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Gelungener Auftakt mit dem Lotus String Quartet. Foto: Fotomoment
Gelungener Auftakt mit dem Lotus String Quartet. Foto: Fotomoment
14.11.2016

Da geht die Sonne auf: Lotus String Quartet eröffnet „Concerto“-Reihe

Viel Kunstverstand ist in ihren Interpretationen, auch Spannung und musikalischer Glanz. Als regelmäßiger Gast in Peter Wallingers Konzert-Reihen erfreute das Lotus String Quartet, das zum Auftakt des „Mühlacker Concerto“ in der historischen Kelter Ötisheim musizierte, erneut mit kunstreicher Verwebung der beiden Violinen (Sachiko Kobayashi und Mathias Neundorf), der Bratsche (Tomoko Yamasaki) und des Violoncello (Chihiro Saito): Niemand drängelt sich unangemessen vor, auch Solopassagen bleiben im Gesamtklang eingebunden.

 

Diesmal standen Werke von Joseph Haydn, Robert Schumann und Johannes Brahms auf dem Programm. Haydns Streichquartett B-Dur op. 76 Nr. 4, das den Beinamen „Sonnenaufgang-Quartett“ trägt, eröffnete den kammermusikalischen Reigen. Nach scheinbar zögerlichem Einstieg beeindruckte der Vortrag des schnellen Einleitungssatzes durch lebendig-geradliniges Spiel. Es folgte mit breit ausgezogenen Linien das farbintensiv leuchtende Adagio: So geht die Sonne auf. Das Menuetto steuerte im Volkslied-Ton einen tänzerisch akzentuierten Satz von heiterem Charakter bei, Tempo- und Lautstärke-Steigerungen dann im Finale.

Höhepunkt des Abends war freilich die Wiedergabe von Schumanns Streichquartett F-Dur op. 41 Nr. 2. Das Romantische mit seinen blühenden Klangbildern ist offensichtlich bei den Lotus-Streichern besonders gut aufgehoben. Schneidig temperamentvoll gespielt wurden widerstreitende Kräfte – auch süße und bittere Gefühlsmomente – herausgearbeitet. Den ersten Satz zeichnete ein Wechselspiel zwischen ruhigen und kontrastreich belebten Part-tien aus. In seiner Form experimentell mutete das zärtelnd dahin träumende Andante, quasi Variazioni an, geradezu irritierend die harmonischen Umfärbungen im Schlusssatz.

Kraftvoll interpretierte Lotus das Brahms-Streichquartett a-Moll op. 51 Nr. 2, wobei die Kunst der Zurücknahme sich immer wieder für differenzierte Dynamik öffnete, für Leidenschaft, für herrliche Violin-Bögen über hüpfendem Cello-Pizzikato und pointierte Impulsfolgen.