


Ein Schatten liegt auf diesem Leben. Tiefschwarz und bedrückend. Als er fünf Jahre alt ist, stirbt die Mutter an Tuberkulose, wenige Jahre später wird auch die ältere Schwester Opfer der Schwindsucht, Tod und Krankheit weichen lebenslang nicht von seiner Seite. Und prägen ganz entscheidend auch das künstlerische Werk des norwegischen Malers Edvard Munch. Heute ist vor allem für sein Bild „Der Schrei“ von 1893 berühmt. Ein Bild, das den Schmerz und die verlorene Liebe eines ganzen Lebens auszudrücken scheint.Doch Munchs Leben und Kunst können trotz aller Düsternis und Beklemmung faszinieren, was der enorme Besucherstrom im PZ-Forum beim Vortrag von Kunsthistorikern Claudia Baumbusch unterstreicht. Rund 200 Menschen lauschen gespannt der Schilderung eines Künstlerschicksals, das fast zwangsläufig in Depression und Alkoholismus endet.
Edvard Munch wird 1863 in Løten in der norwegischen Provinz Hedmark geboren. Auf Wunsch des Vaters beginnt er 1879 ein Ingenieursstudium, bemerkt aber bald, dass dies nicht seine Erfüllung sein kann. Munch zeichnet seit dem siebten Lebensjahr, besucht Ausstellungen und beteiligt sich 1880 erstmals an einer Industrie- und Kunstschau. Drei Jahre später ereilt ihn ein Glücksfall: Ein Stipendium erlaubt es ihm, drei Wochen in Paris zu verbringen. Er lernt die Impressionisten kennen, beginnt mit der Arbeit an einem seiner Hauptwerke, dem Gemälde „Das kranke Kind“, in dem er den Tod seiner Schwester Sophie zu verarbeiten sucht. Und stellt für sich fest, dass die lichtdurchflutete, teils hektische Bildwelt der französischen Künstler nicht die seine ist: „Beim ,kranken Kind’ vollzog ich zum ersten Mal den Bruch mit dem Impressionismus – ich suchte nach Ausdruck“. Aufgewühlt ist dieses Bild, mit tiefen Kratzrillen, die von der vielfachen Überarbeitung zeugen. „Es ist eine Malerei, die ihre Kraft von innen erhält“, fasst Claudia Baumbusch zusammen. Und die den Betrachter der damaligen Zeit abstößt, überfordert.
Munch flüchtet – nach einer großen Einzelausstellung in Oslo – vor der Kritik: Dank eines für drei Jahre gewährten Stipendiums zieht es ihn erneut nach Frankreich. Doch der überraschende Tod des Vaters holt in ins heimische Norwegen zurück. Er muss nun als ältester Sohn für die Familie sorgen. Eine Zeit, in der Bilder wie „Melancholie“ und erste Skizzen zu „Der Schrei“ entstehen. Munch malt die Eindrücke seiner Seele, nicht die seiner Augen. Ausstellungen in München, ein „Skandal-Erfolg“ seiner Bilder in Berlin, Reisen nach Südfrankreich, Aufenthalte in Paris – Munch wird ruhelos durch den Jahrtausendwechsel getrieben, findet in seinen symbolistischen Arbeiten immer stärkere Bildformeln und Metaphern für seine innere Anspannung.
Zunehmende Alkoholprobleme, manisch depressive Schübe, Nervenzusammenbruch: Der 45-Jährige kehrt heim, kauft 1916 das Gut Ekley bei Oslo. Und wird endlich als Vorkämpfer für die Kunst der Moderne anerkannt. Zurückgezogen, ohne jegliche Familie, arbeitet er bis zu seinem Tod am 23. Januar 1944. Sandra Pfäfflin
Autor: Sandra Pfäfflin | Pforzheim





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