





Der ganze Saal summt und verstummt auch nicht, als der Maestro einfach die Konzertbühne verlässt. Und mit ihm das junge Quartett, das sich schon seit längerem der vielfältigen Musik des Balkans und der osteuropäischen Juden verschrieben hat. Giora Feidman und Gitanes Blondes, die „blonden Zigeuner“ aus München, haben ihrer gemeinsamen Liebe auf faszinierende Weise Ausdruck verliehen: Dem Klezmer.
Der ganze Saal summt und verstummt auch nicht, als der Maestro einfach die Konzertbühne verlässt. Und mit ihm das junge Quartett, das sich schon seit längerem der vielfältigen Musik des Balkans und der osteuropäischen Juden verschrieben hat. Giora Feidman und Gitanes Blondes, die „blonden Zigeuner“ aus München, haben ihrer gemeinsamen Liebe auf faszinierende Weise Ausdruck verliehen: Dem Klezmer.
In ihrem aktuellen Programm „Very Klezmer“, mit dem der Weltklasse-Klarinettist und das 1999 gegründete Münchner Ensemble zurzeit auf Konzerttournee sind, vereinen sie traditionelle und zeitgenössische Klezmer-Weisen, bekannte und unbekannte Melodien sowie lebendige Celtic-, Gypsy- und Latinoklänge. Die 500 Besucher im CongressCentrum Pforzheim sind begeistert.
Und so schaut Feidman nach endlosen Applausergüssen schelmisch auf seine Uhr. Eine Zugabe ist noch drin, sagt sein Blick. Etwas Schwungvolles, bei dem auch Mario Korunic (Violine), Konstantin Ischenko (Akkordeon), Christoph Peters (Gitarre) und Simon Ackermann (Kontrabass) solistisch noch mal von ihren Improvisationskünsten Gebrauch machen können.
Doch kaum verklingt das Stück, stimmt Feidman erneut die eingängige Melodie aus Uruguay mit dem vielsagenden Titel „Amigos“ (Freunde) an, wartet, bis alle mitsummen und geht. Das ist Giora Feidman, wie er lebt und spielt und das Zepter bei dem von der „Pforzheimer Zeitung“ präsentierten Konzert in der Hand behält.
Dazu gehört zum Beispiel sein unverwechselbarer Auftritt mit hauchzarten Klarinettenklängen von hinten durch den Zuschauerraum. Dazu gehört auch sein eigens komponiertes Gebet „Prayer“ mit jubilierenden und quietschfidelen Läufen und seine charmante Art, das Publikum zum Mitsingen zu bewegen – etwa bei dem jiddischen Lied „Donna, Donna“ oder dem hebräischen „Shalom, shalom“.
Was ihn aber vor allem auszeichnet, ist sein bemerkenswert langer Atem, bei dem er ein ganzes Meer von zauberhaften Melodien ohne jegliche Schwere ausschüttet. Mit den lustvoll musizierenden Gitanes Blondes lässt sich der Klarinettist auf spannende Dialoge voller Witz ein, imitiert die virtuosen Tonketten des Geigers, lässt sich vom klopfenden Drive des Bassisten und den knallenden Gitarreneffekten antreiben oder lauscht den kühnen Sprüngen des Akkordeonspielers – etwa bei dessen Abstecher in die Klassik mit Rossinis Arie des Figaro.
Mal klingt es zutiefst melancholisch („Cherale“), mal mitreißend wild und tanzfreudig („Bublitschki“), mal beides zusammen („A Dudele“). Mal fühlt man sich in den Nahen Osten versetzt („Nigun Antik“), mal ins südamerikanische Tango-Milieu („El Choclo“), mal mitten in ein irisches Folk-Fest („Rocky Road to Dublin“). Was da auf der Bühne erklingt, ist ein schillerndes Kaleidoskop voller Farbigkeit, Esprit und Lebensfreude. Ein Abend, der sicher unvergesslich bleiben wird. Anita Molnar
Autor: Anita Molnar | Pforzheim





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