

Bescheiden, freundlich und fest in der Absicht, seiner Diözese eine verlässliche Stütze auf ihrem Weg in eine bessere Zukunft zu sein – so erlebten die Katholiken der Birkenfelder Pfarrei Heilig Kreuz bislang Bischof Paul Ponen Kubi aus Bangladesch. Seit Juli 2006 ist der 55-Jährige das geistliche Oberhaupt für rund 65.000 Katholiken in der insgesamt 14 Millionen Einwohner umfassenden römisch-katholischen Diözese Mymensingh.
Weit weg, so möchte man zunächst denken. Doch Ponen und seine Diözese rücken für aktive Katholiken in Birkenfeld, Engelsbrand, Neuenbürg und Straubenhardt immer stärker ins Blickfeld. Denn die Kirchengemeinde unterhält partnerschaftliche Beziehungen zu Dhakua, einer kleinen Gemeinde in Ponens Diözese. Mehrere Gemeindeglieder verschafften sich direkt vor Ort einen Einblick in den Alltag der Bengalesen. Und auch einen Eindruck vom Arbeitsfeld des Bischofs.
Dass Ponen der katholische Glaube keinesfalls in die Wiege gelegt wurde, zeigt sich daran, dass seine Eltern keine Christen waren. Der Glaube beschränkte sich auf Naturgötter. Aufgewachsen mit vier Schwestern und sechs Brüdern ergab sich jedoch für ihn die Möglichkeit, als Schüler in einem „Boys Hostel“ unterzukommen und die Mittelschule abzuschließen. Darauf folgte mit einigen Freunden der Besuch eines Theologieseminars. „Die Arbeit und der Einsatz der Missionare hat mich sehr beeinflusst und stark beeindruckt“, blickt er zurück.
In ihm reift der Wunsch, Priester zu werden. Ein Weg, den die Eltern mitgehen. Sie lassen sich taufen. Das Studium schließt er in seiner Heimat ab. Weiterbildungen folgen auf den Philippinen und in den Vereinigten Staaten.
Ponens Priesterweihe findet am 19. Oktober 1986 in einem Fußballstadion in der Hauptstadt Dhaka statt. Die Weihe empfängt er direkt von Papst Johannes Paul II. anlässlich dessen Besuches. 68000 Menschen sind anwesend, als 18 junge Priester ihr Gelübde ablegen. „Diese Begegnung mit dem Papst war fantastisch. Zudem bekam das ganze überwiegend muslimische Land einen Eindruck, wie zivilisiert diese Menschen miteinander umgehen.“
Heute ist Ponen der erste Bischof dieser Region, der einer ethnischen Minderheit entstammt. 14 Pfarreien gehören zu seiner Diözese. 140 junge Seminaristen sind dort derzeit in Ausbildung. Etwa zehn Prozent von ihnen, schätzt er, werden ebenfalls Priester.
Ob sie allerdings in Bangladesch als Priester arbeiten werden, ist ungewiss. Pfarrer erhalten kein Gehalt. Ihren Lebensunterhalt verdienen sie sich mit nahezu täglichen Gottesdiensten, die jeweils mit einem Euro honoriert werden. Es ist üblich, dass sich die Priester über Viehzucht und Gemüsegarten zusätzlich finanzieren. So bekommt das biblische Gleichnis vom Hirten und seinen Schafen eine zweifache Bedeutung. Auch bei Bischof Ponen. Der ist zu Hause eher in Arbeitskleidung anzutreffen als in der Soutane. Zumindest kann er sich über den „Luxus“ einer Verwaltungshilfe freuen: Ein 80-jähriger Priester aus Amerika greift dem Kirchenhirten zeitweise unter die Arme.
Autor: Regina Ganzhorn






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