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24.07.2015

Junge Goldschmiede setzen ungewöhnliche Materialien ein

Pforzheim. „Spiel-Raum“ ist der Titel einer außergewöhnlichen Werkschau im Café Roland an der Theaterstraße 65: 17 Absolventinnen des Berufskollegs Schmuck-Design-Gerät an der Goldschmiedeschule stellen ihre Abschlussarbeiten aus. Zu sehen (und zu erstehen) sind die ideenreichen Unikate noch am Samstag (16-23 Uhr) und am Sonntag (13-20 Uhr).

Den „Spiel-Raum“ im wörtlichen Sinn wahrgenommen hat die aus dem bayrischen Oetting stammende Jung-Designerin Clara Goppel (20): Sie verarbeitet Spielzeug aus der eigenen Kindheit zu in Silber gefassten Colliers. „Elf Barbies haben für zwei Colliers Hände und Beine lassen müssen“, verrät sie. Die Nürnbergerin Jessica Maier (23) zeigt stolz ihre aus Moosachat und Metall (in Gestalt einer abstrahierten Schach-Dame) kreierte Abschlussarbeit: Den Anstoß zu dieser ungewöhnlichen Idee habe ihr die Novelle „No Game, No Life“ des Japaners Yuu Kamiya geliefert. Elina Sternefeld (22) stammt aus Tübingen und wird unmittelbar im Anschluss an ihr Studium nach Düsseldorf gehen. Ihr von massiv wirkenden Messingquadern gebildetes Collier enthält einige Features, die es genauer zu betrachten lohnt: Alle Quader sind hohl, im ersten Element versteckt sich ein stabiles Kastenschloss. Gelötet wurde das gut 500 Gramm schwere und erstaunlich flexible Collier mit einem Hydrozongerät. Die Herstellung bezeichnet Elina Sternefeld auch rückblickend als „technische Herausforderung“. An Pforzheim schätzt sie das breite Angebot der Gießereien und Galvanikbetriebe, die gesamte Infrastruktur von den Schmuckausstellungen bis zum spezialisierten Werkzeughandel: „Den gibt’s so eben nur in der Goldstadt“, betont sie. Anna Pfaff (30) zählt zu den Quereinsteigern der diesjährigen Abschlussklasse. Sie war zuvor im Landschaftsgartenbau und in der Forstwirtschaft tätig und stammt aus Offenburg, wo sie in Kürze ihr eigenes Atelier für Schmuck, Fotografie und Skulptur eröffnen möchte. Die augenfälligste ihrer drei Abschlussarbeiten trägt den Namen „Luft raus“; sie zeigt Silberguss, der mit Firnisbrand abgeraucht wurde an einem – von unnachahmlicher Patina geadelten – Reifenschlauch eines Mopeds, Baujahr 1930, dessen Farbe perfekt zum Silberguss passt.

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