

Geigenvirtuose Sergej Krylov brilliert beim Abokonzert des SWDKO.Stehende Ovationen für packende spanische Klänge im CongressCentrum.
Pforzheim liebt ihn, das spürt er und deshalb ist ihm auch keine Zugabe zu viel: Sergej Krylov reißt das Publikum im vollen Pforzheimer CongressCentrum regelrecht von den Stühlen, entfacht ganze Beifallsstürme nach seiner hochvirtuosen, gnadenlos mitreißenden Interpretation der Carmen-Fantasie von Sarasate und setzt daraufhin noch ein Stück nach dem anderen drauf. Zuerst Sarasates „Zigeunerweisen“ mit einem Vibrato-Ton, der förmlich unter die Haut geht. Die lyrisch-innigen Partien leben von erotischem Charme, von Tristesse und ganz viel Eigensinn, die schnellen von ungestümer und atemberaubender Rasanz. Die Art, mit der der russische Geigenvirtuose mit dem ihm nachgesagten Teufelsgeiger-Habitus die Töne betont beendet oder besser: „wegwirft“, das hat einfach Klasse.
In Bestform präsentiert sich Krylov, der nach vielen Jahren wieder an der Seite des Südwestdeutschen Kammerorchesters spielt und für ein furioses zweites Abonnementkonzert sorgt. Bei der zweiten Zugabe schleicht sich Chefdirigent Sebastian Tewinkel in den Hintergrund, seine Aufgabe übernimmt jetzt Krylov zusätzlich, mit Witz und ganz zur Freude des Publikums. Er präsentiert „Hora staccato“, das Zigeuner-Stück von Grigoras Dinicu und als Krönung des Abends noch ein teuflisch gutes Solo mit Paganinis Caprice Nr. 13. Doch zum Lodern bringen der charismatische Solist und das Südwestdeutsche das „Spanische Feuer“ – so lautet das Motto des Abends – bereits bei Ravels Konzertrhapsodie „Tzigane“ vor der Pause. Mit zusätzlichen Streichern, Bläsern, Schlagzeug und Harfe entfalten die Musiker einen schillernden Klangkosmos von zarten Piano-Tönen zu Beginn bis zur temperamentvoll-säbelrasselnden Stretta zum Schluss. Krylov entlockt seiner Stradivari von 1734 mühelos harsche, kantige, süßliche und klopfende Töne. Mit einem Zigeunerblut, das nicht besser zum Abend passen könnte.
Vor allem fasziniert der Geigenstar mit seinem ganz hohen, zerberstend zarten Ton. Glanzvoller Partner das Südwestdeutsche mit präzisen, dynamisch packenden Abstufungen und funkelnden Details. Und um noch mal auf die Carmen-Fantasie op. 25 mit Bizets bekannter Habanera und Seguidilla zurückzukommen: Da sind feurige Schellen, rhythmusbetonte Streicher und kraftvolle Celli-Pizzicati zu hören – da stimmt einfach alles. So gelingt dem versierten Ensemble auch eine luftig und fein dramatisierte Ouvertüre zur Oper „Der Barbier von Sevilla“ von Rossini mit schönen Tutti-Steigerungen. Den Duft des warmen Südens entfaltet das Orchester vor allem im bezaubernden „Bajo la Palmera“-Satz bei Albéniz‘ „Cantos de Espana“. Wunderbar auch der Klage-Ton der jungen Konzertmeisterin im ersten Satz und die beschwingt-orientalischen Klangfarben im zweiten. Bei de Fallas Ballettsuite „Der Liebeszauber“ mit zusätzlichem Flügel können vor allem die Trompeten mit ihren zwitschernden Einlagen im Kopfsatz und durchgehend der Oboist mit seiner ausdrucksvollen Tongebung überzeugen.
Autor: ANITA MOLNAR





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