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05. August 2012
Perlende Töne aus dem Dunkel: Komponist und Pianist Chris Jarrett. frommer
Perlende Töne aus dem Dunkel: Komponist und Pianist Chris Jarrett. frommer

Open-Air-Kino im Osterfeld-Innenhof zeigte „Panzerkreuzer Potemkin“

Er zählt zu den einflussreichsten Filmen aller Zeiten: Sergei Eisensteins „Panzerkreuzer Potemkin“. Beim Pforzheimer Open-Air-Kino erhielt das schwarz-weiße Stummfilmmeisterwerk „live“ und kongenial musikalische „Farbe“ –vom Komponisten und Pianisten Chris Jarrett.

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Die deutsche Fassung von Eisensteins 70-minütigem Revolutionsepos erhielt schon 1926 eine eigene Filmmusik: vom Komponisten Edmund Meise (1894–1930). Von Sergei Eisenstein ist jedoch überliefert, dass er sich für den „Panzerkreuzer Potemkin“ wünschte, jede Generation möge ihre eigene Musik dazu komponieren. Beim Pforzheimer Open-Air-Kino übernahm kein Geringerer als Chris Jarrett diese Aufgabe und verlieh den noch immer ergreifenden Bildern Eisensteins neue musikalische Farben.

Lautmalerei am Piano

Der aus Pennsylvania stammende und in der Pfalz ansässige Komponist und Musiker nahm bescheiden neben der riesigen Freiluftleinwand am weitgehend abgedunkelten Piano Platz. Vom Publikum abgewandt, nahm er das schwarz-weiße Filmgeschehen konzentriert in den Blick und entwickelte sofort spannende – von Komposition und Improvisation gleichermaßen getragene – Facetten seines versierten Klavierspiels: Mit hohen, perlenden Tönen „hauchte“ er den Maden im für die Matrosen bestimmten Gammelfleisch zusätzliches „Leben ein“, mit der linken Hand „vertonte“ er Tumulte auf dem zaristischen Linienschiff und steigert Rhythmus und Tempo als Soldaten Odessas Bevölkerung bei der legendären Treppenszene niederschießen.

Stets den passenden Ton parat

Getragener, wärmer wurde Jarretts Pianospiel in den Momenten, in denen beispielsweise ein bärtiger orthodoxer Geistlicher im Bild ist oder der erschossene Rädelsführer Wakulintschuk auf der Hafenmole von Odessa aufgebahrt liegt. Als die Bevölkerung von dem Revolutionär Abschied nimmt, wird Jarretts Musik melancholisch, ruhig und getragen. Doch sobald die Losung: „Einer für alle – alle für einen“ im Film eingeblendet wird, nimmt sein Pianospiel wieder Fahrt auf. Beim Einblenden der von Hand rot kolorierten Fahne ist Jarretts Musik verspielt, als Odessas Segelflottille zum von den Matrosen eroberten Kriegsschiff strebt, wird sein Klavierspiel leise synkopiert – Stummfilm und Chris Jarretts Musik: ein echtes Erlebnis!

Autor: ROBIN DANIEL FROMMER | PFORZHEIM

05.08.2012
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