

Ettlingen. Schlimm wurde Prospero von seinen Gegnern mitgespielt. Nun lebt der aus dem Amt gejagte Herzog von Mailand mit seiner Tochter Miranda auf einer Insel. Seine Liebe zu Büchern hat ihn zu einem mächtigen Magier gemacht, der sich nun aber nicht der Rache, sondern der Weisheit verschrieben hat. Als seine Widersacher durch Zauberkraft auf Prosperos Insel geraten, beginnt er mit ihnen ein beängstigendes Spiel, bei dem der spukhafte Luftgeist Ariel und eine bunte Geisterschar ihm helfen. Nur Ferdinand, der Sohn seines Gegners, des Königs von Neapel, wird von diesen Heimsuchungen verschont, denn er verliebt sich in Miranda, und in dieser Beziehung deutet sich bereits eine Versöhnung der verfeindeten Häuser an.
Was da wie eine romantische Feenkomödie Shakespeares erscheint, ist bei näherem Hinsehen doch mehr. „Der Sturm“, 1611 uraufgeführt, ist vermutlich das letzte Stück des großen Elisabethaners – und mithin eine Art Vermächtnis des Dichters.
So sind es denn neben den burlesken Clownerien der komödiantisch aufgedrehten Saufbrüder um den Rumpelgeist Caliban und den niederträchtigen Polit-Kabalen der feindseligen Höflinge vor allem die nachdenklichen Momente mit dem weisen Prospero, die dem vielschichtigen Abend im Ettlinger Schlosshof eine spannungsvolle Bandbreite geben.
Regisseur Manfred Langner entfaltet das Spiel auf unterschiedlichen Ebenen und mit raschen Szenenwechseln, zu denen ihm das abstrakte Bühnenbild von Steven Koop praktische Möglichkeiten gibt. Dass die Aufführung zu Beginn im hellen Tageslicht noch nicht die optische Wirkung besitzt, wie später in der effektvollen Nacht-Beleuchtung, ist nur natürlich, und so hat denn dieser gut zweistündige „Sturm“ im magisch illuminierten Ambiente seine packendsten Moment vor allem im zweiten Teil.
Im Mittelpunkt des vertrackten Geschehens steht mit Christopher Krieg ein vitaler, eher jugendlicher Prospero, dem die Vermittlung abgeklärter Altersweisheit weniger überzeugend glückt als der Eindruck einer souverän zupackenden Autorität.
Das Liebespaar dagegen spielt sich rasch in die Herzen des Publikums: Joana Tscheinig als entzückende, bisweilen auch ein wenig spitzbübische Miranda und Tino Leo als drollig verknallter Ferdinand setzen immer wieder liebenswürdige Akzente und erfüllen ganz und gar die populären Gesetze der romantischen, ironisch unterlegten Liebeskomödie.
Susanne Steidle als zauberhafter Ariel verströmt dämonisch getönten Liebreiz, in dem immer wieder auch der mutwillige Schalk des seelenverwandten Puck (aus dem „Sommernachtstraum“) aufblitzt. Dem ungeschlachten Caliban gibt Jens Schnarre angemessen unheimliche Kontur. Zusammen mit dem grotesk tuntigen Trinculo von Lutz Bembenneck und dem saufseligen Grobian Stephano von Martin Dudeck bildet er ein juxiges Trio Infernale.
Das Publikum im nicht ganz ausverkauften Ettlinger Schlosshof folgte der unterhaltsamen Aufführung mit animierter Anteilnahme und dankte dem Ensemble zum Schluss mit herzlichem Beifall und gellenden Rufen der Zustimmung.
Autor: Rainer Wolf






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