PFORZHEIM/ENZKREIS. Entwarnung bei Kinderärzten in der Region: Der Sechsfachimpfstoff für Babys geht weder im Enzkreis noch in Pforzheim aus. Die Vorräte reichen noch rund zwei Monate, das produzierende Pharmaunternehmen ist nach eigenen Angaben ab Mitte nächster Woche wieder lieferfähig.

In den vergangenen Wochen ging die beunruhigende Meldung um, der Kombinations-Impfstoff „Infranix hexa“ könnte in deutschen Kinderarzt-Praxen knapp werden. Das Pharmaunternehmen Glaxo Smith Kline ist Deutschlands einziger Lieferant der Kombination, war aber in den vergangenen Wochen hauptsächlich mit der Produktion des Schweinegrippe-Impfstoffs beschäftigt.

Laut Dr. Johannes Garvelmann aus Knittlingen, Kinderarzt und stellvertretender Obmann des Bundesverbands der Kinder- und Jugendärzte für die Region gab es weder in Pforzheim noch im Enzkreis Engpässe mit der Kombination gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Kinderlähmung, Hepatitis B und Haemophilus influenzae Typ B. Letzteres kann bei Kleinkindern eine im schlimmsten Fall tödliche Hirnhautentzündung auslösen. Kinderarzt Eckart Weiser aus Remchingen hat seine Lieferung gerade noch rechtzeitig bestellt, bevor das Pharmaunternehmen in Lieferschwierigkeiten geriet. „Ich habe noch etwa hundert Dosen. Die reichen mir erfahrungsgemäß für ein ganzes Quartal.“ Etwas mehr braucht der Pforzheimer Kinderarzt Klaus Kessler: In drei Monaten impft er rund 250 Babys mit dem Sechsfach-Impfstoff. Auch er ergatterte kurz vor dem Engpass noch eine Packung bei einer GroßApotheke. „Die Apotheken hier in der Gegend hatten schon gar nichts mehr“, sagt Kessler.

Als Ersatz für die Sechser-Kombi kann ein Fünffach-Wirkstoff dienen, der mit einer einzelnen Hepatitis-B-Impfung kombiniert wird. Im Regelfall wird zusätzlich noch eine Pneumokokken-Impfung gespritzt. Sollte es also entgegen der Prognosen zu ernsthaften Engpässen kommen, könnte man mit diesen drei Injektionen den Impfschutz dennoch gewährleisten. Das wären dann aber drei statt zwei Piekser für die Babys, und die dürfte das weniger freuen. In jeder Hinsicht also gut, dass die Lieferengpässe des Pharmakonzerns nächste Woche behoben sein sollen.