HEIMSHEIM/MAULBRONN. Zwei junge Männer sind am Dienstag vom Amtsgericht Maulbronn zu einer zweijährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Sie hatten Ende 2008 einen Betrunkenen in Heimsheim zusammengeschlagen.

Es ist ein Fall, der erschrocken macht: Ein Betrunkener torkelt über den Parkplatz eines Fastfood-Restaurants, stolpert, wird ausgelacht und pöbelt die Lachenden an. Drei von ihnen springen ihn daraufhin an und schlagen ihn brutal zusammen. Am Dienstag standen sich Opfer und zwei der drei Täter vor dem Amtsgericht Maulbronn wieder gegenüber.

Im Oktober 2008 waren sie sich das erste Mal in Heimsheim begegnet. Jeder in einer Clique unterwegs, allesamt nicht mehr ganz nüchtern. Das Opfer, ein 29 Jahre alter Familienvater wollte seiner Lebensgefährtin ins Restaurant folgen, stolperte und fiel hin. Drei Mädels lachten ihn gehässig aus, bedachten seine Freundin mit abfälligen Bemerkungen.

Minutenlange Hiebe und TritteDer Betrunkene maulte zurück und schlug eventuell in Richtung der Gruppe – letzteres konnte in der Hauptverhandlung nicht mehr einwandfrei festgestellt werden. Fakt ist jedoch: Drei junge Männer Mitte zwanzig, die am Tisch der Mädchen saßen, fühlten sich von diesem einzelnen betrunkenen Mann dermaßen angemacht, dass sie sogleich aufsprangen, sich über eine Brüstung schwangen und minutenlang auf ihr Opfer einprügelten und traten.

„Der hat gejammert und gewimmert, lag irgendwann nur noch am Boden. Die haben nicht aufgehört“, erinnerte sich ein Zeuge vor Amtsgerichtsdirektor Bernd Lindner. Alle acht geladenen Zeugen identifizierten immer mindestens einen der beiden Angeklagten, woraufhin diese ihr Schweigen brachen und nach allen Zeugenaussagen erstmals zugaben, bei der Schlägerei dabei gewesen zu sein. Allerdings sah ihre Version des Tathergangs völlig anders aus: Als einen „fairen Mann-gegen-Mann-Kampf“ hätten sie es empfunden. Und überhaupt: Der unbekannte Dritte habe am meisten geschlagen und getreten. Sie hätten ja noch versucht zu beschwichtigen und Schlimmeres zu verhindern.

Diese Version nahm ihnen allerdings weder Staatsanwältin Laura-Philine Hell noch Richter Lindner ab: Sie erhielten eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren, die das Gericht zur Bewährung aussetzte. Zudem müssen sie Arbeitsstunden leisten und Geld an den Bezirksverein für soziale Rechtspflege zahlen. Beide sind einschlägig vorbestraft. Mit dem Urteil hatten die Angeklagten noch Glück, wie es der Vorsitzende formulierte: Die Verletzungen des Geschädigten (ein ausgeschlagener Zahn, Prellungen am ganzen Körper und Kopf, tagelange Schmerzen) hätten auch schlimmer ausfallen können. „Tritte gegen den Kopf haben schon lebenslange Pflegefälle aus Opfern gemacht. Ist Ihnen eigentlich klar, was da hätte passieren können?“

Unbekannter DritterStatt für eine glaubhafte Entschuldigung nutzten die Angeklagten indes ihr letztes Wort für eine abermalige Schuldzuweisung in Richtung des unbekannten Dritten, dessen Namen sie nicht preisgeben wollten. Auch keiner der acht Zeugen, die den Vorfall beobachtet hatten, kannte den Mann. Jedoch hatte sich auf dem Parkplatz in Heimsheim offenbar gezeigt, dass alle Zeugen – von den drei Mädchen abgesehen – um das Opfer bemüht waren, die Täter abhalten wollten und die Polizei riefen.