

Es ist ein eher schüchterner junger Mann, der da behutsam seine Geige auspackt. Sichtlich stolz ist der 23-Jährige, als er die Stradivari auf den Redaktionstisch der PZ legt – und angesichts der Kostbarkeit für ehrfürchtiges Staunen sorgt. Direkt vom Bahnhof ist an diesem 17. Mai 1994 gekommen, das millionenschwere Gepäckstück einfach in der Tasche über die Schulter gehängt.
Und nun erzählt der ausgesprochen gut aussehende junge Mann mit dem langen braunen Haar, wie sehr er sich freut, wieder in Pforzheim zu sein. Auch Vladislav Czarnecki, ehemaliger Chefdirigent des Südwestdeutschen Kammerorchesters Pforzheim, erinnert sich heute noch gut an seine erste Begegnung mit Sergej Krylov.
In einem Abonnementkonzert im März 1993 präsentierte sich der russische Ausnahmegeiger, den ihm die italienische Pianistin Stefania Mormone als zusätzlichen Solisten empfohlen hatte, erstmals dem Pforzheimer Publikum. Der gemeinsame Auftritt wurde zum fulminanten Auftakt einer langjährigen Zusammenarbeit und Freundschaft zwischen Dirigent und Solist.
Es folgten zahlreiche Konzertreisen gemeinsam mit dem Pforzheimer Ensemble, unter anderem auch beim renommierten Prager Frühling im Jahr 1994. Czarnecki war so überzeugt von Krylovs Talent und Ausstrahlung, dass er sich in den ersten Jahren das Recht sicherte, Krylov in Deutschland mit Kammerorchester exklusiv mit dem „Südwestdeutschen“ anzubieten. Die frühen CD-Aufnahmen Krylovs mit dem „Südwestdeutschen“ sind heute sämtlich vergriffen und werden als Raritäten gehandelt.
Auch Czarneckis Nachfolger Sebastian Tewinkel war auf Anhieb von Krylov begeistert, als er die ersten Male mit ihm musizierte, 2004 zusammen mit Stefania Mormone in Mendelssohns Doppelkonzert und 2005 beim Rotary-Jubiläumskonzert in Tartinis Teufelstriller-Sonate. Zwischenzeitlich nahm Krylovs internationale Karriere als Geiger einen rasanten Verlauf, bald spielte er im Wiener Musikverein ebenso wie in der Mailänder Scala, im Teatro Colon von Buenos Aires ebenso wie in der Suntory Hall in Tokio. Zusätzlich wandte er sich dem Dirigieren zu und wurde 2009 als Nachfolger von Saulius Sondeckis zum Künstlerischen Leiter des renommierten Litauischen Kammerorchesters gewählt.
Begonnen hatte das alles mit Geigenunterricht im Alter von fünf Jahren in Moskau. Schon mit zehn Jahren debütierte Sergej Krylov als Solist mit Orchester, mit siebzehn spielte er Mozarts A-Dur-Konzert im russischen Fernsehen. Später studierte er bei Salvatore Accardo in Italien, wo sich Krylovs Vater, ein renommierter Geigenbauer, in Cremona niedergelassen hatte. Aus mehreren internationalen Violinwettbewerben ging Krykov als Preisträger hervor, darunter als Sieger beim Stradivari-, beim Lipizer- und beim Kreisler-Wettbewerb.
Auf das erste gemeinsame Projekt nach nunmehr sechs Jahren freut sich Sebastian Tewinkel ganz besonders: „Wir haben das Kammerorchester aus diesem Anlass um einige Streicher, Bläser und Schlagzeug erweitert, um zusammen mit Krylov zwei berühmte Bravourstücke in der Klangpracht der Originalbesetzung spielen zu können: Ravels Tzigane und Sarasates Carmen-Fantasie.“
Ermöglicht wurde dies durch die Unterstützung des Orchester-Fördervereins und der Werner-Wild-Stiftung. Auch die Zugabe wird aus dem romantisch-virtuosen Repertoire der „Teufelsgeiger“ stammen – mehr verrät Tewinkel noch nicht. Und natürlich wird Vladislav Czarnecki wie immer als treuer Zuhörer im Abonnementkonzert sein, diesmal mit ganz besonders lebhaften Erinnerungen.
Autor: Simon Dolacek





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