

SALMBACH. Als „absolut großartig“ empfindet der Altsaxofonist Julian Bossert seine Erfahrungen, die er bei der ersten Arbeitsphase und den darauf folgenden Konzerten des Bundesjazzorchesters (BJO) machen konnte. „Zehn Tage lang haben wir am Programm und mit hervorragenden Dozenten gearbeitet“ sagt der gebürtige Salmbacher, der in Nürnberg Jazzsaxofon studiert.
„Die Arbeitsphase stand im Zeichen des nordischen Jazz“, erläutert der Saxofonist, sieben Dozenten des „European Jazz Composers Network“ hätte den Musikern (Höchstalter 25 Jahre) des BJO unterschiedliche Positionen des Jazz nahegebracht. Als „ungemein lehrreich und interessant“ sieht Bossert das Angebot des BJO an den Jazznachwuchs, wobei er im Hinblick auf die Förderung, die vom Alter her vergleichbare klassische Musiktalente erhielten, den Jazz deutlich im Hintertreffen sieht.
Aber nicht nur das Dozentenangebot des BJO, die nächste Arbeitsphase steht im Herbst an, macht für ihn den Reiz dieses Institution aus: „Die Möglichkeit, mit großen Ensembles zu spielen ist eher begrenzt“. Da ist das Musizieren mit hervorragenden Jazzern im BJO ein willkommene Chance. „In einer Bigband zu spielen ist für Jazzer zumeist ein Vergnügen, Geld verdienen kann man dabei nicht“, sagt Bossert, und verweist darauf, dass die RIAS-Bigband aus Kostengründen vor dem endgültigen Aus stehe. Auch sonst macht sich Bossert wenig Illusionen über eine wirtschaftlich gesicherte Zukunft, wenn er nach nun bestandenem Vordiplom in zwei Jahren seinen Diplom in Händen halten wird. Für seine Jazzleidenschaft müsse man bereit sein, Opfer zu bringen. „Es gibt immer die Möglichkeit, zu unterrichten“, sagt der Musiker. Er könne sich gut vorstellen, entweder teilweise an einer Jugendmusikschule zu arbeiten oder auch zu Workshops in Schulen zu gehen. Glücklicherweise habe as Saxofon bei Jugendlichen einen guten Ruf, fast so wie eine E-Gitarre. Deshalb bestünde auch vermehrt Bedarf an guten Lehrern.
„Viele Kollegen nehmen entweder Jobs im Unterhaltungsbereich an, um damit ihre eigene Musik finanzieren zu können“, sagt Bossert, oder sie arbeiten zeitweise in Aushilfsjob. Welchen Weg er gehe, müsse jeder selber entscheiden, aber „mit Roberto Blanco auf Kreuzfahrttour zu gehen würde mir als musikalische Prostitution vorkommen“, hat Bossert eine klare Meinung dazu. Angefangen hat er mit dem Saxofonspiel im Alter von zehn Jahren. „Ich hatte keine Gymnasialempfehlung, wollte aber unbedingt aufs Gymnasium“. Nachdem der ehrgeizige Schüler eine erfolgreiche Prüfung bestanden hatte, fand er sich auf dem Pforzheimer Hebelgymnasium, bedingt durch sein „verspätetes“ Eintreffen, im Musikzug wieder. „Da ich noch kein Instrument spielte, und es für das Erlernen eines „klassischen“ Instruments zu spät gewesen wäre, habe ich mit dem Saxofon angefangen“.
Der Beginn einer wahren Liebesbeziehung, die den 1988 Geborenen bis heute fest in ihrem Griff hat. Als eines seiner großen Idole nennt er John Coltrane, besonders dessen späte Phase, als der Saxofonist sich mit der asiatischen Musik, besonders der Indiens befasste. In diesem Zusammenhang verweist Bossert auch auf die Improvisation, die für jeden Jazzmusiker die Grundlage seiner Spiels sein sollte. Jeder Mensch habe gelernt zu sprechen, ohne zuvor genau über Wortwahl und Satzbau nachdenken zu müssen. Im besten Falle sollten Jazzmusiker in der Lage sein, mit Hilfe seiner instrumentalen Fähigkeiten einen musikalischen Einfall spontan umzusetzen. Improvisation zu unterrichten, einen Schüler dorthin zu führen, dass er mit seinem Instrumentalspiel die eigenen Gedanken ausdrücken könne, stellen für den sympathischen Saxofonisten eine große Herausforderung dar. Thomas Weiss





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