


BAD WILDBAD. 90 Meter lang und 16 Meter breit: Die Trinkhalle in Bad Wildbad ist ein Raum mit ungewöhnlichen Proportionen. Ein langer Schlauch, schlicht und streng im Stil der Neuen Sachlichkeit gehalten; Nüchtern, weiß und vor allem licht durch die elf raumhohen Fenster rechts und links. All das prädestiniert das denkmalgeschützte Gebäude von 1933/34 nicht unbedingt zum Theatersaal: Denn ein Theater muss dunkel sein – und irgendwie auch überschaubar. Doch Bühnenbildner Anton Lukas ist es gelungen, die historische Trinkhalle in ein Festspielhaus zu verwandeln.
Lukas ist bereits das vierte Jahr in Folge in Bad Wildbad. Sein erstes Bühnenbild entwarf er beim 20. Belcanto Opera Festival 2007 für Giuseppe Balduccis Salonoper „Boabdil, re di Granata“ im Kurtheater. In dieser Spielzeit ist er maßgeblich an der Umgestaltung der Trinkhalle zum Opernhaus beteiligt. „Hier galt es nicht nur eine Bühne zu kreieren“, sagt Lukas, „sondern ein ganzes Theater mit Bühne, Zuschauerraum und allem drum und dran.“ Eine Herausforderung für die Festivalmacher – auch akustisch.
„In der Trinkhalle zu arbeiten ist etwas ganz anderes als im Kurhaus oder im Kurtheater“, erklärt Lukas: „Der Raum ist in seiner zurückhaltenden, sachlichen Optik viel offener als es der Jugendstil-Kursaal und das verspielte Kurtheater. In der Trinkhalle rückt die Bühne viel stärker ins Blickfeld. Der Raum selbst wird fast zur Nebensache“. Die kleine Bühne, die fest in der Trinkhalle installiert ist, dient bei „Rossini in Wildbad“ jetzt nur als Hinterbühne und bietet Platz für Maske und Requisiten. Die eigentliche Opernbühne wurde komplett neu installiert – inklusive der Beleuchtungsanlage.
Diesen Freiraum nutzt Lukas für ein spannenden Spiel mit Podesten in unterschiedlicher Höhe, die er zu einem Bühnenraum mit verschiedenen Spielflächen und Ebenen arrangiert hat. Dabei kommt ihm zupass, dass in diesem Jahr hier nur eine szenische Produktion aufgeführt wird: Rossinis Meisterwerk „La Cenerentola“ (Aschenputtel). So kann er die Bühne ganz speziell auf diese Oper zuschneiden – ohne Rücksicht auf schnelle Umbauten zwischen verschiedenen Produktionen nehmen zu müssen. Auf einige Dinge muss man indes auch in der Trinkhalle – wie im Kurhaus – verzichten: Einen Schnürboden zum Beispiel. Oder einen Orchestergraben. Dafür bietet die Bühne eine „wahnsinnige Tiefe für Projektionen und andere Effekte. Das ist ein echter Luxus“, schwärmt Lukas.
Wie sich die Trinkhalle als Opern- und Festspielhaus bewährt, wird sich bei der morgigen Premiere zeigen. Dazu Lukas: „Es gibt natürlich noch keinerlei Erfahrungswerte, und ich bin – ehrlich gesagt – schon etwas nervös vor dieser ‚Uraufführung’“. Aber so viel stehe fest: „Alles ist hier viel weitläufiger als man das vom Kurhaus gewohnt ist, egal ob vor oder hinter den Kulissen. Das beginnt im hellen, gläsernen Foyer im Brunnenpavillon und setzt sich fort hinter einer Trennwand im komplett abgedunkelten, sanft ansteigenden Zuschauerraum mit rund 500 Plätzen, die allesamt eine gute Sicht auf die Bühne bieten. Es geht weiter über die großzügige Bühne selbst – und endet bei gutem Wetter auf der Trinkhallen-Terrasse, auf der es sich vor den Vorstellungen und in den Pausen lustwandeln lässt“ . Ulrike Albrecht
Für die Premiere von „Aschenputtel“ und die Vorstellung am 17., 22. und 25. Juli gibt es noch Karten unter





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