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12.05.2011

Amerell will nach abgewiesener Klage in Berufung

STUTTGART. Manfred Amerell hat im Schiedsrichter-Skandal erneut eine Niederlage hinnehmen müssen. Das Landgericht Hechingen wies am Donnerstag die Schadenersatz-Klage des ehemaligen Schiedsrichter-Funktionärs gegen den früheren FIFA-Referee Michael Kempter zurück.

«Eines steht fest: Manfred Amerell wird dieses Urteil nicht akzeptieren. Er wird alle ihm zustehenden Rechtsmittel dagegen ausschöpfen», sagte sein Anwalt Jürgen Langer der Nachrichtenagentur dpa und fügte hinzu: «Manfred Amerell ist nicht resigniert. Er kämpft weiterhin nicht für sein Recht, sondern für seine Ehre.»

Kempter wirft seinem ehemaligen Förderer sexuelle Belästigung vor. Amerell bestreitet dies und sieht durch Kempters öffentliche Erhebung dieser Anschuldigung seine Persönlichkeitsrechte verletzt. Der 64-Jährige wollte bei der ersten zivilrechtlichen Aufarbeitung dieser Affäre einen Schadensersatz von 150 000 Euro erstreiten. Das Gericht erklärte in seiner Urteilsbegründung jedoch, dass Kempter Amerells «Verhaltensweisen» in mehreren Interviews «nach den Eindrücken und Erkenntnissen der Kammer zutreffend wiedergegeben» hätte.

Kempters Anwalt Christoph Schickhardt erklärte: «Wir haben einen großen Erfolg erzielt. Das Urteil ist deutlich und unmissverständlich.» Einer Berufungsverhandlung sieht er gelassen entgegen. «Das macht man in allen Fällen und das ist in allen Fällen erfolglos», meinte er. Schickhardt hofft, dass Kempter seine Laufbahn als Schiedsrichter nun «langsam und behutsam fortsetzen kann». Der DFB hatte im vergangenen Jahr entschieden, den 28-Jährigen bis zur Klärung dieser Auseinandersetzung kein Spiel mehr pfeifen zu lassen.

Amerell hatte zuvor im Zuge des Schiedsrichter-Skandals schon zwei Verfahren gegen Theo Zwanziger verloren. Der DFB-Präsident darf unter anderem weiter behaupten, dass Amerell «über Jahre seine Amtspflichten verletzt» habe. In Hechingen hatte der frühere Sprecher der deutschen Schiedsrichter zunächst einen Vergleichsvorschlag des Gerichts abgelehnt und war dann mit einem Befangenheitsantrag gegen die Richter gescheitert.

«Das Gericht hat Amerell eine goldene Brücke gebaut und auch wir waren zu einigem bereit, um die Angelegenheit zu befrieden», sagte Schickhardt. «Aber so wird sich die Sache langsam totlaufen. Amerell verliert ja alle Fälle vor Gericht.» dpa