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Sängerische Brillanz:  Majella Cullagh (Pamyra, von links), Marc Sala (Cléomène) und Michael Spyres (Néoclès).
Sängerische Brillanz: Majella Cullagh (Pamyra, von links), Marc Sala (Cléomène) und Michael Spyres (Néoclès).
© Talmon

Unbändiger Freiheitswille: Rossinis französische Oper "Le Siège de Corinthe"

BAD WILDBAD. Eines selten gespielten Werkes Giacchino Rossinis widmete man sich bei „Rossini in Bad Wildbad“ in der kaum zu hörenden Pariser Originalfassung: „Le Siège de Corinthe“ – „Die Belagerung von Korinth“– in Bad Wildbad konzertant aufgeführt, ist eine Tragische Oper von beachtlichen Dimensionen, welche eine wechselvolle Aufführungsgeschichte erfuhr.

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Nachdem Rossini die italienische Urfassung, „Maometto II.“ zum Ausgangspunkt für die Neuschöpfung als französische „tragédie lyrique“ machte, wurde sie später in das Italienische rückübersetzt und dann durch Vermischung der italienischen Urfassung mit der französischen entstellt, bis sie schließlich für ein Jahrhundert ganz von den Spielplänen verschwand. Dem musikalischen Leiter der Aufführung, Jean-Luc Tingaud, kommt das Verdienst zu, eine Revision der originalen französischen Fassung nach den Quellen erstellt zu haben.

Auftrumpfende Klangballungen

So kennt man Rossini kaum, als Komponist einer Befreiungsoper mit tragischen Ausgang. Der in das Korinth des Jahre 1849 verlagerte Schauplatz der Oper zur Zeit des Aufstands der Griechen gegen die türkischen Eroberer unter Mohammed wirkte unmittelbar politisierend. Denn es stellte Parallelen zum während der Uraufführung tobenden Freiheitskampf der Griechen gegen die Türken her, an dem die französische Öffentlichkeit regen und für die Unterdrückten Partei ergreifenden Anteil nahm.

So findet sich in der Oper vielerorts ein unbändiger Freiheits- und Behauptungswillen ausgedrückt mittels raffinierter Überblendungen von Chor, acht Gesangs-Solisten und Orchester, welche sich bis zu gewaltig auftrumpfenden Klangballungen auftürmen. Mit seiner besonnenen Leitung vermochte Jean-Luc Tingaud viel Raum für Entwicklungen zu geben und große Zusammenhänge überzeugend hörbar zu machen. Sein Dirigat verlieh dem Rhythmischen deutliches Gewicht. Die Wahl der Tempi hätte man sich manches Mal differenzierter gewünscht und die Ritardandi etwas weniger eindimensional. Der recht kleine Camerata Bach Chor sang wie ein großer Opernchor, präzise, intonationsrein und klangmächtig. Sehr erfreulich war auch das Orchester, die Virtuosi Brunensis, mit Musizierwillen und kontrollierter Spielleidenschaft. Ganz ausgezeichnet war durch die Bank das Solisten-Ensemble. Besonders muss Majella Cullaghals Pamyra hervorgehoben werden mit ihrer großen Bandbreite des Könnens, mit ihrer hohen Virtuosität in den Koloraturen, der hochdramatischen Gestaltung und der Brillanz ihrer Stimme. Marc Sala sang trotz Indisponiertheit ausgezeichnet, in sensibel gestaltetem Belcanto.

Einen besonderen Genuss bot auch die Darbietung von Michael Spyres als Néoclès, dessen Tenor so tragfähig ist wie vom Timbre ausgefüllt und gerundet und dessen Gestaltung äußerst ausdrucksreich und anpassungsfähig ist. Lorenzo Regazzo gab souverän und überzeugend Mahommet II. Sein warmer Bass stieß allerdings manchmal leicht an die Grenzen seiner Stimmkraft. Matthieu Lécroart als Hiséros sang prachtvoll wie mit blitzender Stahlklinge. Silvia Beltrami als Ismène bot umwerfende Präsenz mit rhythmisch energiegeladenem und volltönigem Mezzosopran. Auch Marco Filippo Romano als gewichtiger Omar sowie von Gustavo Quaresma Ramos als jünglingshaft heller und klarer Adraste überzeugten. Nur dass der korrekte Orchester-Einsatz des abschließenden Finales Tingaud Mühe bereitete, erschien unverständlich als Schlusspunkt einer glänzenden Aufführung.Ruth Wolfstieg

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