

NEULINGEN. Es hat fast etwas klischeehaftes, dieses Atelier des amerikanischen Malers Dean Glandon: Dutzende von Bildern auf dem Boden, an die Wand gepinnte Fotos und Zeichnungen, Farben, Pinsel, Tassen, Gläser, Flaschen – ein altes Gemäuer, das Jahrhunderte alte Geschichte atmet. Eine Arbeitsatmosphäre, in der sich der Wahl-Pforzheimer offensichtlich wohlfühlt. Und das seit zwölf Jahren. „Als ich damals gemeinsam mit Stephan Wolter hier auf dem Katharinentaler Hof einzog, war ich mir nicht sicher, wie lange das gut geht“, erzählt er im Rückblick. Aber es ging und geht gut: Inzwischen sind die beiden Maler gute Freunde geworden, die sich gegenseitig unterstützen.
„Schritt für Schritt“, sagt Glandon habe er sich hier sein neues Leben aufgebaut. Ein Leben, in dem seine Kunst endlich im Mittelpunkt steht. 1952 in Seattle als Sohn eines Lehrers geboren, verbringt er seine Kindheit in Deutschland. Der Vater unterrichtet in der Armee, wird von Gießen, über Augsburg, und München nach Würzburg versetzt. Bewegte Stationen einer Kindheit und Jugend. 1971 zieht es Dean Glandon in die USA. An der University of Washington in Seattle studiert er Kunst, schließt mit dem Bachelor of Arts ab. „Das Zeichnen und die Figur standen in dieser Zeit im Vordergrund“, erinnert er sich.
Doch das „Heimweh“ führt ihn zurück nach Deutschland, Glandon arbeitet am Stuttgart Arts and Crafts Center der US-Army. Gibt Kurse in Fotografie und verschiedenen Drucktechniken. Im Werkstatthaus Ost Stuttgart gibt er ab 1990 Kurse im Aktzeichnen, findet über diese Tätigkeit wieder verstärkt zurück zur eigenen Kunst. Zwei Jahre später richtet er gemeinsam mit Didier Beyer in der Hohenzollernstraße sein erstes Atelier in Pforzheim ein. Ausstellungen folgen, bei „Bau und Grund“ (2004), in der Galerie Brötzinger Art (2005), gemeinsam mit anderen Künstlern in der Städtischen Galerie Pforzheim und bei verschiedenen „Ortszeiten“. Seit einigen Jahren wird er von der Berliner Galerie Degenhartt vertreten, stellt regelmäßig dort aus, beteiligt sich an Messen, wie der Berliner Liste.
Dass Glandon von der Zeichnung kommt, das lässt sich seinen Arbeiten immer noch ablesen. „Auch wenn ich in den vergangenen Jahren einen neuen Stil entwickelt habe. Von der starken grafischen Prägung haben sich meine Arbeiten wegentwickelt hin zur Farbe“. Und auch das Format hat sich in den vergangenen zwei Jahren gewandelt. „Mein Galerist Michael Degenhartt hatte die Idee eine Ausstellung zu zeigen mit Bildern im Format 40 mal 40 Zentimeter.“ Diese Größe habe ihn so begeistert, dass er beschlossen habe, in diese Richtung weiterzuarbeiten.
Doch auch in dieser gewollten Einengung ist Glandons Kunst eine intuitive – „ganz spontan, so wie ich bin“, meint er. Als formale Vorgabe legt er sich Bildgröße, Papier, Farben und Stifte zurecht. „Alles Weitere überlasse ich meiner Intuition“. Bewusst ohne Planung, ohne Idee beginnt er zu malen: „Quasi blank“, schildert der Amerikaner. Das Malen und Zeichnen selbst wird dann zum Entscheidungsprozess. Und Glandon bildet dabei die Realität nicht ab, sondern schafft aus der Realität, aus seinem individuellen Fundus an Erfahrungen, Wissen, Emotionen eine eigene Bilderwelt. Oder eine eigene Sprache. „Meine Bilder sind für mich eine Art Literatur – nur ohne Schematismus“.
Doch Glandons Bilder sind häufig auch politisch: Wie die neue Serie „Swimming in the Dead Sea“. Denn in aller Abstraktion und Dekonstruktion lassen sich die Arbeiten des 58-Jährigen auch thematisch lesen, werden aus den stark gestischen, räumlichen Strukturen Geschichten mit einem fassbaren Inhalt. Wie eben der von den sich entspannt im Wasser treiben lassenden Israelis, während nebenan der Tod herrscht. „Gute Kunst“, sagt der Maler, „reflektiert, was das Leben wirklich ist. Und: „Die festzementierte Gesellschaftsstruktur muss ab und an zum Erodieren gebracht werden. Genau das ist unser Job“.Sandra Pfäfflin





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