

BAD WILDBAD. Der tief gestaffelte Zuschauerraum der Neuen Trinkhalle in Bad Wildbad war gut gefüllt, als diese bislang ungenutzte Spielstätte jetzt für das Belcanto-Festival „Rossini in Wildbad“ mit einer Inszenierung der komischen Oper „La Cenerentola“ eingeweiht wurde. Um das (gegenüber dem Kurhaus) deutlich erhöhte Fassungsvermögen des Raumes auslasten zu können, wählten die Veranstalter ein „sicheres“ Stück.
Mit „La Cenerentola“, 1817 geschrieben und seither ein viel aufgeführter Rossini-Klassiker, begibt sich Bad Wildbad in direkte Konkurrenz zu zahlreichen anderen Opernhäusern und CD-Einspielungen. Da ist von dem Charme und dem Bonus unbekümmerter Entdeckerlust nicht viel geblieben, und die Aufführung hat erkennbare Mühe, im Felde großer Namen ein eigenes Profil zu gewinnen. Regisseur (und Intendant) Jochen Schönleber versuchte es in einigen Ansätzen mit einer schärfer konturierten Psychologisierung der Figuren: Schon während der Ouvertüre deutet er in einem Schattenspiel die Gründe für die Entwicklung des gütigen Aschenputtel und seiner zickigen Schwestern an und lässt das Stück auch nicht mit der Thronbesteigung der Heldin enden, sondern zeigt, wie sie ihren Prinzen Ramiro aus der kalten Höhenluft feudaler Abgehobenheit herabholt in die menschliche Wärme unverfälschten Gefühls und wahrer Liebe.
Solchen Nuancen der Inszenierung stehen jedoch Passagen durchaus konventioneller Umsetzung gegenüber, in denen eine eher harmlose Personenregie die Figuren in willkürliche Bewegung setzt und namentlich den Chor („Camerata Bach Chor“ aus Polen) zu allerlei Drolligkeiten anhält. Was an sprühenden Funken aus dem zunehmend animiert aufspielenden „Orchester Virtuosi Brunensis“ unter der temperamentvollen Leitung von Antonino Fogliani auf die Bühne übersprang, ging nicht selten in der szenischen Oberflächlichkeit unter, die durch das vielseitige Ambiente von Anton Lukas und die pointiert bunten Kostüme von Claudia Möbius einen immerhin reizvollen Rahmen erhielt.
Bei der Besetzung der Rollen hatten die Wildbader um das bewährte Urgestein Bruno Praticò ein Ensemble junger, aufstrebender Sänger gruppiert. Der pralle Bass-Buffo Praticò in der Prachtrolle des Don Magnifico beherrschte die Bühne nicht nur dank seiner beträchtlichen Leibesfülle, sondern auch mit der komödiantischen Wucht seiner Stimme. Neben diesem Felsen in der Brandung Rossini’schen Wellenschlags hatte Serena Malfi in der Titelrolle der Cenerentola kein leichtes Spiel. Ihr Mezzo verfügt über eine kultivierte Geläufigkeit für die vertrackten Koloraturen und eine wunderbar weiche, warm timbrierte Mittellage, hat aber in der Höhe, wie vor allem das abschließende Rondò deutlich machte, ihre hörbare Mühe.
In den übrigen Rollen herrschte solide Kompetenz. Der mexikanische Tenor Edgar Ernesto Ramirez brachte seine prägnante Rossini-Stimme vor allem in den Höhenflügen der Figur eindrucksvoll zur Geltung, der Bassist Bernhard Hansky als Diener Dandini kam mit den kollernden Zier-Katarakten seiner Partie ansprechend zurecht, Ugo Rabec (Bass) gab dem weisen Philosophen Alidoro sonore Kontur, Svetlana Smolentseva (Mezzo) war eine angemessen zickige Tisbe, und die spanische Sopranistin Isabel Rodríguez García sang die meist gestrichene Bravourarie der garstigen Schwester Clorinda mit überzeugender Verve. Das Publikum jedenfalls zeigte sich nach der gut dreistündigen Aufführung deutlich entzückt.Rainer Wolff
Weitere Aufführungen heute sowie am 22. und 25. Juli.





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