


Da ist er wieder: Hubert von Goisern, der legendäre Erfinder des Alpenrocks. „Live“ und „Open Air“ zelebriert in bester Spiellaune ein restlos ausverkauftes Konzert beim Hirsauer Klostersommer. Intensiv und konzentriert wie selten zuvor und mit überraschend leichtem Gepäck: Gerade einmal drei Musiker – Bass, Schlagzeug und Gitarre – begleiten den konsequent experimentierfreudigen Sänger und Multiinstrumentalisten aus dem Salzkammergut.Eulenturm und die gotischen Maßwerkfenster des Kreuzgangs der Klosterruine werden von warmem Licht geflutet, als das Konzert in die letzte Runde geht. Selbst der bleiche Mond scheint zu lauschen, linst – recht rund und zufrieden – durch einen zerbrechlichen Schleier kleiner Wolken auf Bühne, Steh- und Sitzplätze.
Wäre Hubert Achleitner aus Bad Goisern nicht erstmals in Hirsau, man könnte den Auftritt glatt als Heimspiel bezeichnen: Einzelne Zuschauer tragen Tirolerhut, die Krachlederne oder ein Dirndl, andere präsentieren ihr Bekenntnis zur „Neuen Volksmusik“ schwarz auf weiß auf den T-Shirts: „Brenna tuats guat“ steht drauf – gleichzeitig Motto der aktuellen Tournee und Titel einer neuen Hymne Hubert von Goiserns, in der er vorwärts eilende Gitarrenriffs ganz lässig mit den Klängen der Steirischen Ziehharmonika verbindet. Der Text passt in die Zeit: Wie eine bekannte indianische Weissagung erinnert er an die Machtgrenzen des Gelds und den Frevel des Agro-Business: „Jeder weiß, dass Geld nicht auf der Wiese wächst und essen kann man es nicht, aber brennen tut es gut, aber heizen tun wir mit Weizen und Rüben und mit Mais, wenn wir noch lange so weiter heizen, brennt der Hut.“ Nein, der fast 60-jährige Sänger und Komponist ist längst noch nicht leise, sondern ungebeugt, aufmüpfig und kritisch wie eh und je. Natürlich hat er auch die älteren Songs im Tournee-Gepäck, auf die so manche der eingefleischten Fans sehnsüchtig warten. Er singt von Mädchen mit knackig runden Waden, von seiner Heimatstadt Bad Goisern zur Melodie von Ray Charles‘ „Georgia“ und interpretiert Janis Joplins „Mercedes Benz“ alpin und mit Ziehharmonika.
Er inszeniert eine Hardrock-Schutzbitte an katholische Heilige – hat „die Heilige Rita immer dabei“ – spielt Instrumentales aus der Steiermark in hinreißendem Tempo und stimmt ganz sanft das getragene „Heast as nit“ („Hörst Du nicht, wie die Zeit vergeht“) und seinen frühen Erfolg „Weit, weit weg“ an – das Hirsauer Publikum übernimmt den Refrain natürlich sofort und feiert Hubert von Goisern und seine oberösterreichischen Musiker, Helmut Schartlmüller (Bass) aus Steyr, Alex Pohn (Schlagzeug) aus Bruckmühl und den Severin Trogbacher (Gitarre) aus Sankt Florian, mit stehende Ovationen.
Autor: Robin Daniel Frommer | Hirsau






