nach oben
Fast wie im Fernsehen: Willi interviewt die Musiker Michael Ewers, Dariusz Wasiak, Mikael Samsonov und Sophia Scheifler (von links).  Meyer
Fast wie im Fernsehen: Willi interviewt die Musiker Michael Ewers, Dariusz Wasiak, Mikael Samsonov und Sophia Scheifler (von links). Meyer
Für so ein Autogramm von Willi kann man sich schon mal anstellen.  Molnar
Für so ein Autogramm von Willi kann man sich schon mal anstellen. Molnar
04.04.2017

Willi Weitzel begeistert 620 Zuschauer im CCP mit eigener Märchenversion

Das Orchester kommt herein, der Dirigent – und dann sollte endlich Willi Weitzel auf die Bühne des ausverkauften Mittleren Saals im CongressCentrum (CCP) treten.

Doch Timo Handschuh hat schlechte Nachrichten: „Ich habe ihn in der Garderobe nicht gefunden“, sagt der Chefdirigent des Südwestdeutschen Kammerorchesters (SWDKO) – und bittet die über 600 Zuschauer, zu rufen. Was sie prompt tun. Und damit den bekannten Moderator und Reporter der Fernsehsendung „Willi will’s wissen“ mit weißem Hemd, Hosenträgern und Fliege hereinlocken.

„Schön, dass ich euch endlich mal in echt sehe, bei vielen war ich ja schon im Wohnzimmer“, sagt er und bittet noch mal um Applaus für das „fantastische Orchester“ und Handschuh: „Er ist nicht nur der weit und breit beste, sondern auch der mutigste Dirigent, denn er ist im Schwarzwald aufgewachsen – bei den Wölfen“, so der 44-Jährige. Genau deshalb ist Willi gekommen – zum Familienkonzert im Rahmen des Goldstadt-Jubiläumsfestivals.

Mit dem SWDKO will er seine eigene Version des musikalischen Märchens „Peter und der Wolf“ von Sergej Prokofjew präsentieren. Doch bevor die bekannten Melodien erklingen, begeistert Willi erst mit einer Reihe anderer spontaner Einfälle, die allein so lange dauern, wie der zunächst geplante zweite Teil.

Begeisterung trotz Überlänge

Der Reihe nach plaudert Willi mit den Musikern und lässt alle Instrumente vorstellen, die bei „Peter und der Wolf“ eine Rolle spielen. „Kannst Du auch Liebeslieder“, fragt er den Konzertmeister Michael Ewers. „Bei mir ist das schon eine Weile her“, sagt dieser, spielt aber die süßeste Melodie. Vorsichtig geht der Entertainer auch zu den drei Hornisten, die als Wölfe hinter einer unsichtbaren Glaswand sitzen.

Willi hat jetzt schon viel geredet, und Wasser – im Glas. „Ich faste Plastik“, verrät er, nachdem ihm eine Plastikflasche gebracht wurde. Und dann geht es endlich los. „Es war einmal vor langer Zeit“, beginnt er und wird von den Musikern unterbrochen. Stimmt, die Geschichte fängt anders an. Lebhaft erzählt er von den Tieren, schüttelt als „dumme Ente“ die Backen und Unterkiefer, dass es klingt, als schüttle diese das nasse Gefieder. „Stinksauer zeigt er der Ente den Vogel“, sagt Willi und flattert dann mit den Armen wie ein Vogel. Vertraut und doch ganz anders kommt das Märchen daher, in das der gebürtige Marburger auch Lokalkolorit untermischt: „Hier im Wald, im Hagenschieß, gibt’s den Wolf noch“, erzählt er mit Großvaterstimme.

Zur Freude der Zuschauer verpasst er den Jägern einen schwäbischen Dialekt: „Guck mal da vorn, des isch ja der Wolf.“ Mit moderner Sprache verleiht er der Geschichte ein neues Gewand, redet von „Teamwork“ und „Lockvogel“ und versucht, sich mit verzogenem Gesicht aus Peters Schlinge zu ziehen – als Wolf, der eben noch die Katze verspeisen wollte. Doch ohne das farbenprächtig aufspielende Orchester, das um Bläser, Pauken und Schlagzeug erweitert wurde, wäre selbst Willi Weitzel aufgeschmissen. Schön etwa der förmlich aus dem Haus hinkende Großvater in Gestalt des Fagotts (Sebastian Mangold), der in den Streichern strahlende Peter oder der pfiffige Vogel der Flöte (Veronika Fuchs). Ein unvergessliches Erlebnis für Klein und Groß.