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Schon vor dem Konzert proben Ney Rosauro, Roland Härdtner und Timo Handschuh (von links) ihre Zugabe der besonderen Art.
Schon vor dem Konzert proben Ney Rosauro, Roland Härdtner und Timo Handschuh (von links) ihre Zugabe der besonderen Art.
Bei der „Brasilianischen Fantasie“ trifft das SWDKO unter Timo Handschuh auf die beiden Solisten Roland Härdtner (links) und Ney Rosauro.  Ketterl
Bei der „Brasilianischen Fantasie“ trifft das SWDKO unter Timo Handschuh auf die beiden Solisten Roland Härdtner (links) und Ney Rosauro. Ketterl
21.03.2017

SWDKO begeistert mit einem besonderen Konzerterlebnis

Mit den zauberhaften Klängen von Marimba und Vibraphon begeisterte am Sonntag der brasilianische Schlagzeuger und Komponist Ney Rosauro das Publikum beim 4. Abo-Konzert mit dem Südwestdeutschen Kammerorchester Pforzheim (SWDKO) im voll besuchten CongressCentrum Pforzheim (CCP).

Vor allem für die europäische Erstaufführung von Rosauros Konzert Nr. 2 für Vibrafon und Streichorchester gab es stürmischen Applaus. Als weiterer Solist bei den Doppelkonzerten überzeugte Roland Härdtner an der Marimba.

Selbstbewusste Geigen mit schmachtenden Bratschen und liebevollen, verlässlichen Celli mit Kontrabass gab es zum Konzerteinstieg in den „Bachianas Brasileiras“ von Heitor Villa-Lobos (1887–1959). Der brasilianische Komponist hat hier dem großen Johann Sebastian Bach eine Hommage erwiesen, und das SWDKO unter seinem Chef Timo Handschuh setzte diese spezielle Südamerika-Barock-Mischung entsprechend um: alles wohl geordnet musiziert, aber temperamentvoll – und mit besonderem Augenmerk auf die Rhythmik.

Exotische Klänge

Dazu schloss sich passend das zweite Stück des Abends an, für das auf der Bühne von links und rechts je ein Marimbafon geschoben wurde. Marimbas sind große Instrumente, bei denen die Holzstäbe mit Schlegeln angeschlagen werden. Wie beim Xylofon, nur klingt alles fülliger, runder, wärmer. In seiner „Brasilianischen Fantasie“ hat Ney Rosauro ebenfalls Bach und Brasilien verbunden und zusammen mit Roland Härdtner – dem Solo-Pauker der Badischen Philharmonie – zog er das Publikum in den Bann der für die Klassikwelt noch immer exotischen Klänge. In Synkopen versetzte Melodien erinnerten an Urlaub und rauschten wie Ozean und Wind am Ohr vorbei, nahmen auch schalkhafte Wendungen. Dabei lag den Solisten bei aller Spielfreude durchweg ein Lächeln auf den Lippen. Die beiden Herren im legeren, schwarzen Oberhemd lieferten eine musikalische Höchstleistung.

Ungewöhnliche Spieltechnik

Als Höhepunkt haben die meisten Besucher wohl das von Ney Rosauro komponierte und interpretierte Konzert Nr. 2 für Vibraphon und Streichorchester empfunden, das am Konzertabend zum ersten Mal in Europa aufgeführt wurde. Das Vibrafon ist die metallische und etwas kleinere Schwester der Marimba. Dem helleren Klang verpflichtet hat Rosauro das Stück fröhlicher konzipiert. So erstaunlich sind Rosauros Klangwelten: Wenn die vier Schlegel im schnellen Tremolo zwischen den Tönen wechseln, hört sich das Vibrafon schon mal wie ein abgespeckter Holzbläsersatz an. Im vorletzten Satz „In A Dream“ schließlich streicht Rosauro manche Töne mit dem Kontrabassbogen an. Das zirpt melancholisch. Dieses Schlagzeug-Instrument kann sogar seufzen. Im Endeffekt hörte sich das Ganze ziemlich nach George Gershwin an: war deshalb zwar kein Amerikaner in Paris, wohl aber ein Brasilianer in der Goldstadt.

Nach der Pause bot das kurzweilige „Oblivion“ für Solovioline (Friedemann Breuninger) und Streicher von Astor Piazolla (1921– 1992) nochmals kurze Innigkeit, bevor es abschließend mit der Serenata für Marimba, Vibrafon und Streichorchester von Ney Rosauro lebhafter wurde. Zur Zugabe drückten die Solisten Chefdirigent Timo Handschuh die Schlegel in die Hand. Drei Herren hinter der Marimba – ein köstlicher musikalischer Jux, der bewies, dass das Kammerorchester das exotische Instrument liebgewonnen hat.