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20. Februar 2012

Schillers „Don Karlos“, das „Sowohl-als-auch-Stück“, in Stuttgart

Stuttgart. Gut 250 Jahre ist er alt, Schillers „Don Karlos“ – und er hat einen Ruf weg. Er gilt als Drama zwischen den Stühlen, ein Werk, dass in den politischen Themen genauso überzeugen will wie in den privaten. Jetzt inszenierte der Stuttgarter Intendant Hasko Weber das Werk als erste Premiere im renovierten Schauspielhaus – und es gerät zu einem klugen Spiel mit Schillers „Sowohl-als-auch“-Anspruch

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Auffällig sind die modernen Elemente, mit denen Weber das Traditionsstück über den spanischen König Philipp aus dem 16.Jahrhundert durchsetzt. Die Bühnenwände zeigen Foto-Panoramen der arabischen Revolution, der Großinquisitor fährt stets mit Laptop auf dem Schoß im Rollstuhl durch die Szenerie und Don Karlos hört im Gefängnis die Rücktrittsrede von Christian Wulff – ein vom später ohnehin lang applaudierenden Publikum stark goutierter Scherz. Auch im zitierten Text herrscht Ambivalenz, mischt Weber doch den Schiller mit Heiner Müllers „Hamletmaschine“.

Große Bandbreite zeigen zudem die Schauspieler, allen voran Jan Krauter als Titelheld. Er überzeugt sowohl bei der ruhig-charmanten Tändelei mit Prinzessin Eboli als auch beim explosiv-geschrienen Kampf mit seinem Vater um Freundschaft und Ideale. Stark auch Marco Albrechts vielschichtiger Marquis von Posa.

Dennoch: Die vielleicht eine Spur zu beliebigen Kostüme bieten nur schwerlich Orientierung im Spiel um Macht und Revolution. Auch einige gute Choreographie-Ansätze zu Beginn werden von Weber im Verlauf des dreistündigen Schauspiels nicht weiter verfolgt. Da wirkt es beinahe stringenter, dass sich selbst das neue Schauspielhaus in einem Schwebezustand präsentierte. Zwar wurde nach rund anderthalb Jahren Sanierung endlich die Wiedereröffnung gefeiert, doch der gut 24 Millionen Euro teure Umbau ist entgegen der ursprünglichen Planung noch längst nicht abgeschlossen.

Das Publikum muss vorerst auf Plastikstühlen Platz nehmen. Aber irgendwie scheint dieser Sowohl-als-auch-Zustand gut zum Schiller-Stück zu passen.

Christian Fahrenbach

Autor: Christian Fahrenbach

20.02.2012
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