

Tiefenbronn-Mühlhausen. Musikalische Freundschaften umspannten ein schwergewichtiges Konzertprogramm in der Musikgalerie Voss in Tiefenbronn-Mühlhausen. Frühe Widmung, späte Zueignung und mehrfach biografische Nähe zum Lebensende bildeten den Bezugsrahmen der anspruchsvollen Werke von Robert Schumann und Franz Liszt.
Hinrichs Alpers widmete sich der selbst gestellten Herausforderung in gänzlich unaufdringlich ruhiger Herangehensweise. Seine absolut souveräne Beherrschung der Klaviertechnik und eine ihm zu Gebote stehende, volltönende Tiefe umfassende Klangfülle auf dem Instrument gewährten ihm größtmögliche Freiheit hierzu.
Er begann mit vier frei zusammengestellten Klavierstücken aus Liszts letzten Kompositionen überhaupt: kurze Werke, die alles Virtuose und zu blendender Wirkung Geeignete abgelegt haben. Jede Tonverbindung in höchstem Maß differenzierend, erwies sich Alpers als lauschend Gestaltender und ließ die Stücke wie „intime Briefe“ lebendig werden.
Bereits in jungen Jahren widmete Schumann seine unter dem schmerzlichen Eindruck der Trennung von der geliebten Clara entstandene Fantasie in C-Dur Liszt. Ihr gegenübergestellt wurde Schumanns letztes Klavierwerk, seine „Geistervariationen“. Alpers vermochte die sensiblen Details des Stimmengewebes genauestens auszudifferenzieren und gleichzeitig zu einem Ganzen zu bündeln und eine Wirkung von hoher innerer Sammlung zu erreichen.
Dabei ist seine Spielweise ganz und gar unschwärmerisch. Sein Spiel ist in jedem Augenblick bereit voranzugehen und tut dies, wo es musikalisch angelegt ist, ohne Ungeduld aber ungehindert. So ist seine Agogik bei Schumanns drängenden oder irrlichternden Motiven und Phrasen immer wieder subtil und präzise. Das wirkt ungewohnt, ja überraschend und teilweise herausfordernd. Es legt, besonders bei Schumann, eine innere Dramatik frei, die in diesem Ausmaß betroffen macht. Der Hörer fühlt sich manches Mal an die Flüchtigkeit und Vergänglichkeit des Augenblicks gemahnt. Er erfährt aber auch Trost in einem wie aus der Mitte der Welt tönenden Klavier-Klangraum, der insbesondere den langsamen Schlussteil der Fantasie zu einem sinnlichen Fest der Ruhe macht.
Liszt hat seine Sonate in h-Moll Schumann gewidmet, in dessen letztem Jahr, in dem er gesundheitlich noch weitgehend unbeeinträchtigt war. Alpers interpretiert sie kraftvoll poetisch im Sinne einer verdichteten Sprache. Es sind „unsagbare Worte“, die hier mit den Mitteln der Musik vorgetragen werden. Kein Klangrausch, kein Klangzauber per se steht im Mittelpunkt, sondern der musikalische Sinnzusammenhang des Sagens. Ruth Wolfstieg





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