

Die Zahl der Adoptionen in Deutschland steigt wieder leicht. Jedoch bewerben sich weniger Paare darum, ein fremdes Kind anzunehmen.
Karrierechancen oder Unentschlossenheit, Alter oder alternative Lebensentwürfe und die Hoffnung auf die Möglichkeiten der Medizin? Die Zahl der Bewerber um ein fremdes Adoptivkind in Deutschland ist Ende 2011 auf den tiefsten Stand seit der Wiedervereinigung gesunken. Zugleich ist die Zahl aller Adoptionen leicht gestiegen. 4060 Kinder sind 2011 von Stiefeltern, Verwandten oder Fremden als eigene aufgenommen worden – ein Prozent mehr als im Vorjahr. Auch in Pforzheim ist die Gesamtzahl der Adoptionen in den vergangenen Jahren leicht angestiegen. Wurden 2009 noch zwei Kinder adoptiert, waren es 2010 bereits vier, 2011 sogar zehn.
Über die Gründe, weshalb sich weniger Paare für ein fremdes Adoptivkind entscheiden, gibt es laut der stellvertretenden Leiterin der Gemeinsamen Zentralen Adoptionsstelle in Hamburg, Brigitte Siebert, keine Untersuchungen. Aber Erfahrungen aus der Praxis.
Viele Paare mit unerfülltem Kinderwunsch glauben, sie hätten wegen des hohen Interesses an Adoptionen keine Chance, wie Siebert berichtet. Dabei kommen nur noch knapp sieben Bewerber auf ein Adoptivkind, wie das Statistische Bundesamt errechnet hat. „Viel weniger sollten es auch nicht mehr werden“, sagt die Vorsitzende des Bundesverbands der Pflege- und Adoptivfamilien, Dagmar Trautner. Um die richtigen Eltern für ein Kind finden zu können, sei ein Pool unbedingt notwendig.
Gerade ältere Paare glaubten, es sei einfacher, sich den Kinderwunsch mit einer Adoption im Ausland zu erfüllen, berichtet Siebert. „Die Vermittlungszahlen von Adoptionskindern gehen aber weltweit zurück.“ Von den 4060 Kindern, die 2011 in der Bundesrepublik adoptiert wurden, waren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 934Ausländer – auch das ist der niedrigste Stand seit der Wiedervereinigung. Schätzungen zufolge kommen jährlich rund 1000 Kinder aus dem Ausland nach Deutschland, um adoptiert zu werden. Die meisten stammten aus Russland, Äthiopien, Südafrika, Thailand und Kolumbien.
Statt auf Adoption setzten viele Paare auf die Fortschritte der Reproduktionsmedizin,berichten Siebert und Trautner. Viele Kinderlose scheuten die großen Hürden und den langen, unsicheren Weg zur Adoption, sagt Trautner. Bei ihrem Verband gingen immer wieder Klagen über das Verfahren ein, etwa über zu persönliche Fragen nach Einzelheiten des Ehelebens oder der finanziellen Situation.
Mit der Erkenntnis, kinderlos zu bleiben, könne eine Reihe von Paaren auch gut leben, weiß Trautner. „Heute tun sich viele leichter zu sagen: „Bei uns hat es nicht geklappt“.“ Viele Kinder brauchen jedoch dringend eine Pflegefamilie, mahnt Siebert. Kinderlose Paare wollten meist jedoch lieber ein eigenes gesundes Baby.
Autor: Ira Schaible und Stefan Dworschak






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