

Es gehört zu den beliebtesten Sätzen aus der Feder Johann Sebastian Bachs – das „Air“ aus der Orchestersuite Nr. 3 D-Dur (BWV 1068). Mit seinen anmutig schönen Streicherkantilenen über der beständig fortlaufenden Basslinie verlangt es von den Interpreten ein hohes Maß an Ausdruckskraft ab. Eine künstlerische Leistung, die dem Bachorchester Pforzheim unter Leitung von Kord Michaelis bestens gelungen ist.
Beim stimmungsvoll beleuchteten und gut besuchten Lichterkonzert in der evangelischen Stadtkirche Pforzheims präsentiert das Orchester ein bezaubernd schlicht gehaltenes Air, bei dem Konzertmeister Gerd-Uwe Klein mit seinen zarten Melismen keine unwesentliche Rolle spielt. Während dieser langsame zweite Satz allein den Streichern vorbehalten ist, sorgen Pauken und Trompeten in den anderen Sätzen für prägnante Akzente – in den beiden Gavotten zum Beispiel, deren eingängiger Rhythmus auch noch einmal in der Zugabe erklingt und einen lebendigen Eindruck hinterlässt. Oder in der paukenstarken Ouvertüre, die sich zu einem festlichen, stellenweise etwas tempoüberschlagenden Orchesterstück entwickelt.
Was das Konzert aber vor allem ausmacht, ist der Trompetenglanz der zwei Solisten, Michael Maisch und Karin Stock. Heinrich Ignaz Franz Bibers Balletti à 6 für zwei Trompeten, Streicher und basso continuo verleihen die beiden Bläser ein ausgezeichnet malerisches Klangbild mit subtilen Farbnuancen. In der Kopfsatz-Sonata entfalten sie zarte Melodiebögen, die von den Violinen aufgegriffen werden. Wie eine Liebeserklärung wirkt auch die Amoresca der Streicher. Den Schlusssatz markieren die Solisten mit warmer Tongebung und dynamischen Klangeffekten, wenn auch Stock insgesamt etwas zurückhaltend wirkt.
Dass sich Trompeten und Oboen wunderbar ergänzen können, wird bei Händels Suite D-Dur und hier besonders im dritten Satz deutlich. Die Oboisten Julia Ströbel-Bänsch, die beim Lichterkonzert im vergangenen Jahr bereits mitwirkte, und Frank Jansen beeindrucken mit hoher Leuchtkraft. Solist Maisch glänzt mit klarem, geschmeidigen Ton. Mal singt seine Trompete, mal jubiliert sie mit feierlicher Geste.
Ganz anders dagegen die Darbietung von Haydns düsterer Sinfonie Nr. 49, die in der Passions-Tonart f-Moll geschrieben steht und auch den Titel „La Passione“ trägt. Mit einem bedrückend schweren Adagio leitet das Orchester das Werk ein. Schön dabei der dunkle Klageton der Hornisten Alexander Dauth und Rolf Elsäßer, die genauen Zäsuren und das explosionsartige Fortissimo, das den elegischen Grundton unterbricht. Die Interpreten verzichten auch nicht auf den umstrittenen Einsatz des Cembalos, das von Timo Rinke gespielt wird. Beschwingt fällt das Menuetto aus, rasant und energisch das Finale.
Und der Beifall – der steht dem mit „Bravo-Rufen“ in nichts nach.
Autor: Anita Molnar





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