

PFORZHEIM. Die angedachte Uraufführung der rekonstruierten Urfassung von Fritz Langs Monumentalfilm „Metropolis“ in Pforzheim bleibt Berlin vorbehalten. Immerhin konnte das Kommunale Kino zwei andere Stummfilmperlen aus der Zeit der Weimarer Republik in die Goldstadt holen und nun, wie Geschäftsführerin Christine Müh berichtete, als Beitrag zum „Zwanziger Jahre Festival“ präsentieren.
In „Stummfilmen“ aus der Frühzeit der Filmgeschichte werden Handlungen „ohne Ton“ nur durch Bilder (und Zwischentexte) wiedergegeben. Zumeist aber „von außen“ von akustischen Komponenten ergänzt. Als erstes Beispiel zeigte das Kommunale Kino den Film „Der Turm des Schweigens“, eine bislang von der Filmgeschichtsschreibung vernachlässigte Arbeit des Stummfilm-Routiniers Johannes Guter aus dem Jahr 1925. Und zwar gewissermaßen in historischer Originalklang-Aufführungspraxis. Filmhistoriker Dr. Philipp Stiasny bezeichnete in seiner Einführung diesen Unterhaltungsfilm als „Schmonzette“, die freilich im historischen Kontext ein interessantes Thema aufgreife. Nämlich auf verschlüsselte Weise das nach dem 1. Weltkrieg grassierende „Heimkehrer-Syndrom“: Vermisste, oft für tot erklärte Soldaten kehrten Jahre nach Kriegsende zurück, wo inzwischen ihre Freundin, Braut oder Ehefrau eine neue Verbindung eingegangen war.
„Der Turm des Schweigens“ behandelt eine Flieger-Expedition. Die Fliegerfreunde Durian (Fritz Delius) und Holl (Nigel Barrie) unternehmen eine waghalsige Wüsten-Erkundung. Nach einer Bruchlandung flieht Durian und lässt seinen Partner todgeweiht zurück. Zu Hause heiratet er dessen frühere Braut Liane (Hanna Ralph). Doch unerwartet kehrt der Wüsten-Bruchpilot heim und lernt Eva (Xenia Desni) lieben – wie sich herausstellt, eine Schwester des treulosen Verräters Durian. Mit vorbereiteten Improvisationen begleitete der Stummfilmpianist Carsten-Stephan Graf von Bothmer das Filmgeschehen. Allerdings nicht auf einer traditionellen Kinoorgel, sondern am „Cine-Tronium“, einem modernen, elektronisch aufgerüsteten Piano-Synthesizer-Gerät. Auf diese Weise wurde die expressionistisch-exaltierte Spielweise der Darsteller samt Gefühlsausbrüchen einfühlsam mit Klängen untermalt.
Bothmers Live-Musik verstärkte zudem den Reiz der märchenhaft dunkel-düsteren, die Schlagschatten betonenden Schwarzweiß-Aufnahmen. R. Uhlig





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