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Timo Handschuh dirigiert das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim beim beschwingten Silvesterkonzert. Foto: Meyer
Timo Handschuh dirigiert das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim beim beschwingten Silvesterkonzert. Foto: Meyer
Maria Rosendorfsky vereint eine schöne Stimme mit hintergründigem Humor.  Foto: Meyer
Maria Rosendorfsky vereint eine schöne Stimme mit hintergründigem Humor. Foto: Meyer
01.01.2016

Musikalisches Kopfkino: Silvesterkonzert des Südwestdeutschen Kammerorchesters im CCP

Klangfülle und eine kräftige Prise Humor: Auch das zweite Silvesterkonzert des Südwestdeutschen Kammerorchesters Pforzheim wurde im CongressCentrum Pforzheim in großer sinfonischer Besetzung – mit nicht weniger als 60 Musikerinnen und Musikern – glänzend bestritten. Für Selbstironie und Spaß zeichneten diesmal Chefdirigent Timo Handschuh und die Wiener Sopranistin Maria Rosendorfsky verantwortlich – um es vorwegzunehmen: mit Bravour. Die erfrischend heitere Version dieses vergnüglichen Konzert-Events hatte Dirigent Douglas Bostock vor einem Jahr (noch) mit britischem „Import-Humor“ begründet.

Was wird vom jüngstten SWDKO-Spektakel in kollektiver Erinnerung bleiben? Optisch, und das ist ganz sicher, die Parodie der Titanic-Szene in der zweiten Zugabe. Denn zu James Horners bekannter Filmmusik „My Heart Will Go On“ erklimmt Maria Rosendorfsky singend und mit neon-orangefarbenen Schwimmflügeln ausgestattet das Dirigentenpult, breitet die Arme weit aus wie im Hollywood-Blockbuster Kate Winslet am Bug des bereits auf Kollisionskurs dampfenden Passagierschiffs. Als sie das Gleichgewicht zu verlieren droht, umfängt Timo Handschuh die zierliche Sopranistin mit beiden Armen – den Taktstock zwischen den Zähnen.

Beliebtes aus Musical und Film

Akustisch dürften mehrere bleibende Eindrücke miteinander wetteifern, beispielsweise die feurigen Elemente aus Émile Waldteufels „España“-Walzer in der ersten Konzerthälfte oder die leisen Momente von Arturo Márquez‘ „Conga del Fuego Nuevo“ im zweiten Teil. Und, wie Timo Handschuh es selbst beim Konzert ausdrückt, wie das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim in seiner großen, sinfonischen Besetzung das vertraute „klassische Terrain schon mit der Ouvertüre verlassen hat“. Wie das Orchester populäre Filmmusik, von James Bond bis zu den „Piraten der Karibik“, mit kraftvoller Dynamik und beeindruckender Klangfülle zu Gehör bringt, ist – im besten Sinne des Wortes – Kopfkino. Und wird vom Pforzheimer Publikum ebenso begeistert aufgenommen wie die Johann-Strauss-Klassiker „Wiener Blut“ oder „Unter Donner und Blitz“.

Bejubelter „Radetzky-Marsch“

Bei den beiden weiteren Zugaben – John Philip Sousas amerikanischem Militärmarsch „Stars And Stripes Forever“ und dem auch im Vorjahr an gleicher Stelle dargebotenen, unverwüstlichen „Radetzky-Marsch“ – applaudiert das CCP-Publikum stehend.

Was das Silvesterkonzert des Südwestdeutschen Kammerorchesters Pforzheim auch deutlich macht: Diese noch junge Konzertreihe ist aus dem kulturellen Angebot der Goldstadt nicht mehr wegzudenken – und mit Protagonisten wie Handschuh und Rosendorfsky auf allerbesten Weg zu eigenem Kultstatus.