


Haydn, Mozart und Killmayer – der dritte Name lässt aufhorchen. Was sucht dieser zeitgenössische Komponist, der 1927 in München geboren wurde und als bedeutender Vertreter der „Neuen Einfachheit“ in der Musik gilt, auf dem klassisch ausgerichteten Programm? Killmayer schrieb 1996 ein überwiegend atonales „Kammerkonzert für kleines Orchester mit obligaten Oboen“, „La joie de vivre“ („Lebenslust“), als Auftragswerk für das Berliner Haydn-Ensemble, das von keinem anderen geleitet wird als von Hansjörg Schellenberger. Der international gefragte Oboist und Dirigent ist nun erstmals auch zu Gast in der Goldstadt, wo er beim dritten Abonnementkonzert des Südwestdeutschen Kammerorchesters Pforzheim im vollen CongressCentrum eine Welle der Begeisterung auslöst.
Denn Schellenberger wird seiner solistischen und leitenden Doppelrolle mehr als gerecht: Mit zupackendem Gestus, zuweilen nur ein paar markanten Handzeichen und einem ausgezeichnet hellen und nuancenreichen Oboen-Klang unterstreicht er das Motto des Abends auf ganz eigene Weise. Dieses folgt der von Killmayer propagierten „Lebenslust“ und steht ganz im Zeichen der Oboe.
Interessant wirkt sich bei dem modernen Stück die halbkreisförmige Anordnung der sechs Violinen, zwei Bratschen, zwei Oboen, des Cellos und Kontrabasses auf das spannungsreiche Klangbild aus – Fagott und Hörner ertönen aus dem Hintergrund.
Es beginnt mit dissonanten, langsam anschwellenden Streicherpartien, unter die sich schräge Hornakzente mischen und die zu einem süßlichen Violin-Solo führen. Konzertmeister des Abends ist Friedemann Breuninger, der insgesamt einen fruchtbaren Beitrag zum Erfolg des Konzerts leistet. Ebenso die Oboistin Mirjam Budday, die bei Killmayer eine erfrischend tänzerische Soloeinlage darbietet, bevor die energischen Streicher die zerberstend zarte Schlusspassage einleiten. Pure Lebenslust zeigt das Südwestdeutsche auch bei Haydns viersätziger Sinfonie Nr. 40 F-Dur, besonders beim ersten, äußerst zackig musizierten Allegro mit anregenden Dialogen zwischen Violinen und Oboen. Auch das kontrapunktische Finale beeindruckt durch die atemberaubende Schnelligkeit der Musiker.
Bei Mozarts Konzert für Oboe und Orchester C-Dur KV 314 handelt es sich um die Originalversion des Flötenkonzerts in D-Dur, bei der nun Schellenberger sein meisterhaftes Können unter Beweis stellt. In den Außensätzen sprudelt der sympathische Oboist, der übrigens auch Pädagoge und studierter Mathematiker ist, voller Leidenschaft und Einfallsreichtum. Er trällert und seufzt, huscht mit den Fingern auf und ab und entfaltet den Klang im Mittelsatz zu feinfühliger Schönheit. Bezaubernd auch seine Zugabe, Benjamin Brittens „Pan“ aus den „Sechs Metamorphosen nach Ovid“.
Als glanzvollen und subtil gestalteten Schluss bietet das Südwestdeutsche Kammerorchester Mozarts Meisterwerk, die A-Dur-Sinfonie KV 201. Den vorwärtsstrebenden Streichern im ersten Satz folgen lang gezogene Oboentöne im zweiten, kernige Einsätze im dritten und eine energiegeladene Dynamik mit lieblichen Wiederholungen der zweiten Violinen. In der Tat ein Abend, in dem pure Lebenslust steckt.
Autor: Anita Molnar | Pforzheim





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