

PFORZHEIM. Das hätten sich die Beatles nicht träumen lassen: „Hey Jude“ als englischer Jodler in bester Oberkrainer-Manier. Und nicht nur eine kleine Gruppe von Musikern nimmt sich des Beatles-Hits in neuer Form scherzhaft an. Im Gegenteil: Ganze Heerscharen von Kehlen stimmen fröhlich in den Welthit mit ein und tirilieren lauthals freudig „Dijo Dijo Ha Rudeldirö…Hey Jude“ bevor der Titel instrumental mit Bläsersätzen, Akkordeon- und Gitarrenklängen großartig unterfüttert wird.
So geschehen im Pforzheimer Kulturhaus Osterfeld zum Abschluss des „Global Kryner“-Konzertes, bei dem die österreichischen Gäste mehr als zwei Stunden ein musikalisches Feuerwerk abgebrannt haben, das viele Überraschungen barg.
Sicher: Nicht alles, was die sechsköpfige Formation bei ihrem Gastspiel präsentierte, verdient ein besonderes Gütesiegel. Insgesamt muss aber bescheinigt werden: Die Lieder, die Christoph Spörk (Klarinette, Gesang und Moderation), Martin Temmel (Posaune), Edi Köhldorfer (Gitarre), Anton „Banderas“ Sauprügl (Akkordeon) und Markus Pechmann (Trompete) gemeinsam mit Sängerin Sabine Stieger mit spürbarer Spielfreude von der Bühne schmettern, sind witzig, spritzig, mitreißend und überaus kreativ gestrickt. In die Begeisterung des Publikums für die ungewöhnliche Präsentation mischt sich denn auch nicht selten ungläubiges Kopfschütteln, wenn beispielsweise der durch den „Blues Brothers“-Film zu Weltruhm gelangte Titel „Rawhide“ erst in bekannter Version erklingt, sich dann aber in ein fröhliches Volksmusikstück wandelt, das unvermittelt zum Schunkeln einlädt. Was mit einem Instrumentalstück im Spannungsverhältnis von Klezmerklängen und oberkrainischer Volksmusik seinen Anfang nimmt und nach zwei Zugaben (Falcos „Amadeus“ und Frank Sinatras „Something Stupid“) schließlich mit „Hey Jude“ sein Ende findet, ist ein gelungenes Programm, das aufhorchen lässt. Einerseits begeistert Vokalistin Sabine Stieger mit ihrer facettenreichen Stimme, andererseits ist es die hohe Güte der Instrumentalisten, die weit mehr auf dem Kasten haben, als die Interpretation von bisweilen aberwitzig neu arrangierten Rock- und Pophits im Oberkrainergewand.
Es ist vor allem der zweite Programmteil, der abseits der verkrainerten Hits wie „Oye Como Va“ (Santana), „Eye Of The Tiger“ (Survivor) oder „Like A Virgin“ (Madonna) vor Augen und Ohren führt, dass sich für das „Global Kryner“-Projekt Musiker zusammengefunden haben, die großen Spaß daran haben, stilistische Grenzen zu sprengen. Ergreifende Tangos und Schlager, Pop- und Rockhits verschmelzen neben Jazzklängen mit Volksmusik und machen am Ende eines deutlich: Nicht der Stil macht die Güte einer Musik aus, sondern einzig deren Qualität. Und daran haben die Global Kryner beileibe keinen Mangel. Ralf Recklies





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