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Die Architektur der Elbphilharmonie begeistert. Foto: dpa-archiv
Die Architektur der Elbphilharmonie begeistert. Foto: dpa-archiv
19.04.2017

Tops und Flops an der Elbphilharmonie

Hamburg. Vor rund vier Monaten wurde die Hamburger Elbphilharmonie eröffnet. Das Werk des Architektenduos Herzog & de Meuron sorgt trotz der Baukosten von rund 800 Millionen Euro für Begeisterung. Es gibt aber auch Probleme.

Hamburg. Vor rund vier Monaten wurde die Hamburger Elbphilharmonie eröffnet. Das Werk des Architektenduos Herzog & de Meuron sorgt trotz der Baukosten von rund 800 Millionen Euro für Begeisterung. Es gibt aber auch Probleme.

Die Akustik im großen Konzertsaal wird heiß diskutiert. Die meisten Kritiker stellen dem Konzerthaus ein positives Zeugnis aus und schwärmen vom glasklaren Klang. Fest steht, dass der Saal keine Fehler verzeiht. Wenn ein Musiker oder Sänger den Ton nicht genau trifft, dann fällt das auf. Das heißt aber auch: Je besser ein Orchester, desto besser der Klang. Was man als Zuhörer unbedingt vermeiden sollte: husten oder rascheln, denn auch das ist nur allzu gut zu hören.

Die Nachfrage nach Karten für die Elbphilharmonie ist so groß, dass schon vor der Eröffnung sämtliche Konzerte bis Juli ausverkauft waren. Immer, wenn es neue Karten gibt, bricht der Server wegen Überlastung zusammen. Was die Veranstalter freut, sorgt bei zahlreichen Elphi-Fans für Frust, weil sie regelmäßig bei der Kartenvergabe leer ausgehen.

Für das Programm gibt es viel Lob. In den Eröffnungswochen gaben sich die ganz Großen der Klassikszene die Klinke in die Hand: von den Wiener Philharmonikern bis zum Chicago Symphony Orchestra, von Yo-Yo Ma bis Cecilia Bartoli. Und so wird es in der kommenden Saison weitergehen. Aber das Programm scheint so wichtig nicht zu sein. „Wir könnten auf Kämmen spielende Putzfrauen präsentieren und der Saal wäre voll“, scherzte Intendant Christoph Lieben-Seutter.

Wegen ihrer atemberaubenden Architektur wurde die Eröffnung der Elbphilharmonie auf dem Times Square in New York gefeiert. Tausende Menschen strömen auch ohne Konzertkarte jeden Tag auf die öffentliche Plaza in 37 Metern Höhe, um den Rundumblick über den Hamburger Hafen zu genießen. Bisher wurden bereits 1,5 Millionen Besucher auf der Plaza gezählt – rund 250 000 Besucher konnten ein Konzert im Großen Saal erleben.

Die einzigartige Architektur der Schweizer Herzog & de Meuron führt aber auch zu einigen Problemen. So ist es wegen der steilen Treppen schon zu etlichen Stürzen gekommen. Hier wollen die Verantwortlichen nachbessern. So soll die Erkennbarkeit der Stufen verbessert und zusätzliche Geländer sollen angebracht werden.

Vor den Toiletten und den Garderoben der Elbphilharmonie bilden sich regelmäßig lange Schlangen. Das hat bereits zu einigem Unmut bei Besuchern geführt. Dabei steht die Elbphilharmonie mit ihren 2100 Plätzen im Vergleich zu anderen Konzertsälen gut da: 125 Toiletten (51 für Damen, 74 für Herren) kann die Elphi vermelden, in der Hamburger Staatsoper sind es bei 1690 Plätzen nur 66 Toiletten. „Die Leute haben noch nicht verinnerlicht, dass es auf jeder Etage Toiletten gibt“, sagt der Sprecher der Kulturbehörde, Enno Isermann.

Die An- und Abfahrt erweist sich als schwierig. Die Elbphilharmonie ist von drei Seiten von Wasser umgeben. Wenn bei Konzertende 2100 Menschen nach Hause wollen, kann es schon mal eng werden. Die nächste U-Bahnstation am Baumwall ist 450 Meter entfernt, im Regen kann der Weg ungemütlich werden – vor allem im Abendkleid. Auch der Platz für Taxen vor dem Konzerthaus ist begrenzt.

Dürfen die Zuschauer zwischen den einzelnen Sätzen eines Werks Applaus spenden oder nicht? Um das Verhalten bei Klassikkonzerten ist in Hamburg eine Diskussion entbrannt. Die einen frohlocken: Denn die Elbphilharmonie lockt auch ein Publikum an, das sich bisher nicht so sehr für klassische Musik interessiert hat. Puristen und langjährige Konzertgänger stören sich dagegen an den neuen, lockeren Umgangsformen in der Elbphilharmonie.