

Das Orchester liebt Haydn. Das hört man. Denn der Starter oder Apéro des 5.Sinfoniekonzerts der Badischen Philharmonie Pforzheim im CongressCentrum klingt durchweg liebenswürdig.
Die 4.Sinfonie von Joseph Haydn mit dem Beinamen „La Reine“ gehört zu der Sorte Musik, die einfach gute Laune macht. Wem das nicht gefällt, der lebt falsch. Und mit dieser Gewissheit, die den Rücken stärkt, leitet Gastdirigent Thomas Dorsch (Oldenburg) die Musiker auch sicher und mit der nötigen Leichtigkeit, mit Schwung und Sinn für Dynamikeffekte. Dem Publikum gefällt das. Insofern stimmt, was wir schon immer wussten, dass nämlich Pforzheim nicht falsch, sondern richtig lebt…
Dass mit der Sopranistin Katja Bördner am Theater der Stadt eine ausgezeichnete Solistin engagiert ist, können die Zuhörer in „Les nuits d’été“ op. 7 von Hector Berlioz hören. Die wunderschönen Lieder sind Vertonungen von sechs Liebesgedichten des französischen Schriftstellers Théophile Gautier, der sich hier vorrangig der unerfüllten und verlorenen Liebe angenommen hat. Deshalb gleitet Berlioz’ klangfarbenreiche Orchestrierung an vielen Passagen ins Tieftraurige ab. Katja Bördners Stimme schafft einen klaren, aber dichten Sopranklang. Er erhält auch ein sehr warmes Timbre, etwa wenn sich im Lied „Le spectre de la rose“ der Gesang mit der Klarinette in parallelen Terzen bewegt. Stimme und Orchester sind beim Berlioz wie eins geworden. Traumhaft!
Versteht sich von selbst, dass die große, blonde Frau im langen weißen, schulterfreien Kleid mit Glitzerträger die Begeisterung auf ihrer Seite hat. Ausdruck und Vortrag sind ganz klassische Schule: Die Arme, am Körper herab anliegend, sind frei von jeder Gestik, so dass alle Konzentration einzig auf der Stimme liegt. Wenn man bedenkt, wie viel Show manche Instrumentalisten bei ihren Solokonzerten zum Besten geben, dann erscheint Bördners Kunstliedvortrag geradezu vorsichtig und zurückhaltend. Das hätte man dicker auftragen können. Und die Stimme hätte es bestens getragen.
Mit der 8. Sinfonie von Philip Glass kommt leider nicht die große Begeisterung auf. Sie fehlt selbst bei den Musikern. Augenscheinlich hat niemand rechten Spaß und musikalisch ist das 40-minütige Werk, das von massiver Balance aus Rhythmik und Harmonik lebt, nicht pfiffig ausgestaltet. Die für Glass typischen Überraschungsmomente, wenn aufgebaute Klangperioden plötzlich abbrechen und andere Soundrichtungen einschlagen, sind wie beiläufig musiziert, aber nicht erlebbar – geschweige denn ergreifend – aufgeführt.
Die auf eine große Leinwand hinter dem Orchester projizierten Videobilder von Markus Arnold zeigen im ersten Satz mal Tanzbilder, im zweiten Satz mal bunte geometrische Figuren á la Bildschirmschoner. Die grafischen Ideen, an sich interessant, bleiben aber bezuglos zur Musik. Es fehlt am Miteinander. So auch beim Musizieren, wo die Schlagzeuggruppe erstaunlich rücksichtslos als Selbstläufer durchmarschiert und die hohen Streicher unhörbar hinter sich lässt. Musikalische Innigkeit gelingt nur im ruhigen dritten Satz. Da kann man hörbar hoffen, dass das Orchester es prinzipiell besser kann.
Vielleicht hat hier auch bei Thomas Dorsch, der es ordentlich und gut machen will , die Vorsicht und Zurückhaltung überwogen? Leidenschaftliche Begeisterung fürs Zeitgenössische sieht jedenfalls anders aus. So was überträgt sich aufs Publikum, denn im dünn besuchten Saal des CongressCentrum gibt es für die Glass-Sinfonie nur mäßigen Beifall.
Autor: Sven Scherz-Schade | Pforzheim






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