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In einer halbszenischen Aufführung ist Rossinis Oper „L’italiana in Algeri“ in der Trinkhalle in Bad Wildbad zu erleben. Foto: riw
In einer halbszenischen Aufführung ist Rossinis Oper „L’italiana in Algeri“ in der Trinkhalle in Bad Wildbad zu erleben. Foto: riw
21.07.2015

Rossinis Opera buffa „Die Italienerin in Algier“ bei „Rossini in Wildbad“.

Bad Wildbad. Ein Schnellschuss. Aber was für einer! Gleich zu Beginn seiner steilen Karriere als Komponist feuerte Gioacchino Rossini eine Salve von Opern ab – etwa die Farsa „L’inganno felice“ (1812), die kürzlich beim Belcanto-Festival „Rossini in Wildbad“ gezeigt wurde, und die Buffo-Oper „L’italiana in Algeri“ (1813), die jetzt in der Trinkhalle in einer halb-szenischen Aufführung zu sehen und vor allem zu hören war. Dabei war die „Italienerin“ eine Notlösung: Rossini sprang ein, als sich im Teatro San Benedetto Venedig eine Lücke im Spielplan auftat, bereitwillig ein und fertigte in vierwöchiger Arbeit diese perlende, hinreißende „Türkenoper“.

Da will der pompöse Mustafà in Algier seine Gattin Elvira, die ihn langweilt, loswerden und gegen eine feurige Italienerin eintauschen. Diese Isabella, die durch Zufall an seiner Küste strandet, ist nun aber ein Prachtstück an Schönheit und Schläue. Schade nur, dass sie ihren Landsmann Lindoro liebt, den es als Sklave an den Hof Mustafàs verschlagen hat. Listig entzieht Isabella sich den täppischen Nachstellungen ihres morgenländischen Freiers, der am Ende reuig zu seiner Elvira zurückkehrt. Für die konzertante Darbietung der „Italienerin“, die von Primo Antonio Petris mit szenischen Details sparsam akzentuiert wurde, steht ein kompetentes, erfrischendes Ensemble junger Sänger zur Verfügung, das der Aufführung nicht nur stimmlichen Glanz, sondern auch ansteckende Laune vermittelt und in der Lust am Gehörten vollends vergessen lässt, dass für das Auge wenig geboten wird.

Umjubelte Aufführung

Der bejubelte Erfolg des ausgelassenen, gut zweistündigen Opernspaßes hat zunächst mit dem temperamentvollen Dirigat von José Miguel Pérez-Sierra zu tun, der am Pult der ansteckend aufgelegten Virtuosi Brunenses ein sprühendes Feuerwerk entfacht und sich mit Dynamik, mitreißenden Tempi, locker inspiriertem Parlando und einfühlender, emotional aufgeladener Musikalität als fabelhafter Rossini-Interpret empfiehlt.

Glanzpunkte wie das perfekt ratternde Finale des ersten Aktes, das mit seinen lautmalenden Klangeffekten, bravourösen Läufen und markanten Kontrasten die allgemeine Verwirrung der Figuren unerhört plastisch abbildet, aber auch die lyrischen Aufschwünge der Verliebten, die burleske Komik der Buffo-Figuren und die großartig gestuften Ensembles machen diese „Italienerin“ zu einem Labsal des Belcanto. Insbesondere die junge, vielversprechende Marina Viotti als Isabella beschert mit akrobatisch beweglichem, in allen Lagen perfekt verblendetem und dunkel timbriertem Mezzo ein Gesangsvergnügen besonderer Güte. Ihr zur Seite steht Laurent Kubla als köstlich bombastischer Mustafà, dessen kernigem Bass es noch ein wenig an Kunst der Verzierung fehlen mag, nicht aber an üppiger Stimmgewalt und komödiantischer Präsenz. Als Liebhaber Lindoro gewinnt Gheorge Vlad nach anfänglichen Problemen mit Höhe und Geläufigkeit an tenoralem Glanz. Matija Mei ist ein sehr junger, vitaler Taddeo, der für das dankbare Buffo-Fach noch nicht ganz gerüstet scheint. Daniele Caputo macht in der kleinen Partie des Korsaren Ali einen nachhaltigen Eindruck. Sara Blanch als duldsame Elvira und Silvia Aurea De Stefano als muntere Zofe Zulma setzen vergnügliche Akzente.