

Etwas Gesang und etwas Sinfonisches: Gemischte Programme waren zu Rossinis Zeiten nichts Neues. Als „Große Akademie“ wurde ein Konzert damals bezeichnet. Wie das Sinfoniekonzert bei „Rossini in Wildbad“ im Großen Kursaal, das ganz in der Tradition dieser Vergangenheit steht
. Der Reiz dieser gut besuchten Matinee mit Solisten des Festivals und der Akademie Belcanto besteht vor allem in der Darbietung erlesener Stücke wie die Arie des Grafen Fondi aus der Oper „Die sizilianische Vesper“ von Peter Joseph Lindpaintner (1791-1856). Tenor Christopher Kaplan, der bereits in der Nebenrolle des Ali in der Oper „Adina“ überzeugte, singt die Arie mit viel Gefühl – weich, geschmeidig und doch beherzt. Als Einstimmung hatte das Festival-Orchester, die Virtuosi Brunenses, unter dem Dirigat von Federico Longo die Ouvertüre der Oper präsentiert – zackig, lebhaft und mit teils kräftigen Bläserelementen.
Vermutlich uraufgeführt wird die Arie der Teresa aus Meyerbeers Oper „Ein Feldlager in Schlesien“, die kurz vor der Premiere 1844 dem Rotstift zum Opfer fiel. Zart, von der Oboe klangvoll umspielt, leitet Mezzosopranistin Kristina Elfversson diese Arie ein. Bei den langen Tönen hat die junge Interpretin jedoch etwas Mühe mit dem Atem; flatterig wirkt ihre Stimme gelegentlich in der hohen Lage.
Als liebliches Hirtenlied wird Rossinis selten gespielte Arie des Fileno aus der Kantate „Il vero omaggio“ vorgestellt. Über den sanften Harfenklang, in den allmählich Klarinetten, Oboen und Flöten einfallen, erhebt sich die schöne, schlanke Stimme von Tenor Jesús Ayllón. Beim etwas zähflüssigen Terzett mit Sopranistin Sofia Mchedlishwili und Mezzosopranistin Rosa Fiocco wird daraus jedoch fast ein Trauergesang. Ein nuancenreicher Triumph gelingt Marija Jokovic. Die grazile Mezzosopranistin mit der großen Stimme überzeugt bei Mozarts Konzertarie KV 505 „Ch’io mi scordi di te?“ durch ihr Temperament und Gestaltungsvermögen. Mit einer tempo- und akzentreichen ersten Sinfonie von Mendelssohn endet die mit viel Beifall bedachte Matinee. Anita Molnar
Autor: Anita Molnar






