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In einer kriegerischen Atmosphäre verortet der Regisseur Jochen Schönleber die Kurzoper.  Pfeiffer
In einer kriegerischen Atmosphäre verortet der Regisseur Jochen Schönleber die Kurzoper. Pfeiffer
13.07.2015

Die Kurzoper „l‘inganno felice“ begeistert in Bad Wildbad

Mit einer musikalischen Delikatesse startete das Belcanto-Festival „Rossini in Wildbad“ in die neue Spielzeit. Dabei ist die Aufführung von „L’inganno felice“ (Der glückliche Betrug), die der erst 20-jährige Rossini für die Karnevalssaison in Venedig 1812 schrieb, durchaus keine neue Ausgrabung des knapp zweistündigen Werkes. Vielmehr war das Werk schon 2005 auf der damals erst halb sanierten und deshalb nicht bespielbaren Bühne des hübschen kleinen Kurtheaters zu sehen – freilich nur in einer konzertanten Vorstellung.

Mit einer musikalischen Delikatesse startete das Belcanto-Festival „Rossini in Wildbad“ in die neue Spielzeit. Dabei ist die Aufführung von „L’inganno felice“ (Der glückliche Betrug), die der erst 20-jährige Rossini für die Karnevalssaison in Venedig 1812 schrieb, durchaus keine neue Ausgrabung des knapp zweistündigen Werkes. Vielmehr war das Werk schon 2005 auf der damals erst halb sanierten und deshalb nicht bespielbaren Bühne des hübschen kleinen Kurtheaters zu sehen – freilich nur in einer konzertanten Vorstellung.

Nun ist die kleine, aber hohe Bühne des Theaterchens volltauglich für Inszenierungen, und so machte sich Festspielchef Jochen Schönleber daran, die vergnügliche Kurzoper in Szene zu setzen. Der besondere Reiz dieser „Farsa per musica“ liegt in der Mischung von quirliger Situationskomik der drolligen Verwicklungen und tragischen Momenten einer sentimentalen Grundstimmung um das Leid der zu Unrecht beschuldigten Isabella, die von ihrem Mann, dem Herzog Bertrando, auf Betreiben von dessen schurkischem Vertrauten Ormondo wegen vermeintlicher Treulosigkeit in den Tod geschickt wurde.

Isabella freilich, ihrem grausamen Gatten in Liebe treu ergeben, überlebt den Mordanschlag und findet Schutz beim wackeren Bergarbeiter Tarabotto, der von ihrer wahren Identität nichts ahnt und sie als seine Nichte Nisa ausgibt. Als nun aber Bertrando in Vorbereitung eines drohenden Krieges zur Inspektion in der Erzmine erscheint, setzen die Verwicklungen ein.

Das ist so simpel wie effektvoll gemacht und gibt vor allem Rossini Gelegenheit, ein musikalisches Feuerwerk wechselnder Empfindungen zu entfachen – von der gefühlvollen Romanze der unglücklichen Isabella über das abgründige Bass-Gepolter des Schurken bis zur plappernden Buffo-Manier des lavierenden Komplizen und der lustspielhaften Aufgedrehtheit des strippenziehenden Tarabotto. In einem grandiosen, mehrteilig gegliederten Finale finden dann alle Hoffnungen und Ängste, Sehnsüchte und Aufregungen zusammen. Leider nimmt Regisseur Schönleber das folgenlose Nebenmotiv des drohenden Krieges zum Anlass eines martialischen Aufputzes, zu dem ihm Bühnenbildner Robert Schrag mit Tarnnetzen, Munitionskisten und einem echten Jeep ein düsteres Szenarium entwirft, das die Anlagen der Musik sträflich ignoriert. Die Inszenierung passt in ihrer Überfrachtung nicht zur Musik, die von Antonino Fogliano am Pult der vorzüglichen „Virtuosi Brunenses“ mit perlenden Läufen, elegischen Aufschwüngen und lyrischer Emphase zu einem glänzenden Ohrenschmaus gestaltet wird.

Auch gesanglich bietet diese Aufführung großartige Momente. Die Sopranistin Silvia Dalla Benetta als Isabella beeindruckt durch eine für das kleine Haus und diese Partie fast allzu große, bravourös geführte Stimme mit guter Beweglichkeit und sicherer Höhe. Ihr zur Seite singt der in Wildbad bereits bekannte Artavad Sargsyan mit schlankem Tenor und vokaler Noblesse den Herzog, dessen schmelzende Cavatina, vom Flötensolo eines Soldaten (Tommaso Dionis) einfühlsam begleitet, zu den Höhepunkten des Abends gehört. Lorenzo Regazzo ist ein fulminanter, dabei erfrischend komödiantischer Tarabotto, der mühelos die Szene beherrscht, während der Buffo Tiziano Bracci als spießiger Wendehals Batone daneben mit sorglosen Tonhöhen und ungenauer Artikulation ein wenig enttäuscht. In der kleineren Partie des garstigen Ormondo besticht dagegen der etwas hölzern agierende Baurzhan Anderzhanov mit kernigem Bass. Das Publikum dankte mit Beifall für einen zumindest musikalisch begeisternden Abend.