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Großen Beifall gab es für die Mitwirkenden der Oper. Foto: G. Bechtle
Großen Beifall gab es für die Mitwirkenden der Oper. Foto: G. Bechtle
18.07.2016

Bellinis frühe Oper „Bianca e Gernando“ bei Rossini in Bad Wildbad: Wie ein stilles Weinen

Bad Wildbad. Die nichtszenische Aufführung einer Oper kann manchmal etwas mühsam sein. Keine Kulissen und Kostüme, kaum Mimik und Gestik. Emotionen und Handlungsstränge müssen allein Musik und Stimmen tragen. In der Wildbader Erstaufführung von „Bianca e Gernando“ – der zweiten Oper von Vincenzo Belleni, die in der Gegenwart noch nie aufgeführt worden ist – gelingt dies nicht immer. Das 1826 uraufgeführte Frühwerk wurde mehrfach umbenannt, zudem gibt es noch eine Fassung von 1828. Bei „Rossini in Wildbad“ kam in der Trinkhalle die Urfassung von 1826 zur Aufführung – in konzertanter Form mit Orchester, Chor und Solisten unter Leitung von Antonino Fogliani.

Gesungen wird nebeneinander an Notenpulten, eine innige Umarmung des Titelgeschwisterpaars muss sich der Zuschauer vorstellen. Ohne Übersetzung in den Übertiteln wäre es schwierig geworden, die Handlung des Zweiakters zu verstehen. Es geht um den Thron von Agrigent: Herzog Carlo wurde gestürzt. Filippo will die Macht, ist zudem mit der Herzogstochter Bianca verlobt. Carlos Sohn Gernando wurde aus der Stadt gejagt, kehrt aber in Gestalt des Söldners Adolfo zurück und sinnt auf Rache. Seiner Schwester wirft er Verrat vor. Als er sich zu erkennen gibt, befreien sie zusammen den totgeglaubten Vater aus einem Verlies. Filippo wird überwältigt, Carlo gewinnt seine Macht zurück.

Lebhafter Bösewicht

Bellini hatte Erfolg mit der ernsten Oper, mit der der damals 24-Jährige am Operntheater debütierte. In Harmonik und Melodik hat sie bereits viel Reizvolles zu bieten. Die Virtuosi Brunenses machen dies sehr plastisch, übertönen aber auch manches Vokale. Zu Beginn etwa die Männerstimmen des Camerata Bach Chors Pozna oder den Solisten Vittorio Prato, der sich als Bösewicht Filippo immer mehr steigert.

Am Anfang noch etwas schwach in der Tiefe, gelingt dem Bariton vor allem im zweiten Akt eine lebhafte und ausdrucksstarke Vorstellung – mit großer Stimmkraft. Seine mimische Präsenz sticht denn auch fast den Hauptakteur, Maxim Mironov als Gernando, ein wenig aus. Der russische Tenor singt seine Partien mit Bravour, könnte diesen aber manchmal mehr darstellerische Schärfe verleihen.

Im Duett mit der grandiosen Silvia Dalla Benetta als Bianca bringt er sein helles Timbre vollends zur Entfaltung. Die beiden Stimmen fügen sich in ein herrliches Belcanto, die Koloraturen rollen mit perlender Leichtigkeit. Die italienische Sopranistin hinterlässt den stärksten Eindruck, ihre Arie „Erhebe dich, oh Vater“ ist der Höhepunkt des Abends.

Schon die traurige Einleitung durch Harfe und Oboe ist berührend, der nuancenfeine Gesang wie ein stilles Weinen. Dazu kommt der gefühlvolle Trost der leider nur einmal auftretenden Mezzosopranistin Mar Campo als Biancas Vertraute. Von schlanker Gestalt ist Bass Luca Dall’Amico als Carlo, seine Stimme aber umso fülliger und resoluter. Solide auch Bass Zong Shi als Clemente und Mezzosopranistin Marina Viotti als Viscardo. Das Orchester überzeugt eher in den Details, die Klarinette etwa beim ersten Auftritt Biancas oder das Solo-Cello am Schluss. Lang anhaltender, jubelnder Beifall – mit nochmals rauschendem Finale als Zugabe.