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Über die Selbstverliebtheit eitler Männer kann Sivene (Silvia Aurea De Stefano), hier mit César Arrieta als Silango, ein Lied singen.  RIW
Über die Selbstverliebtheit eitler Männer kann Sivene (Silvia Aurea De Stefano), hier mit César Arrieta als Silango, ein Lied singen. RIW © Roxana Vlad
14.07.2015

„Le Cinesi“ überzeugt in Wildbad

Eine Chinesen-Oper ohne Chinesen. Was da bei „Rossini in Wildbad“ als Gastspiel aus Barcelona im wunderbar passenden Kurtheater gezeigt wird, heißt zwar „Le cinesi“, aber die hübsche „Salonoper für junge Sänger“ von Manuel Garcia, die 1831 in Paris in einer privaten Vorstellung uraufgeführt wurde, hat mit Asiatinnen nichts zu tun.

Das Stück zeigt vielmehr drei junge Damen, die in ihrer Freizeit der zeitgenössischen Mode der Chinoiserie frönen. Als der junge Silango, der eben von einer Weltreise zurückkehrt, ihren sittsam geschlossenen Tee-Zirkel betritt und ihnen von den kulturellen Gepflogenheiten im Ausland berichtet, beschließen sie ein musikalisches Spiel im Spiel: die spontane Aufführung von kleinen Opern.

Über das Thema allerdings können sie sich nicht recht einigen. Und so improvisieren sie eine heroische Szene: die große Arie der Andromache, die von dem griechischen König Pyrrhus bedrängt wird. Es folgt eine drollige Pastorella, in der eine kokette Schäferin sich über ihren unglücklichen Freier mokiert. Und schließlich kommt eine derbe Komödie zum Vortrag, in der die Sängerin sich über die Selbstverliebtheit eitler Männer lustig macht. Die Wahl, welches Stück denn das beste sei, wird am Ende salomonisch gelöst: Die Damen entscheiden sich mit ihrem männlichen Berater für – das Ballett.

Die Musik zu Garcias „Cinesi“ bezeugt nicht nur seine souveräne Vertrautheit mit unterschiedlichen Stilen, sondern vor allem seine Meisterschaft im Einsatz der menschlichen Stimme. Wie das Edelfräulein Lisinga die Paradenummer der Andromache zu einem sängerischen Bravourstück gestaltet, macht in Wildbad Sara Bañeras so amüsant wie kompetent deutlich. Der erotisch getönten Koketterie der „Schäferin“ (alias Sivene) wird die technisch und stilistisch vorzügliche Mezzosopranistin Silvia Aurea De Stefano glänzend gerecht. Der beherzte Witz der Komödiantin Tangia findet in dem deftigen Alt von Ana Victoria Pitts ein passendes Organ. Und für den weltläufigen Jüngling Silango, verfügt César Arrieta über einen wandlungsfähigen Tenor von Durchschlagskraft.

Am Flügel wird diese fidele Produktion von Michele D’Elia so dynamisch wie einfühlsam begleitet, und in der zurückhaltenden Regie, die das Stück weitgehend im sparsamen Rahmen einer halbszenischen Realisierung belässt, beschränkt sich Jochen Schönleber auf kleine Zutaten. Das Publikum quittierte die 75-minütige Aufführung mit langanhaltendem Beifall.