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Vor über 200 Jahren genügte es wohl den Pforzheimer Bürgern, einmal pro Woche eine Zeitung lesen zu können - die 1794 erstmals veröffentlichten "Wöchentlichen Nachrichten von und für Pforzheim". 
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Die erste Ausgabe der ersten Zeitung in Pforzheim: In den "Wöchentlichen Nachrichten" vom 1. Juli 1794 waren weniger Nachrichten, denn Verordnungen und amtliche Mitteilungen zu lesen. 
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"Der Beobachter" erschien 1832 nur mittwochs und samstags. 
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Vom 1. Januar 1858 an erschien der "Pforzheimer Beobachter" im großen Format. Größeren Raum nahmen darin nun auch die lokalen Neuigkeiten ein. 
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Der "Pforzheimer Beobachter" von 1888 führte die Untertitel "Amtsverkündigungsblatt für Stadt und den Amtsbezirk Pforzheim" und "Pforzheimer Central-Offerten-Blatt für die Gold- und Silberwaarenbranche und die gesamten damit verknüpften Interessen". Das Doppel-a in "Silberwaaren" war damals kein Schreibfehler.  
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"Erscheint täglich mit Ausnahme von Sonn- und Feiertagen" informierte "Der Generalanzeiger" seine Leser unter dem Titelkopf. 
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Mit Verleger Jakob Esslinger wurde die "Rundschau" wieder eine bedeutende Tageszeitung in Pforzheim vor dem Zweiten Weltkrieg. Esslinger gelang danach der Wiederaufbau unter dem Namen "Pforzheimer Zeitung". 
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Die schöne bunte Werbewelt von heute kam einst eher bieder und in Schwarzweiß daher. 

Von den "Wöchentlichen Nachrichten" zur "Rundschau" - Pforzheimer Zeitungsgeschichte von 1794 bis 1949

Kontinuität über einen Zeitraum von mehr als 200 Jahren nachzuweisen, ist außerordentlich schwer. Das gilt in Sonderheit für eine Tageszeitung, die im Lauf der Zeit ihren Titel mehrfach gewechselt hat, und die von mannigfachen Namen getragen worden ist. Hinzu kommt, dass der Großangriff auf Pforzheim vom 23. Februar 1945 viele Archivbestände vernichtet hat. Dennoch sei die Herstellung eines Zusammenhangs innerhalb der beiden letzten Jahrhunderte gewagt, unbeschadet der Tatsache, dass zwischen der französischen Revolution und der Gegenwart „Lichtjahre“ liegen.

{ImageR}Als im Jahr 1794 der Lehrer und Prorektor am Pforzheimer Pädagogium, Zandt, und der Diakon Gottschalk einen Aufruf erließen, „zu Nutzen und Bequemlichkeit der Einwohner“ ein Wochenblatt unter dem Titel „Wöchentliche Nachrichten von und für Pforzheim“ herauszugeben, konnten sie nicht voraussehen, welche Entwicklung sie mit diesem Blatt für Pforzheim einleiten würden. Denn mit diesem Blättchen, für heutige Verhältnisse mehr als bescheiden, wurde ein verheißungsvoller Anfang gemacht. Bis zum Jahr 1800 sind die „Nachrichten“ als ein auf Erwerb nicht abzielendes, gemeinnütziges Unternehmen erschienen. Es kam am Freitag morgen vom Druckort Karlsruhe in Pforzheim an und wurde von den Schülern des Pädagogiums ausgetragen. Kriegerische Unruhen erschwerten häufig die Spedition des Blattes und auch die Übermittlung von Nachrichten.

Es war ein Vorteil, dass sich der aus Kehl zugezogene Buchhändler Müller entschloss, eine Druckerei in Pforzheim zu errichten, so dass die „Wöchentlichen Nachrichten“ nun am Platz gedruckt werden konnten.

 

Politische Nachrichten nach dem Ende Napoleons

Das Blatt war auf dem besten Weg, den Charakter einer richtigen Zeitung anzunehmen, als es auf Betreiben der Franzosen, die den Abdruck von Nachrichten aus Preußen und Sachsen argwöhnisch verfolgten, in seine ursprüngliche Form zurückverwiesen wurde. Als jedoch das Schicksal Napoleons in Russland entschieden war und die Befreiungskriege die Herrschaft der Franzosen ins Wanken brachte, erlangte das „Pforzheimer Wochenblatt“ einen erhöhten politischen Charakter. Es stimmte in den allgemeinen Jubel und in die Begeisterung für Deutschland ein.

{ImageR}Als Großherzog Leopold für Baden am 1. März 1832 die Pressefreiheit proklamiert hatte, sah sich das „Wochenblatt“ in der Lage, eine freimütige Sprache zu führen. Es hatte in der Person des Johann Kiehnle einen Redakteur erhalten, der ihm einen neuen Titel verlieh: „Der Beobachter an der Enz und in der Pfalz“. „Der Beobachter“, der sich schon bald ohne den erwähnten Zusatz nannte, bezeichnete sich als „Volksblatt für Wahrheit, Recht, Freiheit und Ordnung“ und trat für diese Ideale mit freimütiger Unerschrockenheit ein.

 

Formatwechsel mit dem "Pforzheimer Beobachter"

Nach mehrmaligem kurzem Besitzerwechsel ging die Zeitung 1851 in den Besitz von J. M. Flammer über. Dieser wandelte erneut den Titel um, und gab der Zeitung im Jahr 1856 den Namen „Pforzheimer Beobachter“. Diesen Titel hat das älteste Pforzheimer Blatt 66 Jahre lang geführt. Eine erhöhte Einflussnahme erfolgte durch den Eintritt des Direktors der Höheren Töchterschule, Johann Georg Friedrich Pflüger, des Verfassers einer Pforzheimer Stadtgeschichte, in die Redaktion.

{ImageR}Mit dem 1. Januar 1858 erschien der „Pforzheimer Beobachter“ in einem neuen Gewand, in großem, stattlichem Format, und dies fünfmal in der Woche. Immer mehr füllten sich die Spalten der Zeitung mit Pforzheimer Nachrichten, und größere Sorgfalt verwendete die Redaktion auf den unterhaltenden Teil der Zeitung. Als Max Klemm am 1. September 1893 die Leitung des Unternehmens übernahm und in Hermann Schuster einen tüchtigen Redakteur fand, zeichnete sich das hundertjährige Bestehen der Zeitung ab. Klemm war Journalist mit Leib und Seele, und sein Bestreben war es, das Blatt auszubauen.

{ImageR}Der „Pforzheimer Beobachter“ war eine Zeitung, deren Ziel und Streben in der journalistischen Leistung lag. Mit der aufstrebenden Wirtschaft nach dem Jahr 1870 waren jedoch überall in Deutschland sogenannte Anzeigenblätter ins Leben getreten, die den „Intelligenzblättern“, bei denen die Anzeigen nicht Hauptzweck waren, dadurch Konkurrenz machten, dass sie dem Inserat das Vorrecht vor dem Text einräumten und dadurch recht billig im Bezugspreis erscheinen konnten.  Die ,Herausgeber des „Beobachters“ glaubten anfangs, diese Blätter nicht als Konkurrenz ansehen zu müssen.

 

Einstellung in der Inflationszeit

Max Klemm erkannte sehr bald, dass dies ein Trugschluss war, und er versuchte nun seinerseits nach einer Zusammenlegung mit dem „Städtischen Tagblatt“, das unter der Oberleitung von Bankier August Kayser stand, dem damals in Pforzheim tonangebenden „Steckeles-Kayser“, diese falsche Meinung zu korrigieren, indem er diese beiden Blätter im Jahr 1905 zum „Pforzheimer Generalanzeiger“ verschmolz.

{ImageR}Aber auch diese Maßnahme erwies sich, wie in der ersten Nummer der „Pforzheimer Neuesten Nachrichten“ im Oktober 1918 zu lesen war, als eine Fehlentscheidung. In der Inflationszeit wurde das Blatt vorübergehend eingestellt.

Als die große Geldentwertung vorüber war, versuchte der letzte Verlagsleiter der „Neuesten Nachrichten“, Ammend, das viele Jahre von ihm betreute Werk wieder in Gang zu bringen. Im Jahr 1925 brachte er das Blatt unter dem Titel „Pforzheimer Rundschau“ einstweilen als Wochenzeitung heraus. Er griff damit auf die ursprüngliche Erscheinungsweise zurück. Die Herausgabe war sehr erschwert, die Entwicklung gehemmt, da die Zeitung im fernen Offenbach gedruckt wurde.

 

Jakob Esslinger lässt die "Rundschau" aufblühen

{ImageR}Deshalb war die Übernahme des Druckes und des Verlags durch Jakob Esslinger in Pforzheim im Frühjahr 1928 eine glückliche Lösung der schwierigen Frage einer zweckmäßigen Herstellung und schnellen Möglichkeit der Verbreitung. Vom Oktober 1928 an wurde das Blatt wieder täglich herausgegeben. Verhältnismäßig schnell fand sich eine große Zahl Pforzheimer Bürger, die sich um die „Rundschau“ scharten, weil sie in ihr die Fortsetzung des alten „Beobachters“ begrüßten.

Im Jahr 1933 bezog die „Rundschau“ das erworbene und umgebaute Verlagshaus an der Poststraße – an derselben Stelle, an der heute das Zeitungshaus in moderner Form steht. Der weitere Aufstieg des Blattes schien gesichert.

 

Die Nazis verbieten die "Rundschau"

Die politischen Ereignisse der dreißiger und vierziger Jahre wirkten sich für die Entwicklung der Tageszeitung äußerst hemmend aus. Nur ein Blatt, das sich hundertprozentig der NSDAP verschrieben hatte, sollte gelesen werden. Trotz aller Hemmnisse gelang es, die „Rundschau“ jahrelang am Leben zu erhalten. Am 1. März 1943 schlug dann aber doch die Stunde. Das Blatt wurde eingestellt, weil es nicht in das Konzept des Nazi-Regimes passte. Angeblicher Papiermangel war nur ein Vorwand. Für das tüchtige Verleger-Ehepaar Jakob und Rosa Esslinger war es ein weiterer Schicksalsschlag, als in Pforzheims Bombennacht das Verlagshaus an der Poststraße völlig zerstört wurde.

{ImageR}Als am 29. Juli 1947 von den amerikanischen Besatzungsmächten an Dr. Johann Peter Brandenburg und Felix Richter eine Lizenz zur Herausgabe einer neuen Zeitung unter dem Titel „Süddeutsche Allgemeine“ erteilt wurde, war eine Herstellung dieses Blattes in Pforzheim nicht möglich. Wieder lenkte man die Schritte nach Karlsruhe, wo die „SAZ“ bis zum Wiederaufbau der Zeitungsdruckerei an der Poststraße hergestellt war. Mit der Wahl zum Oberbürgermeister schied Dr. Brandenburg aus dem Verlag der „SAZ“ aus. Am 1. Dezember 1949 schied auch Felix Richter aus. Sämtliche Anteile gingen an den Verleger Jakob Esslinger über.

Teil 2 der Pforzheimer Zeitungsgeschichte "Wie Phönix aus der Asche - Der stete Aufstieg der "Pforzheimer Zeitung" von 1945 bis zur Gegenwart" lesen Sie hier. mehr »