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Julia Schnaidt, begleitet von Kai Portolano, schreibt, seit sie 14 Jahre alt ist, ihre eigenen Lieder.  Foto: Roller
Julia Schnaidt, begleitet von Kai Portolano, schreibt, seit sie 14 Jahre alt ist, ihre eigenen Lieder. Foto: Roller
Permanent Change nennt sich die Band von Manfred Schweikert, Martin Gassmann und Hans-Jörg Rösch (von links).  Foto: Roller
Permanent Change nennt sich die Band von Manfred Schweikert, Martin Gassmann und Hans-Jörg Rösch (von links). Foto: Roller
Bart Dewijze spielt nicht nur Gitarre.  Foto: Roller
Bart Dewijze spielt nicht nur Gitarre. Foto: Roller
Thomas Hans Meyer singt Mundart.  Foto: Roller
Thomas Hans Meyer singt Mundart. Foto: Roller
01.12.2016

„Mitmachen kann jeder“ beim Folkclub „Prisma“

Musiker aus der Region zeigen ihr Können beim Folkclub „Prisma“. Das Herbstmeeting sorgt für Begeisterung über die oft selbstgeschriebenen Songs.

„Wir spielen einfach, was uns Spaß macht, was uns gefällt“, sagt Martin Gassmann in der Pause lächelnd. Ein paar Minuten zuvor hält er noch locker eine Akustikgitarre in der Hand und steht mit seinen beiden Bandkollegen Hans-Jörg Rösch (Gitarre) und Manfred Schweikert (Geige) auf der Bühne. Sie haben gute Laune, spielen Songs von Bobby Womack, den Beatles und Django Reinhardt. Das Trio nennt sich Permanent Change, macht seit rund 15 Jahren zusammen Musik und kommt aus Büchenbronn. An diesem Abend sind Gassmann, Rösch und Schweikert nur drei von elf Musikern, die entweder allein, als Duo oder als Band am Herbstmeeting des Folkclubs „Prisma“ im Gasometer teilnehmen.

„Mitmachen kann bei uns jeder“, erklärt der „Prisma“-Vorsitzende Hese Schröter. Egal, was man spielt und auf welchen Instrumenten man es spielt. „Das Publikum entscheidet letztlich, ob es gut ist oder nicht.“ Aber an Buh-Rufe oder verärgerte Zuhörer könne er sich nicht erinnern. Im Gegenteil: Das Publikum ist mucksmäuschenstill, hört genau hin und klatscht tosenden Beifall, wenn das Stück zu Ende ist. „Das schätzen viele Musiker, die zu uns kommen“, erzählt Schröter.

Seit rund 40 Jahren gibt es die offene Bühne beim Folkclub „Prisma“ schon, seit zehn Jahren wieder regelmäßig zweimal pro Jahr. Jeder Künstler hat eine Viertelstunde Zeit, um sich und seine Musik zu präsentieren. Allerdings muss auf Verstärker und andere technische Hilfsmittel verzichtet werden. So sind die Regeln.

Kein Problem für Julia Schnaidt, die an diesem Abend zusammen mit Gitarrist Kai Portolano auftritt. Ihre selbstgetexteten Lieder sind voller Gefühl und handeln vom Herbst, von Mut und von einer Freundin, die vor kurzem verstorben ist. Eigentlich ist Schnaidt von Beruf Lehrerin, aber das Singen ist für sie Hobby und Herzenssache zugleich. „Seit ich 14 bin, schreibe ich meine eigenen Lieder“, erzählt sie. An ihr erstes Stück kann sie sich noch genau erinnern: ein Geburtstagslied für ihre Tante.

Eigene Texte sind wichtig

Seine eigenen Texte schreibt auch Bart Dewijze, der ursprünglich aus Belgien kommt und seit kurzem das Haus der Jugend leitet. Wie viele Lieder er schon selbst getextet hat, das kann er so genau nicht sagen. „Ein gutes Dutzend“, meint er, „aber ich mache mir da keinen Druck“. Wenn er singt, dann begleitet er sich auf der Gitarre. Aber er kann auch Tuba, Klavier und Trompete spielen.

Ein Mangel an Spielfreude lässt sich auch der vierköpfigen Band um Sebastian Georgopoulos und Alina Schüle nicht nachsagen. Obwohl der (zu) viel gespielte Song mittlerweile auf manchen Jamsessionsverboten ist und es sogar Aufkleber mit einem durchgestrichenen Rad gibt, spielen sie „Waggon Wheel“. „Das Lied ist so gut und schön, dass uns das egal ist“, sagt Georgopoulos grinsend. Nicht weniger unterhaltsam geht es mit Thomas Hans Meyer aus Ettlingen zu, der in badischer Mundart über Sperrmüll singt, Volkslieder in einer lässigen Blues-Variante präsentiert und auf die Volkskrankheit Demenz anspielend, fragt: „Was ist bloß mit der Oma los?“ Mit der „Stadt im Regen“ entlässt er das zufriedene Publikum nach gut zwei Stunden in die kalte Nacht.