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    PFORZHEIM. Würden sich mit einem Präsidenten Obama die USA grundsätzlich ändern? Vermutlich nicht. Warum das so ist und warum Obama dennoch Aufbruch bedeutet, darüber sprach „heute journal“-Chef Claus Kleber im CCP.

    Jetzt ist es raus. Claus Kleber hatte fünf Jahre lang die Nummer von Monica Lewinsky auf seinem Schreibtisch liegen, ohne von seinem Glück zu ahnen und ohne davon Gebrauch zu machen. Kurz nachdem er Büroleiter des ARD-Studios in Washington geworden war, war Kleber der jungen Dame – damals noch Vorzimmerdame eines Staatssekretärs im Pentagon – begegnet, hatte ein wenig mit ihr geplaudert und sich schließlich den „ziemlich komplizierten“ Namen mit dazugehöriger Telefonnummer notiert. Schließlich können gute Beziehungen zum Vorzimmer nie schaden, dachte sich Kleber. Der Zettel tauchte dann Jahre später, als er Washington verließ, in seinen Unterlagen wieder auf. Die Affäre Bill Clintons mit der Praktikantin war damals schon Geschichte – und die Gelegenheit, eine Telefonnummer zu verwenden, ungenutzt verstrichen.

    Solch ein Missgeschick ist dem Journalisten wohl nie wieder unterlaufen. Sonst würde der heutige Anchorman des ZDF kaum so locker darüber plaudern, wie er es am Montagabend vor 1200 gespannten Zuhörern im CongressCentrum getan hat. In 15 Jahren USA hat Kleber viel erlebt – und er lässt das Publikum daran teilhaben. In kleinen und größeren Anekdoten bringt er seinen Zuhörern das Land nahe, auf dessen politische Akteure in diesen Tagen wieder die ganze Welt blickt. Das Land, das mit dem Wettstreit zwischen den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Hillary Clinton und Barack Obama eine Art politische Wiedergeburt erfährt. Das Land, das mehr fürs Militär ausgibt, als alle anderen Länder der Erde zusammen. Das Land, das dafür sorgte, dass der kalte Krieg ein kalter Krieg blieb. Das Land auch, das Claus Kleber ohne Zweifel ins Herz geschlossen hat.

    Wie ist dieses Land nun? Ganz anders, als wir es uns vorstellen, meint Kleber. Viel konservativer. Weil es nicht nur aus den Metropolen besteht, an die wir gemeinhin denken, wenn wir an die USA denken. Die große Masse des Landes ist ländlich strukturiert, die Menschen sind „konservativ, patriotisch, religiös geprägt, erdverbunden, vielleicht ein bisschen provinziell, aber auch ehrlich“, sagt Kleber. Dieses Amerika fühlte sich von Bill Clinton im Stich gelassen, nicht repräsentiert: „Die Menschen hatten das Gefühl, Amerika ist nicht mehr das, was es sein soll.“ Seither sucht das Land einen Versöhner. Zunächst vergeblich, denn George W. Bush entpuppte sich keineswegs als die Heilsgestalt, als die er zunächst wahrgenommen worden war. Unter ihm hat Amerika gelitten, hat einen Krieg quasi verloren und Tausende von Soldaten und hat an Idealen eingebüßt.

    Nun ist da ein Barack Obama auf die politische Bildfläche getreten. Ein Schwarzer, völlig ungetestet, wie Kleber sagt, der quasi aus dem Nichts zum nationalen Hoffnungsträger geworden ist. „Alle sind verliebt in Obama“, sagt Kleber. Und auf einmal geschieht das Wundersame, das nur Amerika schafft: Das politische System ist wieder einmal dabei, sich selbst neu zu erfinden. Man schöpft Hoffnung und ist bereit, von vorn anzufangen und diesmal alles anders zu machen.

    Obama ist ein amerikanisches Märchen. Aber auch den anderen Kandidaten kann Kleber einiges abgewinnen. Sowohl Hillary Clinton, diesem mit allen Wassern gewaschenen Polit-Profi, als auch dem Republikaner John McCain, der während des Vietnam-Kriegs über drei Jahre in einem Erdloch in Gefangenschaft saß und trotz gebrochener Knochen und Folter nicht freigekauft werden wollte, sondern mit seinen Kameraden aushielt. „Amerika hat Respekt vor einem Mann, der so viel Rückgrat hat“, sagt Kleber.

    Ein bezeichnender DenkfehlerAm Ende ist klar: Alles, was nun kommen kann, ist besser als Bush, mit dem Kleber einst – da bewarb Bush sich noch ums Präsidentenamt – ein bezeichnendes Gespräch über die Todesstrafe führte: „Was für ein Problem haben Sie mit der Todesstrafe?“, fragte ein überraschter Bush, der nicht wusste, dass diese in Deutschland längst abgeschafft ist. „Ich finde die Todesstrafe gut, weil sie Verbrecher abschreckt“, ließ sich der damalige Gouverneur von Texas nicht beirren. Dass ihm Kleber entgegenhielt, dass die Mär von der abschreckenden Wirkung allgemein als widerlegt gilt, kümmerte ihn wenig. Das komme darauf an, welche Statistiken man lese, beharrte Bush, der das Thema für sich offenbar längst abgehakt hatte. Charakteristisch für Bush, findet Kleber, dem erst viel später auffiel, wie wichtig diese kleine Passage des Interviews gewesen war. Dann nämlich, als Bush später, ohne die angebliche Existenz von Massenvernichtungswaffen im Irak in Frage zu stellen, auf einen Krieg gegen Saddam Hussein zusteuerte.

    Alles ist besser als Bush. Aber nicht alles wird anders ohne Bush. Der 11. September 2001 hat die USA so nachhaltig verwundet, dass selbst ein Barack Obama am aggressiveren Auftreten der Supermacht vermutlich wenig ändern würde. Dennoch steht eines für den Amerika-Fan Kleber außer Frage: Angesichts der wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Herausforderungen überall auf der Welt muss Deutschland Bündnisse schließen. „Und wenn ich mich so umschaue, fällt mir kein besserer Partner ein als die USA.“

  2. #2
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    Mit Bündnisse schließen, sollte man nicht "zu" voreilig sein,besonders in Zeiten, da der Kampf gegen den "weltweiten" Terrorismus, seitens der USA , immer aggressiver geführt wird und auch die zur Zeit "noch" Verbündeten in diesem Kampf, immer mehr in das "Visier" der EL Kaida und deren "Gotteskrieger" gelangen! Hierbei dürfte es völlig unbedeutent sein , ob Obama (Demokraten), oder John McCain (Republikaner),das Rennen macht !
    Die "Lobby" von Wirtschaft, wie auch der Rüstungsindustrie und sonstigen Institutionen wird, wie bisher auch, den Weg zeigen, welcher gegangen werden muß!?
    Hier hat der Republikaner McCain jetzt schon "Vorstellungen", wie im Falle seiner Präsidentschaft, die "Kriege" in Irak und Afghanistan "Enden" würden !
    Im Irak wäre der Krieg, innerhalb der nächsten vier Jahre gewonnen und die meisten US Soldaten, könnten bis zum Januar 2013 heimkehren. Der Irak ist dann eine "funktionierende Demokratie", Gewalt würde es zwar weiterhin geben, aber nicht mehr so gravierend, wie bisher,da die Milizen im Irak entwaffnet worden und die Terrororganisation EL Kaita besiegt wurde !
    Die USA würden dann "nur" noch eine kleine Militärpräsenz unterhalten, welche aber kaum noch, in evtl. Kämpfe eingreifen müsse!?
    Auch in Afghanistan,wäre der Kampf gegen die Taliban bis 2013 soweit fortgeschritten, das diese kaum noch eine Bedrohung darstellen würden!Aber trotzdem müßten die USA wie auch andere Nato Staaten weiterhin Streitkräfte am Hindukusch unterhalten, um gegen die Überreste der Taliban, aber auch der EL Kaida vorzugehen!
    Was für eine "Vision" dieses 72 jährigen Kriegveteranen und Präsidentschaftskandidaten !!?
    Die "Allgegenwärtige" Realität, in der Außen-wie Innenpolitk, muß sich ein Obama wie auch McCain stellen und nicht wie "gewohnt", mit Versprechungen daherkommen, welche nach gewonnener Wahlschlacht, wie Seifenblasen zerplatzen !!



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