

MÜNCHEN. Als Reinhold hereinkommt, geht ein Ruck durch die Menge. Als er anhebt zu sprechen, schweigt alles gebannt. Reinhold Messner erzählt seine Sicht des Dramas – Expeditionsleiter Karl Maria Herrligkoffer erzittert, gerät ins Stottern. Der Film „Nanga Parbat“ von Joseph Vilsmaier beschreibt die Expedition von 1970.
Reinhold und Günther Messner erreichen am 27. Juni als erste über die schwierige Rupalwand den 8125 Meter hohen Gipfel. Nur Reinhold überlebt. Natürlich erzählt der junge Film-Reinhold (Florian Stetter) dem Film-Publikum die Geschichte so, wie sie der echte Reinhold, der die Dreharbeiten als Berater begleitete, wieder und wieder erzählt hat.
Damit rührt der Film – nach dem Drehbuch von Reinhard Kloos und mit Musik des Oscar-Preisträgers Gustavo Santaollala – schon vor dem Kinostart am 14. Januar den Zwist mit den Ex-Kameraden neu auf. Die Kameraden, im Film teils kauzig, soldatisch oder überbesorgt gezeichnet, zweifeln bis heute Messners Aussage an, er sei mit dem höhenkranken Bruder aus Not zur Vermeidung der Rupalwand auf der unbekannten Diamir-Seite abgestiegen. Demnach schafft es Günther in einem dramatischen Abstieg über steile Eisabbrüche trotz Höhenkrankheit noch zwei Tage ohne Seil bergab, bis eine Lawine ihn tötet. In starken Bildern zeichnet Vilsmaier die Heimat der Messners, das Villnöss-Tal in Südtirol, und es wird verständlich, dass die Jungen weg wollen aus der engen Idylle. Reinhold, der ältere Bruder, ist der Bestimmende. „Bin ich denn der Hüter meines Bruders“, zitiert der Dorf-Pfarrer sinnträchtig aus der Geschichte von Kain und Abel, während der kleine Reinhold (Markus Krojer) Kletterrouten zwischen Barockengeln unters Kirchendach austüftelt.
Klar: Reinhold ist für Günther verantwortlich, er trägt eine überschwere Bürde. „Du bringst mir den Günther heil zurück“, nimmt ihm die Mutter (Lena Stolze) das Versprechen ab, und am Berg fleht Günther (Andreas Tobias) geschwächt: „Lass mich nicht allein, Reinhold.“
Ein Spielfilm sei es, aber auf Tatsachen beruhend, betonten Vilsmaier und Messner stets. Daten und Namen sind authentisch, gedreht wurde an Originalschauplätzen, mit originaler Ausrüstung. Zumindest nicht erinnern können sich Teilnehmer von damals aber, dass Reinhold Geldprobleme der Expedition löste: Im Film freilich beeindruckt er Senator Franz Burda bei einem Essen mit seiner Kühnheit und bringt ihn so eloquent dazu, mehr Geld zu geben. Grandios ist der Blick über die Himalaya-Gipfel, gedreht aus dem Hubschrauber bei waghalsigen Flügen fast bis 7000 Meter. Grandios auch die Aufnahmen der Felstürme in den Dolomiten als frühes Kletterrevier der Brüder. Für schwierige Szenen wurde gedoubelt, etwa von Messners Freund Hanspeter Eisendle, auch Sohn Simon sprang für den Vater ein.
Extrem schlecht kommt allerdings der Expeditionsleiter weg, stark gespielt als hässlicher Deutscher von Karl Markovics. Während Reinhold knapp dem Tod entronnen von Einheimischen versorgt wird, feiert Herrligkoffer den Gipfelsieg von Felix Kuen (Steffen Schröder) und Peter Scholz (Sebastian Bezzel), die nach den Brüdern aufgestiegen sind. Sie hatten kurz Rufkontakt zu Reinhold, finden dann am Gipfel seine Handschuhe – und freuen sich: „Wir sind die Gipfelsieger.“ Denn sie glauben: Die Messners sind tot.
Die Ex-Kameraden sind empört. „Das ist einfach böse“, sagt Gerhard Baur (im Film kränkelnd gespielt von Volker Bruch). Scholz und Kuen könnten sich nicht wehren – sie sind tot wie Herrligkoffer, dessen Darstellung mehrere Bergsteiger scharf kritisieren.Sabine Dobel, dpa
„Nanga Parbat“ startet in Pforzheim im Rex 2 am Donnerstag.





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