

Er sollte einen Verdienstorden für Mut und Kreativität erhalten: Generalmusikdirektor Markus Huber, der mit seinem außergewöhnlichen Konzertprogramm das Risiko eingegangen ist, den bodenständigen Musikgeschmack der Pforzheimer zu verfehlen. Denn beim 3. Sinfoniekonzert des Pforzheimer Theaters, das mit Werken von Richard Wagner, Wolfgang Rihm und Claude Debussy bestritten wurde, dokumentierten die Interpreten anhand paradigmatischer Stücke Ursprung und Entwicklung der musikalischen Moderne.
Freilich ist die renommierte Radio Philharmonie Saarbrücken kein ausgesprochenes Wagner-Orchester. Und auch die akustischen Bedingungen im CCP kommen der vollen Entfaltung des süffig-voluminösen Wagner-Klangs nicht entgegen. Aber die gebotenen beiden Orchester-Vorspiele ließen hören, worum es geht: Im „Lohengrin“-Vorspiel findet sein Komponist bereits eigene Wege der Harmonik und Musikdramaturgie, entwickelt seine Leitmotivtechnik und verleiht den Haupt- und Nebentonarten (hier dem zentralen A-Dur) klangsymbolische Qualität. Das Vorspiel zum ersten Akt des „Parsifal“ überschreitet mit chromatischem Beiwerk schon Grenzen der traditionellen Tonalität.
Die Wiedergabe von Debussys „Trois Nocturnes“ für Frauenchor und Orchester, dem einen Höhepunkt des Konzertabends, zeigte Folgen dieser Grenzverschiebungen auf. Die Tonalität wird weiter aufgelöst zugunsten dissonanter, impressionistisch-naturhafter Gefühlsdarstellung. Wie daraus farbintensive Klanggemälde entstehen können, stellten Huber und die Saarbrücker Philharmonie mit den ersten beiden Sätzen „Nuages“ und „Fêtes“ heraus. Dass dabei auf den Sinngehalt von Texten verzichtet werden kann und purer Vokal- und Konsonantengesang völlig ausreichend ist, demonstrierte im Nocturne „Sirènes“ der – übrigens hervorragend disponierte – Damenchor des Theaters Pforzheim.
Die musikalische Avantgarde, zu deren führenden Vertretern der Karlsruher Komponist Wolfgang Rihm zählt, ist nicht jedermanns Sache. Wenn sie aber in dieser exzellent interpretierten Form mit einer herausragenden Solistin daherkommt, darf man auch von einem Neutöner gefesselt sein. Die chinesische Geigerin Tianwa Yang machte aus Rihms 1952 entstandener 4. Musik für Violine und Orchester „Coll’ arco“ nicht etwa eine virtuose Zirkusnummer mit quietschender Töne-Akrobatik, sondern mit vibratosatter Tongebung einen in abenteuerliche Höhen aufsteigenden Violingesang von glasklarer Kontur. Auch wenn das Stück mit heftig gezupften, vielmehr „gerissenen“ Saiten-Klängen einsetzte und immer wieder abrupte Sprünge, schrundige Doppelgriffpassagen und Flageoletts, aber auch zarte Schwelltöne und einen verdämmernden Abgesang aufzuweisen hatte. Eine nicht nur spieltechnische Meisterleistung, der das Orchester mit interessantem Begleitwerk sekundierte. Darüber hinaus konnte Yang mit einer hinreißenden Zugabe, der 4. Violinsonate von Eugène Ysaÿe, für sich einnehmen. Eckehard Uhlig
Autor: Eckehard Uhlig | Pforzheim





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Leserkommentare (3)
Mehr KommentareZum Glück wurde endlich einmal etwas moderneres gespielt. Leider viel zu selten. Ich bin auch für Mozart und Beethoven. Es kann aber ruhig auch mal Strawinski, Schönberg oder Goebbels sein. mehr...
Nur zu meiner Information: Sie meinen Heiner Goebbels? Den finde ich auch gut. mehr...
Jaja, all sowas können Foren anrichten :-) mehr...