


BAD WILDBAD. Dem Tragischen können – Aristophanes wusste das bereits und hat das vor zweieinhalbtausend Jahren virtuos in die Tat umgesetzt – durchaus auch komische Seiten abgewonnen werden. Dass durch Veralberung, ja durch puren Klamauk vieles überdeckt wird, manche Regung des Herzens völlig unverdient der Lächerlichkeit preisgegeben, das gehört manchmal zu den Schattenseiten unserer auf Comedy-Flachheiten abonnierten Zeit. Keine geschliffene und durchaus angemessene Ironie war es, sondern reichlich überdrehte „Lustigkeit“, die der Aufführung der Oper „Adelina“ im restaurierten Königlichen Kurtheater Bad Wildbad ihr Gepräge gab.
Gewiss – die in der Schweiz angesiedelte Handlung eines Vaters, der seine Tochter nach einem vermeintlichen Fehltritt verstößt und schließlich wieder in Gnaden aufnimmt, ist die geradezu ideale Grundlage, um sämtliche Schweiz-Klischees ins Säurebad eines galligen Humors zu tauchen. Doch Regisseur Kai Link nimmt den Holzhammer, misstraut der ursprünglich als „Melodramma sentimentale“ bezeichneten Oper und lässt ein exaltiert Bühnenspektakel exerzieren.
Sicherlich ist es witzig, wenn die Titelheldin mit dem Kinderwagen aufkreuzt, der Vater mit Nordic Walking-Stöcken einherstolziert, ein Benzinwölkchen ausstoßener Rasenmäher über die Bühne geschoben wird, der Lehrer als Horst Schlämmer-Verschnitt präsentiert wird – die beileibe nicht der Ernsthaftigkeit ermangelnde Handlung indes geht in all dem aufgekratzten Holterdipolter dabei etwas unter.
Gesungen wird auch, und zwar teilweise wirklich gut. Mag Dusica Bijelic als Adelina gelegentlich auftrumpfend ziemlich Metall in ihre Höhen legen, so wartet die Sängerin andererseits mit einem feinen bruchlosen Piano auf.
Silvia Beltrami lässt ihren kraftvollen, vibratoreichen Mezzosopran hie und da flattrig werden; Elier Munoz gestaltet seine Rolle als Lehrer eher rezitatorisch; Gabrieli Nani gibt den ob der Tochtersünde erzürnten Vater. Sehr angenehm auffallend in dieser „Adelina“ waren zwei Sänger: Zum einen Ugo Rabec, der mit klangschön timbriertem Bass im Prolog den Rossini sang und hernach als Firmino das Hörerohr zu gewinnen verstand.
Zum anderen verstand es Gustavo Quaresma Ramos als Adelinas Geliebter Erneville prächtig, mit tenoraler Leichtigkeit und splendider Gesangtechnik seine große Bravourarie zu meistern. Die Virtuosi Brunensis unter der Stabführung von Giovanni Battista Rigon lieferten das gute Orchestergerüst des Abends. Sebastian Giebenrath
Die weiteren Vorstellungen der „Adelina“ sind ausverkauft. Bis 25. Juli stehen noch Konzerte und Aufführungen der Rossini-Oper „La Cenerentola“ auf dem Programm.





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