

Der deutsche Trompeter Till Brönner gehört seit vielen Jahren zu den weltweit erfolgreichen Jazz-Künstlern. PZ-Mitarbeiterin Ina Lieckfeldt sprach mit dem Star über seine neue CD „Rio“, die dem Bossa Nova gewidmet ist und auf der auch Annie Lennox und Sergio Mendes mitwirken.
PZ: Wie kam es zu der Idee, ein reines Bossa-Nova-Album zu machen?
Till Brönner: Bossa Nova war schon immer eine meiner zwei oder drei großen Lieben neben dem Jazz. Und der Jazz ist ja mit dem Bossa Nova auch eine große Symbiose eingegangen in den frühen Sechzigerjahren, eigentlich schon in den späten Fünfzigern. Der wesentlich erfolgreichere Teil des Bossa Nova, der um die Welt gegangen ist, war auch sehr jazzig. Und insofern haben Jazzmusiker grundsätzlich eine große Affinität zu dieser Musik.
PZ: Gab es einen konkreten Auslöser, diese CD zu machen?
Brönner: Ich hätte diese CD wahrscheinlich schon viel früher aufgenommen, wenn ich nicht doch noch andere Projekte gehabt hätte. Als die Zeit dann reif schien, war das nur noch eine Sache von wenigen Tagen und dann war der Plan gemacht. Ein paar Monate später war ich schon im Studio, gleich am Ort des Geschehens, direkt in Rio de Janeiro, und das ist natürlich ein fantastisches Erlebnis gewesen.
PZ: Was hat diese Musik, das die Musik in Europa nicht hat?
Brönner: Ich glaube, dass wir mit unserer eigenen Musik, auch der Volksmusik und unserem eigenen Liedgut stiefmütterlich umgehen. Als ich in Rio war, habe ich viele junge Menschen kennengelernt und als wir die Instrumente ausgepackt haben und einfach mal so ein, zwei von diesen Stücken angespielt haben, da wurde sofort klar, dass diese Lieder bekannt sind und so beliebt, dass die Menschen alle drauf eingestiegen sind . Musik aus Amerika ist auch vertreten, aber fast die Ausnahme. Dies ist ein sehr, sehr gesundes Verhältnis, das diese Menschen zu ihrer eigenen Musik haben. Das ist bei uns in Deutschland nicht so weit verbreitet.
PZ: Sie haben das Album in Rio de Janeiro aufgenommen. Inwieweit haben Sie sich von der Stadt inspirieren lassen?
Brönner: Wir hatten natürlich Gelegenheit, uns auch mit dem Alltag dort auseinanderzusetzen; der ist durchaus nicht nur von Copacabana und Sonne geprägt. Aber der Anteil, den dies und vor allen Dingen die Landschaft dort ausmachen, das schlägt sich schon überall nieder und logischerweise auch in der Musik. Und ich bin mittlerweile ein Verfechter von Orten, die ein Flair mitbringen.
PZ: In der Klischeevorstellung stehen Brasilien und Rio für Rhythmus, Hitze und Leidenschaft. Wie haben Sie es geschafft, Ihre Musik so cool und entspannt klingen zu lassen?
Brönner: Ich glaube, dass es natürlich nicht nur Bossa Nova in Brasilien gibt. Es ist natürlich auch der Samba, der eine ganz ichtige Rolle spielt, und die Symbiose aus diesen Stilen. Der Stilmix, der teilweise auch klare Züge von Popmusik trägt, der macht brasilianische Musik aus.
PZ: Sie haben zum zweiten Mal mit dem Produzenten Larry Klein gearbeitet. Treibt er Sie an oder muss er Sie bremsen?
Brönner: Mein Produzent Larry Klein ist ungefähr das Beste, was mir seit Jahren begegnet ist. Larry Klein ist glücklicherweise mit einer Brasilianerin verheiratet. Nicht nur das sorgt dafür, das auch er eine ganz große Affinität zu der Musik entwickelt hat.
PZ: Das Album klingt angenehm altmodisch. Inwieweit war das Absicht?
Brönner: Für mich ist es immer schwer, Musik zu beschreiben. Ich glaube, dass ich generell der Old-School-Ecke ein bisschen mehr anhänge. Aber eigentlich eher aus dem Grund, weil ich mich sehr kritisch damit auseinandersetze, was eigentlich von Gehalt ist und was eine Modeerscheinung ist. Mir ist sehr daran gelegen, Zeitloses aufzuspüren und ich bin dahinterher, Platten zu machen, von denen ich hoffe, dass sie sich vielleicht in zehn Jahren immer noch einigermaßen aktuell anhören.
Till Brönner spielt am 1. August beim Open-Air im Pforzheimer Kulturhaus Osterfeld.





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