Fall eintrete, dass jemand aufgrund wirtschaftlicher Zwänge nicht zahlen könne, erfolge nach vier Wochen die erste Mahnung, nach weiteren vier Wochen die Androhung, den Strom abzustellen. Wer bis dahin den Weg zum Sozialamt nicht geschafft habe, für den werde es duster.

    Wie viele dauerhafte Sperrungen es gebe und welche Stadtteile besonders betroffen seien, das erheben die Stadtwerke nach eigenen Angaben nicht. „Die Zahl liegt im Promille-Be- reich,“ erklärt Kirschner. Auch wenn die SWP auf Beratungsstellen und das Sozialamt als Ansprechpartner verweist, kommen Betroffene dort oft nicht an, sagt Staib.

    Für Werner B. hat sich seit Oktober – auch ohne Strom – einiges verbessert. Er hat jetzt genügend Brennholz für seinen Ofen, täglich eine warme Mahlzeit, ein Pflegedienst kümmert sich um die Hygiene, und ein Sozialarbeiter dient als Ansprechpartner. Werner B. möchte in jedem Fall in der Siedlung wohnen bleiben. Möglicherweise bekommt er einen amtlichen Betreuer an die Seite gestellt.

  2. #2
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    Standard Rentner seit vier Jahren ohne Licht und warmes Wasser

    Das ist doch schon mal in pz-news berichtet worden und macht die Angelegenheit damit nicht besser, oder täusche ich mich.

    Auf jeden Fall war damals mehr oder weniger der Tenor im Forum, dass ein Mensch sich ds. Situation wohl selbst zuzuschreiben hat.

    30 Jahre im "Obdachlosenasyl", Enztal, da war der jetzt mittellose Renter, die Rente bekommt er auch noch durch die Steuern finanziert, und über die Jahrzehnte vom Stuerzahler einbezahlt, doch noch 40 Jahre jung und arbeitsfähig.

    Wenn wir alle so denken und dahinleben würden, dann gute Nacht.

    Wie gesagt und vermutet, kann der Mann nun auch noch einen Antrag beim Sozialamt stellen, damit die Allgemeinheit ihm auch noch den Strom zahlt.

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