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Voller Ausdruckskraft: Dominik Kuhn als „Dodokay“ ist nicht nur mit verbaler Dynamik unterwegs. Foto: Roller
Voller Ausdruckskraft: Dominik Kuhn als „Dodokay“ ist nicht nur mit verbaler Dynamik unterwegs. Foto: Roller
20.03.2017

Dodokay gibt im CCP Nachhilfe in Sachen Schwäbisch

Pforzheim. Warum sagen schwäbische Sprechstundenhilfen immer „grad gschwind“, auch wenn es im Anschluss doch viel länger dauert? Warum hören Schwaben oft nicht richtig zu, wenn man ihnen etwas erzählt? Und was in aller Welt soll ein „scheener Tod“ sein? Fragen über Fragen. Wie gut, dass es Dominik Kuhn gibt. Er ist einer, der ein bisschen Licht ins Dunkel bringen kann. Unter seinem Künstlernamen „Dodokay“ beschreibt er im Pforzheimer CongressCentrum fast zwei Stunden lang genüsslich einen schwäbischen Wesenszug nach dem anderen, seziert gekonnt die schwäbische Sprache und versucht, die Welt auf Schwäbisch zu erklären. Er findet Schwäbisch nämlich ganz in Ordnung, auch wenn es Dinge gibt, für die es sich nicht so gut eignet.

Werbung etwa. Würde sich auch komisch anhören, wenn Autobahntoiletten in ihren Durchsagen damit prahlen würden, „der beste Saichtempel im Universum“ zu sein. Noch schlimmer wird es aber, wenn Schwaben krampfhaft versuchen, Hochdeutsch zu sprechen. „Mit einem schwäbischen Gesicht kann man manche Sachen einfach nicht sagen“, meint Dodokay, der als Kind zum ersten Mal durch seine Nachbarin mit der schwäbischen Sprache in Kontakt kam. Eine Frau übrigens, die damals schon so etwas wie Follower hatte. „Sie hat so laut vor sich hin gebruddelt, dass es das ganze Dorf gehört hat.“

Schwäbisch synchronisiert

Von ihr hat er auch einige schwäbische Bauernregeln gelernt. Mittlerweile denkt er sich seine eigenen aus. „Schämst Du Dich für Deine Alte, dann schubs sie in die Gletscherspalte.“ Oder: „Vergeht beim Sex Dir der Appetit, dann war’s vielleicht ein Transvestit.“ Wenn es nach Dodokay geht, dann ist das Schwäbische in der Welt präsenter, als man vermutet. In seinen auf Schwäbisch nachsynchronisierten Filmen liefert der Komiker den schlagenden Beweis dafür, dass James Bond eigentlich ein schwäbischer Vertreter für Sanitäreinrichtungen ist und Dr. No nur ein gutes Geschäft anbieten wollte.

In einem anderen, von Dodokay bearbeiteten Video, berichtet Arnold Schwarzenegger auf einmal von einem fröhlichen Abend im „Adler“ und der Deutsche Bundestag wird zum SV 49, der im Plenarsaal und in Talkshows hitzig über sein bevorstehendes Frühlingsfest diskutiert. Da will Merkel mit ihrer Zumba-Gruppe auftreten, Schäuble will den DJ spielen, den Grünen wird vorgeworfen, sie hätten das letzte Mal nicht aufgeräumt, und Gysi streitet sich mit Brüderle über den Schlüssel zum Partyraum. Zum Totlachen. Nicht weniger unterhaltsam sind Dodokays hoffentlich fiktive Erzählungen von einem Arztbesuch, von Erlebnissen an der Metzgertheke und davon, wie eine Nachbarin ihm einfach nicht zugehört hat. Er weiß jetzt auch, warum: „Der Schwabe braucht die Zeit zum Zuhören, um seine eigene nächste Geschichte vorzubereiten.“ So nimmt er die schwäbische Sprache immer weiter auseinander, kommt dem schwäbischen Charakter auf die Schliche und liefert gute Gründe, Schwäbisch zu reden. Einer davon: „Die NSA versteht einen nicht.“ Daneben erweist er sich als begabter Filmemacher, dem es gelingt, die ursprünglichen Streifen so neu zu synchronisieren, dass es nicht wie Klamauk wirkt. Das Publikum hat viel zu lachen und spendet am Ende jede Menge Beifall.