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Marion La Marché mit Sohn Raphael und Gitarrist Ralf Blaschke. Foto: Pfäfflin
Marion La Marché mit Sohn Raphael und Gitarrist Ralf Blaschke. Foto: Pfäfflin
14.03.2017

Marion La Marché mit ihren beiden Musikern im Kulturverein Schulze

Pforzheim. Wenn Marion La Marché so richtig Stoff gibt, dann fühlt es sich an, als ob die Wände wackeln. Zumal im kuscheligen Wohnzimmer-Ambiente des Pforzheimer Kulturvereins Schulze. Frau und Stimme sind elementargewaltig, finden den direkten Weg in Herz und Ohr. Da braucht es keine Big Band, das Akustikduo Ralf Blaschke (Gitarre) und Raphael La Marché (Percussion) begleitet so gefühlvoll und gleichzeitig furios, dass es weiterer Musiker gar nicht bedarf.

Marion La Marché singt an diesem Abend Hits aus fünf Jahrzehnten – doch mit landläufigen Cover-Versionen hat das wenig gemein: Zu eigenständig sind die Interpretationen, zu witzig ihre – meist auf Mannemerisch daherkommenden – Kommentare. Rock und Pop, Jazz und Liedermacher: La Marché lädt zur munteren Reise durch die Musikstile. Da sind Robbie Williams’ „Feel“ und Melissa Etheridges „Chrome Plated Heart“ aus ihrem ersten Album von 1988 zum Auftakt. Welche sonore Tiefe ihre Stimme erreicht, demonstriert sie eindrucksvoll in „Dream Catch Me“ von Newton Faulkner. Doch die gebürtige Weinheimerin kann auch Deutsch: gefühlvoll ihre Version von „So still“ von Jupiter Jones und „Mittelinselurlaub“ der Berliner Liedermacherin Dota Kehr. Oder Französisch: temperamentvoll „Je Veux“ von ZAZ. Und natürlich Jazz: In „Spain“ von Chick Corea scattet sie, was das Zeug hält, während Gitarrist Blaschke die berühmte Komposition gefühlvoll mit dem Adagio aus Joaquin Rodrigos „Concierto de Aranjuez“ einleitet. Und wenn sich musikalisches Talent vererbt, dann hat Sohn Raphael eine gute Portion mitbekommen, was er unter anderem mit einem grandiosen Percussionsolo auf Cajon, Bongos und Becken beweist. Und dass Muttern mehr kann als singen, stellt Marion La Marché mit ihrem fulminanten Querflötenspiel in Jethro Tulls „Locomotive Breath“ unter Beweis. Als Zugabe darf ihre Paraderolle nicht fehlen: Wer die Augen schließt, meint bei „Come On“ tatsächlich Janis Joplin zu hören. So hätte es stundenlang weitergehen können.